Briefwechsel: "Von Südhessen und Chinesen"

Chefredakteur Rainer Hahne richtet seinen Briefwechsel diese Woche an Fredi Bobic dem Manager des Bundesligisten Eintracht Frankfurt.

Sehr geehrter Fredi Bobic, Sie sind der Manager des Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Beim Hessenfest in Berlin standen Sie im Mittelpunkt, obwohl Sie gar nicht da waren.

Nachdem Ministerpräsident Volker Bouffier Sie begrüßt hatte, kam Bewegung in die Zuschauermenge. Insbesondere Politiker aus Nordhessen waren es, die dahin strebten, wo Sie vermutet wurden. Der Grund dafür war nicht ein möglicher Glückwunsch zum Erreichen das Pokalfinales. Nein, man wollte mit Ihnen noch einmal über dieses unsägliche Absagen des zugesagten Benefizspiels beim KSV Hessen Kassel sprechen. Und natürlich über die Begründung, die Sicherheit für Mannschaft und Fans sei nicht gegeben.

Ich kenne Sie noch aus der Zeit bei Hannover 96. Damals haben Sie die Roten mit Ihren Toren in der Bundeslige gehalten. Dass Sie ängstlich sein könnten, konnte ich nie feststellen. Hannover 96 kommt demnächst zum Spiel nach Kassel. Martin Kind wäre nie auf den Gedanken gekommen, daran zu zweifeln, dass die Polizei in Hessen die Sicherheit eines Benefizspiels nicht garantieren kann. Ihr Verein bezweifelt das.

Für mich ist es übrigens das erste mal, das so ein Spiel mit so einer lächerlichen Begründung abgesagt worden ist. Wenn Sie den Löwen nicht helfen wollen, dass sagen Sie es doch einfach. Vor mehr als zwei Jahrzehnten war die Profimannschaft der Eintracht das letzte Mal in Kassel.

Ich war damals Manager des FC Hessen Kassel. Dragoslav Stepanovic war der Trainer der frisch abgestiegenen Eintracht. Beide Mannschaften lieferten sich ein absolut faires Spiel. Auf den Rängen war durch den 2:0-Sieg des damaligen FC die Stimmung gut. Und aus Frankfurt war kaum ein Fan angereist.

Später kam dann die Reserve zu Punktspielen nach Nordhessen. Einmal gab es einen Zwischenfall. Eine Kleinigkeit. Großes Theater wie bei Spielen gegen Kickers Offenbach oder Darmstadt 98 gab es nie.

Und die Polizei? Die geht natürlich immer erstmal davon aus, dass Spiele zwischen Mannschaften aus Süd- und Nordhessen Risikospiele sind, die sie ganz normal abarbeiten. Ein Restrisiko bleibt, haben sie geschrieben. Ein Restrisiko bleibt auch beim Autofahren, wenn Sie angeschnallt sind.

Sehr geehrter Herr Bobic, ich würde mich freuen, wenn die Eintrachtverantwortlichen sich diese Entscheidung noch einmal durch den Kopf gegen lassen würden. Sonst muss der KSV Hessen darauf vertrauen, dass die Geschäftsführung der Regionalliga Südwest weiter so hirnrissige Ideen ausbrütet.

Nachdem man dem Fernsehen Livespiele für 100 Euro verkauft hat, kommt jetzt eine chinesische Mannschaft in die Staffel und zahlt pro Spiel 7500 Euro. Mehr als nichts.

Mit ängstlichen Grüßen
Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Eine chinesische Mannschaft in der Regionalliga Südwest. Ich habe erst mal meinen Kalender zu Rate gezogen. Ja ist denn schon wieder der 1. April? Nein, ist er nicht. Unfassbar!

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