Briefwechsel: Völlig verdieselte Welt

Sehr geehrte nordhessische Dieselfahrer, in diesen Tagen und Wochen gehen wir durch ein Wechselbad der Gefühle. Zu lange haben wir uns sicher gefühlt.

Wir waren uns beim Kauf oder beim Leasing unserer Fahrzeuge sicher, dass wir so viel wie kein anderer Kfz-Betreiber für die Umwelt tun. Ja, im Zweifel hätten wir wahrscheinlich sogar die Abgase eingeatmet und wären sicher gewesen, dass sie dank Euro-Norm 5/6 oder neusten Techniken absolut sauber sind und uns und unsere Nachbarn und Kinder in keiner Weise schädigen. Und jetzt das! Ausgerechnet unsere modernsten und besten Diesel sollen die schlimmsten sein, sollen mit Stickoxiden gerade bei Kindern die Lungen stark beschädigen. Das trifft uns tief ins Mark.

Hinzu kommt, dass Stuttgart jetzt Teile der Innenstadt für Dieselfahrer gesperrt hat. Verständlich, aber unglaublich. Wie sollen wir Dieselfahrer denn unserer Arbeit nachfahren, wenn das so weiter geht? Was machen wir, wenn Kassel die Innenstadt sperrt?

Mal ganz ehrlich, liebe Leidensgenossen. Was hilft es uns, dass sich Mercedes und VW gegenseitig anzeigen, weil sie in einem Kartell zusammen gearbeitet haben, weil sie in diesem Kartell dafür gesorgt haben, dass unsere Fahrzeuge, auf die wir lange so stolz waren, bald nichts mehr wert sind? Was hilft es uns, wenn diese Manager hinter Gitter kommen? Es werden ja sowieso wieder die Falschen sein. Kann sich einer von Euch vorstellen, dass ein Winterkorn im Nachhinein dafür gesiebte Luft atmen muss? Ich nicht! Es wird sich heraus stellen, dass Herr Winterkorn nichts, aber auch gar nichts von dem gewußt oder geahnt hat, was bei VW so vor sich geht. Eigentlich war Herr Winterkorn nur dafür zuständig, die Betriebsräte lange Jahre mit brasilianischen Nutten zu versorgen. Oder? Auch das nicht? Wofür hat er denn fast 25 Millionen Euro im Jahr bekommen. Zum Vergleich: Unsere Bundeskanzlerin bekommt rund 300.000 Euro.

Und was ist mit uns? Unsere Dieselfahrzeuge sinken im Wert. Das fühlen wir täglich, wenn wir sie schweren Herzens anlassen. Und was nützt uns das? Nichts! Der Weg ins Autohaus ist noch sinnlos. Niemand weiss genau, was denn der Diesel noch wert ist. Nachrüsten? Warten wir erst einmal, heißt es je nach Marke.

Die Betreiber der Autohäuser sind selbst völlig verunsichert. Sie müssen ja die Leasingfahrzeuge für eine festgeschriebene Summe zurück nehmen. Viele von ihnen befürchten, dass Millionenverluste im Raum stehen.

Mein Tipp: Die Autokonzerne könnten ja ihre runden Tische wieder in Betrieb nehmen und unter Aufsicht des Kartellamtes diesmal besprechen, wie sie uns – ihre Kunden – denn schadlos halten wollen. Ich bin gespannt – und gereizt!

Mit verdieselten Grüßen
Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Bis dahin fahre ich noch umweltbewußter. Getreu dem Motto: Wenn ich nicht soviel verbrauche, werde ich hoffentlich auch nicht soviel Gift in die Umwelt blasen.

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