„Brummi-Mörder“ schlug 2006 in Waldau zu – dann wurde er gefasst

Das Titelthema des 12. Juli 2006 im EXTRA TIP. Damals wurden Zeugen gesucht, die etwas im Bereich des Tatorts gesehen haben könnten. 
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Das Titelthema des 12. Juli 2006 im EXTRA TIP. Damals wurden Zeugen gesucht, die etwas im Bereich des Tatorts gesehen haben könnten. 

True Crime, also wahre Verbrechen, sind momentan in aller Munde. Doch der Tod als Trend? Da muss man mit Fingerspitzengefühl agieren, wenn man alte Verbrechen aus der Region aufrollen und in Erinnerung rufen möchte.

Kassel „Er war anfangs ganz nett“ – so berichtet ein Opfer vor Gericht von ihrer Begegnung mit ihrem späteren Peiniger. Sie ist das einzige Opfer, welches die Begegnung mit Markus S.* überlebt hat.

Was war geschehen?

Zwischen November 2003 und Juli 2006 werden vier Frauen in Hessen und Nordrhein-Westfalen überfallen, vergewaltigt und getötet. Das erste Opfer ist im November 2003 eine 32-jährige Prostituierte, die der Täter auf dem Kölner Straßenstrich anspricht, auf das Gelände eines Baumarktes in Dormagen bringt, sie mit Schnitten verletzt und schließlich erwürgt. Kein Jahr später, im Oktober 2004, kann das Opfer, welches später vor Gericht aussagt, an der Autobahn A57 bei Moers entkommen, nachdem sie ein Mann gewürgt, vergewaltigt und beinahe mit einem Messer aufschlitzt. Der Täter glaubt die polnische Prostituierte sei tot, doch sie überlebt und kann den Mann der Polizei beschreiben. Da die Tatorte in der Nähe von Autobahnen liegen, gehen die Ermittler recht schnell davon aus, dass ein Fernfahrer der Täter sein könnte. Aus Datenschutzgründen dürfen jedoch Maut-Daten nicht ausgewertet werden. Ein Fahndungsaufruf geht an Speditionen, doch dem Täter kommt man nicht auf die Spur. Erneut im November im Jahr 2005 wird die Leiche einer 31-jährigen Polin an der A 45 bei Siegen-Eisern gefunden. Tage vorher wurde sie vermisst gemeldet.

Am 8. Juli 2006 kommt der Tod dann nach Kassel. Die 18-jährige Anna wird auf dem Nachhauseweg überfallen und Nahe der Autobahn A49 an einem Rastplatz erwürgt aufgefunden. Der Täter hatte sich nach dem Tod der Schülerin an ihrer Leiche vergangen.

Erst mithilfe der DNA-Spuren, die der Fernfahrer an Anna hinterlässt, kann er schließlich überführt werden. Am 30. August 2006 kann Markus S. in seinem Elternhaus im hessischen Haiger von der zuständigen Soko Eisern festgenommen werden. Während des Verhörs gesteht er vollständig. Der Leiter der Sonderkommission sagt später vor Gericht aus, dass der Angeklagte bei der Vernehmung sagte: „Ja, ich war‘s. Ich bin froh, dass endlich alles vorbei ist.“ Er wisse nicht, was über ihn gekommen sei.

Im Prozess vor dem Landgericht Limburg rund ein Jahr nach dem Mord an der Kasseler Schülerin stellt das Gericht eine hohe Tötungsbereitschaft und eine hohe Bereitschaft zum Begehen von aggressiven Sexualstraftaten fest. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten zudem auch Körperverletzung, Freiheitsberaubung sowie besonders schwere Vergewaltigung vor. In zwei Fällen gehe man zudem davon aus, dass sich der Täter an den Leichen der Frauen verging, weswegen sie ihn auch wegen Mordes zur Befriedigung des Geschlechtstriebes anklagt.

Die Verteidigung plädiert damals auf verminderte Schuldfähigkeit und spricht sich für eine Unterbringung in der Psychiatrie aus. Zwei Gutachten hingegen stufen den Mann als voll schuldfähig ein.

Am 4. Juni 2007 wird der damals 29-Jährige wegen Mordes und Mordversuchs in vier Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt. „Es ging ihm immer nur darum, den Körper der Frauen zu dominieren, tot oder lebendig“, heißt es in der Urteilsbegründung. Zudem wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt und Sicherungsverwahrung angeordnet. Markus S. dürfte somit nach wie vor in Haft sitzen.

*Wir haben die Namen der rechtskräftig verurteilten Täter geändert, um die Resozialisierung nicht zu gefährden und die Persönlichkeitsrecht zu wahren.

EXTRA INFO: Über Bundesländergrenzen hinaus

Im Fall des „Burmmi-Mörders“ fielen die Taten in verschiedene Bundesländer, nämlich Hessen und Nordrhein-Westfalen. Wie funktionieren da Ermittlungen, fragten wir beim Polizeipräsidium Nordhessen nach.

„Bei überregionalen Ermittlungen, die gleichzeitig in mehreren Bundesländern geführt werden, spielen oftmals insbesondere die Landeskriminalämter beziehungsweise das Bundeskriminalamt eine zentrale Rolle. Dies dient dazu, die Ermittlungen und die polizeilichen Maßnahmen, wie zum Beispiel Durchsuchungen in mehreren Bundesländern, entsprechend zu koordinieren. Eine Vielzahl an zur Verfügung stehenden Kommunikationsmitteln erleichtern diese Zusammenarbeit und Ermittlungen in der heutigen Zeit.“

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