Briefwechsel: Wie zwei Sechser im Lotto

Sehr geehrter Alfred Schmidt, sehr geehrter Dieter Posch, Ihr seid beide Wirtschaftsfachleute. Beide habt Ihr dem Land Hessen als Wirtschaftsminister gedient und mit dafür gesorgt, dass Hessen eines der wirtschaftlich stärksten Bundesländer ist.

Mehr noch. Hessen ist eine der stärkten europäischen Wirtschaftsregionen. Mich fasziniert aber etwas anderes viel mehr. Beide seid Ihr nach Eurer aktiven Zeit in der Landesregierung nicht in der Privatwirtschaft verschwunden. Ihr wart und seid bereit, der Wirtschaft in Nordhessen weiter zu helfen und Eure Kontakte für die Region zu nutzen. So etwas dürfte es in dieser Konstellation nicht oft geben.

Du, lieber Alfred, hast viele Jahre den Beirat der Wirtschaftsförderung der Region Kassel geleitet. In zahllosen Gesprächen hast Du Firmen für die Region begeistert, hast ihnen über finanzielle Hürden geholfen, hast ihnen wichtige Kontakte verschafft. Als der Flughafen gebaut wurde, warst Du einer der ersten, der erkannt hatte, dass dieser Airport der Region mittelfristig weiterhelfen wird.

Während andere noch gestöhnt und gejammert haben, warst Du schon weltweit unterwegs und hast Dich umgehört. Weltweit unterwegs – ja, das für Dich Alltag. Deine Reisen nach China wurden zuletzt gar nicht mehr gezählt. Es dürfte wohl keinen anderen ehemaligen Politiker geben, der im „Reich der Mitte“ so aktiv war und so ein großes Ansehen genießt. Zweimal konnte ich Dich dort begleiten und es hautnah miterleben, welchen Respekt man Dir entgegen gebracht hat. Und dieser Respekt ist nicht angeflogen gekommen.

Als Du noch Wirtschaftsminister warst, hast Du einem jungen chinesischen Studenten mit Deinen Kontakten geholfen. Heute ist der Mann Professor und einer der Berater des chinesischen Ministerpräsidenten. Ja, die Welt ist klein, pflegt man in solchen Momenten zu sagen. Oder: Gute Taten zahlen sich irgendwann aus.

Hessen haben Deine glänzenden Kontakte nie geschadet. Nur einige Politiker dürften Probleme damit bekommen haben, ihren Neid auf Dich zu verstecken. Gelungen ist es ihnen jedenfalls nicht. Dich, lieber Dieter Posch, habe ich kennen und schätzen gelernt, als Du auf der EXPO REAL, der größten Immobilienmesse Europas in München, gegen Investoren das Rückgrat durchgedrückt hast, die von Nordhessen als Entleerungsgebiete gesprochen und Dich gedrängt haben, Investitionen im Rhein-Main-Gebiet zu unterstützen.

Du hast ihnen klar und deutlich gemacht, dass das mit Dir nicht zu machen ist. Es ist schade, dass Du, Alfred, jetzt in den Ruhestand gehst. Schön ist es aber, dass Du, Dieter, den Job nahtlos übernimmst.

Mit wirtschaftlichen Grüßen
Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Und in China wird man sich sicher nach einer Eingewöhnungszeit auf Besuche des neuen Präsidenten des Netzwerks Hessen-China Rolf-Dieter Postlepp freuen. Da bin ich mir sicher!

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