Briefwechsel: Wählen mit Hirn und Verstand

Sehr geehrte Wählerinnen und Wähler, Sonntag sind wir alle aufgerufen, zur Wahlurne zu eilen und für unser Bundesland Hessen, für unsere Heimat, unsere Stimme abzugeben.

Wir entscheiden letztlich wie Hessen in den nächsten vier Jahren regiert wird. Das ist kein Kasperltheater, wie mein Vater immer zu sagen pflegte. Der hatte als Jugendlicher die Pflicht, die Folgen nationalsozialistischer Politik im wahrsten Sinne des Wortes auszubaden. Er landete nämlich im kalten Wasser der deutschen Bucht, als sein Minensuchzerstörer von englischen Kampffliegern in den letzten Tagen des Krieges versenkt wurde und er als Einziger überlebt hatte. Nach dem Krieg war für ihn klar: „Niemals wieder darf ich anderen allein überlassen wie unser Land regiert wird.“

Aktiv als Politiker hat er das nicht getan, aber für ihn war es selbstverständlich, dass er sich als Wähler an jeder Wahl beteiligt hat. Und genauso selbstverständlich war es für mich und meine Geschwister, dass wir bei ins im Haus ständig Politiker begrüßt haben, mit denen intensiv über die Politik der Stadt, des Landkreises oder der Landes- und Bundesregierung diskutiert wurde. Vor diesem Hintergrund verstehen Sie sicher, dass ich wenig Verständnis für Wähler habe, die zur Urne eilen und immer noch nicht wissen, was sie den eigentlich so genau wählen wollen. Was erwarten die denn eigentlich für eine göttliche Eingebung, wenn sie dann allein in ihrer Box sitzen und auf die endlosen Listen mit den Namen, mit den Parteien schauen? Wo waren alle diese Wähler, die sich nicht sicher sind, was sie eigentlich wollen, als die Politiker im Land herumgereist sind und gesprächsbereit auf den Plätzen unserer Städte standen, in den Cafés und vor Curry-Wurst-Schmieden waren? Wenn ich Fragen habe, gehe ich doch direkt dahin und verschaffe mir einen persönlichen Eindruck.

Es kann doch sicher nicht wahr sein, dass die Ergebnisse der inflationär auf uns einprasselnden Umfragen – morgens, mittags und abends – einen Einfluss haben. Oder? Oder sind es die oft erschütternd schlecht gemachten Hetzartikel im Internet, die offensichtlich zum Teil mal wieder aus einer russischen Trollschmiede kommen? Das darf ja wohl gar nicht sein. Mein Vater hat mir damals gesagt: „Mit der Wahl übernimmst Du Verantwortung. Mach es nicht wie die Deutschen 1945, als Anfang des Jahres 100 Prozent für die Nazis waren und Ende des Jahres niemand mehr wissen wollte, wer das denn eigentlich war. Mach Dich kundig und wähle mit Verstand. Wut und Angst sind ganz schlechte Ratgeber.“ Wählen Sie also verantwortungsbewusst.

Mit wahltaktischen Grüßen,

Rainer Hahne, Chefredakteur

P.s. Ganz gespannt bin ich auf das Wahlverhalten unserer Mitbürger mit Migrationshintergrund. Wir wissen ja nur zu genau, dass man von außerhalb versucht, über ihr Wahlverhalten Einfluss auf unsere Regierung zu bekommen.

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