Briefwechsel: Wirtschaft im Wandel

Sehr geehrter Professor Große, sehr geehrter Pierre Pascal Urbon, die Weltwirtschaft ändert sich dramatisch, und Sie beide stehen als SAFRI-Präsident (SAFRI – Afrika-Initiative der deutschen Wirtschaft) bzw. als Vorstandsvorsitzender der Zukunftstechnologie Solarstrom ganz vorne in der Bewegung.

Sie, Herr Große, müssen erkennen, dass die deutsche Industrie Afrika in erster Linie als einen Kontinent sieht, in den man Waren verkauft. Dort wird gehandelt, aber nicht hergestellt. Deutsche Firmen haben in Afrika keine Fertigungen aufgebaut.

Die Chinesen sehen das ganz anders. Die bauen die Infrastruktur ganzer Landstriche auf und sind „schuld“ daran, dass dort das Einkommen der Menschen langsam aber sicher steigt. Umsonst machen sie das aber ganz bestimmt nicht. Sie sichern sich dafür die Bodenschätze und die billigen Arbeitskräfte. Unsere Bundesregierung konnte sich ganz offensichtlich zu einem vernünftigen gemeinsamen Vorgehen in Afrika nicht durchringen. Jeder Minister hat sein eigenes kleines Lieblingsprojektchen.

Das ist nur lächerlich und bewegt auf Dauer gar nichts. Wenn man den Zustrom von Flüchtlingen aus diesem Kontinent nach Europa stoppen will, muss man die Kräfte bündeln und den Menschen ein vernünftiges Angebot machen. Aber wie soll das funktionieren, wenn man sich angesichts der aktuellen Hungersnöte in Afrika mal wieder noch nicht einmal dazu durchringen kann, genügend finanzielle Mittel für Lebensmittel zur Verfügung zu stellen?

Wenn demnächst wieder halb verhungerte Menschen zu uns kommen, wird wieder von „Wirtschaftsflüchtlingen“ gefaselt? Sie, Herr Urbon, wissen aus Erfahrung, dass Afrika der Kontinent der Zukunft für Ihre Branche ist. Alternative Energie wird gebraucht für den Aufbau des Landes und einer vernünftigen Industrie. Die Sonne scheint in ausreichendem Maße. Doch Gelder für den Aufbau von Solaranlagen sind nicht da. Und wenn welche gebaut werden, muss das Eigentum vor Ort geschützt werden.

Wer soll das leisten? Eine einzelne – trotz allem recht kleine – Firma? Mit Sicherheit nicht. Solange es nicht möglich ist, dass die Bundesregierung und die zweitausend deutschen Firmen, die in Afrika aktiv sind, sich zu Großprojekten zusammenschließen, wird auf dem größten Kontinent der Welt nur gekleckert. Die Chancen für die Bewohner dieses Kontinents werden genauso verspielt wie die Chancen für unsere Wirtschaft. Ich bin gespannt, was uns die nächste Bundesregierung zu diesem Thema zu bieten hat. Ich tippe auf – wenig.

Mit klimatischen Grüßen
Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Für das Weltklima ist ein vernünftiger Energiewandel überlebensnotwendig. Wenn in Afrika Kohle, Holz und Öl verbrannt werden, um den Kontinent aufzubauen, röchelt der Rest der Menschheit. In Indien wurde auf den Bau von 200 Kohlekraftwerken verzichtet. Afrika kann das nicht. Das Geld fehlt. Das haben wir. Und jetzt?

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Regierungspräsident feiert mit Regierungspräsident erfolgreiche Ausbildung

„Das Sprichwort ‘Handwerk hat goldenen Boden’ ist zwar sehr alt, aber heute aktueller denn je“, sagt Dr. Walter Lübcke.
Regierungspräsident feiert mit Regierungspräsident erfolgreiche Ausbildung

Kassel: Wohnungsbrand vermutlich durch glimmende Zigarette ausgelöst

Durch das Feuer und die Rußbildung ist das Inventar sowie Decken und Wände stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Schaden wird auf etwa 60.000 Euro geschätzt.
Kassel: Wohnungsbrand vermutlich durch glimmende Zigarette ausgelöst

Rekordhalbjahr am Kassel Airport: Passagierzahlen erheblich gestiegen

Im ersten Halbjahr 2018 haben bereits mehr als 63.000 Passagiere den Kassel Airport genutzt.
Rekordhalbjahr am Kassel Airport: Passagierzahlen erheblich gestiegen

Ausgeschlagener Zahn und Armbruch: Skateboarder verursacht heftigen Zusammenstoß mit Radfahrerin

Ein Skateboardfahrer ist am gestrigen Donnerstagabend in der Kasseler Innenstadt mit einer Radfahrerin zusammengestoßen.
Ausgeschlagener Zahn und Armbruch: Skateboarder verursacht heftigen Zusammenstoß mit Radfahrerin

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.