Briefwechsel: "Wir können niemanden schützen"

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Seinen Briefwechsel richtet Chefredakteur Rainer Hahne an einen Flüchtling aus Syrien. Der Mann hat einen Doktortitel und hofft auf eine Zukunft.

Sehr geehrter Dr. K.A.,Sie sind jetzt zum zweiten Mal in Deutschland. Beim ersen Mal war es sicher angenehmer. Sie sind als Student zu uns gekommen. Haben in Illmenau technische Mechanik studiert und dort auch promoviert. Ihr Doktorvater hat Sie nur ungern wieder zurück nach Syrien gehen lassen.Doch sie wollten wieder in die Heimat, zu Ihrer Familie. Deshalb sind sie 2007 zurückgegangen, haben eine Stelle an der Uni Damaskus gefunden und sich eine kleine Existenz aufgebaut.  Das alles fand ein jähes Ende, als der Bürgerkrieg in Syrien angefangen hat. Sie wollten weder mit dem Diktator Assad, noch mit den mörderischen Milizen etwas zu tun haben. Sie wollten nur in Frieden leben.

Das hat aber niemanden interessiert. Die Situation wurde lebensgefährlich. Gerade für die Männer in Syrien. Sie werden nicht gefragt, ob, wofür oder wogegen sie kämpfen wollen. Sie werden entführt und dazu gezwungen. Und wer sich nicht zwingen lässt, wird erschossen und in den Straßengraben geworfen. Offensichtlich haben einige Deutsche diese Situation nicht verstanden. Sie faseln von Deserteuren, die man erschießen müsste, wie das in der guten alten Nazi-Zeit gemacht wurde.  Sie spielen sich als Helden auf, die eher sterben, als ihre Familien im Stich lassen würden.Sie, Herr Dr. K. A., haben es mit ganz einfachen, wenigen Worten auf den Punkt gebracht: "Was kann ich für meine Familie dort tun? Als Mann kann ich dort niemand schützen, niemand helfen.”

Stattdessen haben Sie das gemacht, was zur Zeit viele junge Männer auf der Welt tun. Wohl wissend, dass der Weg nach Europa lebensgefährlich ist, sammeln die Familien das letzte Geld, um wenigstens einem die Flucht zu ermöglichen. Und natürlich hoffen sie, dass sie irgendwann dafür Unterstützung von denen erhalten, die es bis zu uns lebend schaffen.Und diese Hoffnung ist in vielen Fällen berechtigt, denn viele dieser Menschen kommen aus Ländern, in denen die Familie noch etwas gilt, in denen ältere Menschen geachtet sind. Um so schlimmer ist es dann für die jungen Männer, wenn sie zu uns kommen, jahrelang in Lagern sitzen müssen, nicht arbeiten dürfen und nicht helfen können.Sie, Herr Dr. K. A., werden schnell eine Stelle bei uns finden. Auch die jungen  Männer, die mit Ihnen Tischtennis gespielt haben – Studenten, Schüler, Handwerker – haben eine gute Chance bei uns.Doch dafür muss erst einmal Frau Nahles aufwachen. Für 190.000 Menschen wird es in diesem Jahr Integrationskurse geben. Das ist viel zu wenig.

Mit flüchtigen  GrüßenRainer HahneChefredakteur

P.s. Hans Magnus Enzensberger, einer der letzten großen deutschen Denker, hat sich mit den Vorgängen im Internet rund um die Flüchtlingsproblematik befasst. Sein Fazit ist niederschmetternd: "Im Internet toben sich Schwärme von Fanatikern, Denunzianten, Paranoikern und Hasspredigern aus.”

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