Briefwechsel: Der Weg zurück ins Leben

Liebe Leserinnen und Leser, wissen Sie eigentlich wie gut Sie es haben? Nein? Dann kommen Sie mal mit mir in die „Neuropädiatrie“ im Klinikum Kassel.

Kinder liegen dort, die sich nach schweren Unfällen ganz langsam wieder in ein vielleicht halbwegs normales Leben zurück kämpfen. Ich habe selber eine Tochter und es wäre ein Alptraum gewesen, wenn meinem Kind etwas zustoßen würde. Und mit genau diesem Alptraum müssen dort viele Eltern kämpfen.

Jeder, der ein Kind hat, weiß, dass man nicht pausenlos auf die lieben Kleinen aufpassen kann. „Bei meinem ersten Kind haben die Schwiegereltern, meine Frau und ich aufgepasst, dass es nicht die Treppe runterfällt. Beim zweiten Kind waren es nur noch die Schwiegereltern, und das dritte musste allein die Treppe runterfallen“, hat mir mal Günther Jauch augenzwinkernd erzählt.

In 99 von 100 Fällen geht das auch gut oder es bleibt bei Wunden, die man mit einem Heftpflaster heilen kann. In dem einen Fall jedoch nicht... Stellen Sie sich nur einmal vor, Sie haben einen Unfall. Überstehen ihn halbwegs unbeschadet, aber die Kinder auf dem Rücksitz werden durch das Auto geschleudert und erleiden schwerste Verletzungen. Eine grauenhafte Vorstellung!

Und doch alltäglich. Aus einem Kind, dass sprechen, laufen, lesen, essen gelernt hat, wird in Sekunden ein hilfloses kleines Lebewesen, dass ohne fremde Hilfe nicht mehr leben kann. Ein kleines Menschlein, dass unter dem Einfluss von schmerzlindernden Medikamenten den Großteil des Tages in der Anfangszeit nach dem Unfall verschläft, für das essen oder gewaschen werden eine unglaubliche Anstrengung ist.

Dann kommt die Zeit, in der die Heilpädagogin ins Zimmer kommt, die Ergotherapeutin die ersten Bewegungen mit dem Kind macht. Und natürlich sind immer die Eltern da, die dem Kind vorlesen, die in der Nachbarschaft wohnen und täglich vorbei schauen – oft schwer beladen mit ihren Schuldgefühlen. Hätte ich das Kind nur zuhause gelassen! Wäre ich nur nicht so schnell gefahren! Hätte ich nur aufgepasst! Hätte ich es nur nicht allein gelassen. Hätte, hätte, hätte....

Es hilft nichts. Es ist passiert – und wir wollen helfen, den Kindern den Weg zurück ins Leben zu erleichtern. Ein ungeheuer großer Schritt dahin ist der erste Weg, oft nach Monaten, aus dem Krankenzimmer hinein ins dortige Spielzimmer. Für viele Kinder ist dieser Schritt unvergesslich. Dieser kleine Schritt ins Spielzimmer ist ein großer Schritt Richtung Hoffnung, Richtung Zukunft. Und diesen Schritt wollen wir optimal begleiten. Ich hoffe, Sie alle helfen uns dabei mit Ihrer Spende.

Mit dankbaren Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Dieses kleine Spielzimmer wollen wir so ausgestalten, dass es Kindern, die dort Zuflucht suchen, für die es ein kleiner Zufluchtsort vor den Schrecken der Welt ist, etwas bietet. Egal, ob sie nur schauen, malen oder mit dem Computer spielen wollen.

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