Briefwechsel: Wohin geht die Reise....???

Sehr geehrter Bernd Leifeld, Sie sind im Vorstand des Kasseler Bürgerpreises „Glas der Vernunft“.

2018 wird diesen Preis ein einfacher Mann aus Südamerika erhalten, der sich mit demokratischen Mitteln gegen die Folgen des Klimawandels wehrt und unser gesamtes Weltbild zum Einsturz bringen könnte.

Wenn der peruanische Bauer Saul Luciano Lliuya morgens aufsteht, geht sein erster Blick hoch zum Gletscher. Die Schneemassen in einem Talabschluss der Hochanden schmelzen seit Jahren, füllen einen Gletschersee. „Wenn dieser See überläuft, bedroht das Wasser nicht nur den kleinen Bauernhof dieses Bauern, sondern eine ganze Stadt mit 50.000 Einwohnern“, schildern Sie die fast aussichtslose Situation der Menschen vor Ort.

Aussichtslos? Daran mag Saul Luciano Lliuya nicht denken. Er kämpft für seine Heimat, für das Leben seiner Mitmenschen. Und er macht das, indem er sich vor einem deutschen Oberlandesgericht mit dem größten deutschen Energieerzeuger RWE anlegt. Lliuya möchte, dass RWE, auch der größte europäische Kohlendioxydhersteller, sich an den Kosten für Schutzmaßnahmen beteiligt, mit denen der Bauer seinen kleinen Bauernhof, aber auch seine Kleinstadt retten möchte.

Noch vor einigen Jahren hätte man so eine Klage wohl mitleidig betrachtet, doch diese Zeiten sind vorbei. 0,47 Prozent der Kosten für den Staudamm, rund 13.000 Euro, soll RWE übernehmen, möchte Lliuya erstreiten. Und seine Chancen scheinen gut zu sein.

Ein wegweisendes Urteil? Auch wenn es mit Sicherheit in die Revision geht, hat dieser Kleinbauer einen Rechtsweg beschritten, der wegweisend für viele andere Betroffene des Klimawandels sein könnte. Ich erinnere mich noch gut an die Worte des Präsidenten der Fidschi-Inseln, der auf einer Klimakonferenz geradezu darum gefleht hat, seine Inseln vor dem Untergang zu bewahren.

Wenn Lliuya, dem Sie völlig zu Recht das „Glas der Vernunft“ verleihen werden, erfolgreich sein wird, werden demnächst auch die Fidschi-Insel und viele andere darum kämpfen, dass ihre Heimat vor den Folgen der klimarelevanten Produktionsweisen unserer Industrie geschützt werden.

Wieviel wird dann eine Kreuzfahrt auf schwerölbetriebenen Schiffen kosten, wenn die Umwelt Folgen eingerechnet werden? In Hamburg hat ein Anwohner erreicht, dass in seiner Straße keine Diesel mehr fahren dürfen. Im nahen Hafen fahren Kreuzfahrtschiffe. Allen diesen betroffenen Menschen macht der kleine tapfere Bauer aus den Anden Mut. Die Folgen lassen sich noch gar nicht absehen.

Mit sauberen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. In Kassel kämpft ein kleiner Künstler um sein Kunstwerk und letztlich auch für die documenta, deren Ruf täglich mehr beschädigt wird. Wenn unsere Informationen stimmen, gibt es auch Schwierigkeiten, eine internationale Jury zusammen zu stellen. Allen Verantwortlichen wünschte ich einen tiefen Schluck aus dem „Glas der Vernunft“.

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