Briefwechsel: Wer nicht mit am Tisch sitzt...

...steht auf der Speisekarte. Sehr geehrter Herwig Leuk, Sie führen den Kreisverband Kassel des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA). Und ganz offensichtlich sind Sie nicht gewillt, bei der Politik auf der Speisekarte zu stehen.

Ganz im Gegenteil, Sie möchten mit am Tisch sitzen und die Speisekarte mit schreiben. Deshalb haben Sie die Bundestagskandidaten Timon Gremmels, Dr. Norbert Wett, Boris Mijatovic und Matthias Nölke zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Themen dafür hatten Sie genug. Und die hatten es teilweise ganz schön in sich. Ganz oben auf der Liste stand das Thema Steuern. „Gleiche Steuern für Essen“, fordern Sie und machten an einigen Beispielen klar, was für ein hirnverbrannter Blödsinn sich in ihrem Bereich abspielt.

Beispiele gefällig? Isst man die Currywurst im Sitzen am Imbiss sind 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Nimmt man sie mit nach Hause, isst sie auf der Parkbank oder im Stehen kostet das nur noch sieben Prozent Mehrwertsteuer. Isst man zuhause vom gelieferten Pappteller sind sieben Prozent Mehrwersteuer fällig, im Restaurant vom Porzellanteller 19 Prozent.

Gar nicht mehr nachzuvollziehen: Schulverpflegung kostet 19 Prozent, Studentenverpflegung sieben Prozent. Durch niedrige Steuersätze wird auch die Suppe aus der Tüte, das Schnitzel im Brötchen auf die Faust und das Salat in der Plastikschale aus dem Supermarkt belohnt. Offensichtlich ist es dem Staat zu abgehoben, wenn Suppe, Schnitzel oder Salat in Kneipe oder Restaurant gegessen wird. Das wird mit 19 Prozent Mehrwertsteuer bestraft.

Keiner der anwesenden Politiker konnte begründen, warum es diese irrsinnigen Festlegungen gibt. Kein Wunder, dass sie sich anhören mussten, dass „die da oben in Berlin“ sich für die Meinung der Basis sowieso nicht interessieren. Aber – egal, wer gewinnt – diese Problematik wird nach Berlin getragen.

Nach Berlin transportiert wird auch die Frage der täglichen Arbeitszeit. „Wir wollen nicht, dass unsere Mitarbeiter mehr Stunden pro Woche arbeiten müssen“, haben Sie sehr deutlich gemacht. „Wir brauchen aber eine flexible Lösung.“ Und die gibt es bereits in der EU.

Während der deutsche Gastronom seine Mitarbeiter nach zehn Stunden nach Hause schicken muss – ganz egal, ob noch Gäste da sind, die Feier auf Hochtouren läuft, kann der Kollege in anderen EU-Ländern bei Bedarf auch länger als zehn Stunden arbeiten lassen. Nur die Wochenarbeitszeit darf nicht überschritten werden.

Ich bin gespannt, ob Oberzahlmeister Schäuble und unsere Arbeitsfachfrau Nahles gesprächbereit sind.

Mit genießerischen Grüßen
Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Wenn Caterer wie Rainer Holzhauer Essen liefern, empfehlen Sie dem Kunden, Porzellanteller und Besteck bei einem anderen Dienstleister zu bestellen, denn dann bezahlt man nur sieben Prozent Mehrwertsteuer. Mal ganz ehrlich... geht’s denn noch, liebe Politiker?

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