Bündelung von Kompetenzen: Klinikum Kassel koordiniert regionale Versorgung

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Heike van Elkan, Stationsleiterin der COVID-19-Station C73, koordiniert u.a. mit ihrem Team die Patientenversorgung.

Kassel. Die Hessische Landesregierung geht davon aus, dass es aufgrund der schnellen Ausbreitung der Lungenkrankheit COVID-19 in den nächsten Wochen zu einer starken Inanspruchnahme von akutstationären Versorgungsplätzen in den Krankenhäusern kommen wird.

Um die bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten, insbesondere im intensivmedizinischen Bereich, zu gewährleisten, hat das Hessische Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) den Planungsstab „Stationäre Versorgungsstruktur von COVID-19 Patientinnen und Patienten“ ins Leben gerufen.

Gemeinsam mit sechs koordinierenden Krankenhäusern wird die stationäre Versorgung in den jeweiligen Versorgungsgebieten in Hessen organisiert und Kompetenzen entsprechend gebündelt. Für die Region Kassel ist das Klinikum Kassel zuständig. Als koordinierendes Krankenhaus ist es Bindeglied zwischen dem Planungsstab des Ministeriums und den Krankenhäusern in Kassel und den Landkreisen Kassel, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner. In seiner neuen Funktion wird das Klinikum Kassel ein regionales Versorgungskonzept entwickeln, Planungs- und Versorgungsabläufe strukturieren und neueste Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen des Ministeriums an die Krankenhäuser in der Region übermitteln. Damit ist es für ein Einzugsgebiet von knapp 900.000 Menschen verantwortlich.

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„Um einer Krise diesen Ausmaßes bestmöglich zu begegnen, müssen wir Kräfte und Ressourcen bündeln“, sagt Dr. med Thomas Fischer, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Klinikums Kassel. „Wir stehen daher im Austausch mit allen Krankenhäusern im Versorgungsgebiet. Ziel ist es, die intensivmedizinische und die allgemeine Versorgung gemeinsam zu sichern und im wechselseitigen Erfahrungsaustausch medizinische und organisatorische Fragestellungen zu beantworten.“ Ein Großteil der Bemühungen konzentriert sich aktuell darauf, Kapazitäten für die optimale Versorgung von an Corona erkrankten Patienten zu schaffen. Da ca. 25 bis 30 Prozent der COVID-19 Patienten in den Krankenhäusern eine Intensivversorgung benötigen, ist es zur Vorbereitung auf einen Fallzahlanstieg entscheidend, Intensiv- und Beatmungskapazitäten zu bündeln und aufzubauen.

Wichtig ist auch, dass die Teams entsprechende Erfahrungen in der Therapie von COVID-19 Patienten mit leichtem bis schwerem akuten Lungenversagen haben. Eine bestmögliche Behandlung ist daher an Häusern mit entsprechender Erfahrung und Infrastruktur möglich. Zusätzlich muss auch für die erwartete Dauer der Pandemie gewährleistet sein, dass Patientinnen und Patienten, die nicht an der Lungenkrankheit COVID-19 leiden und stationär versorgt werden müssen, wie bisher betreut werden. Aus diesen Gründen sehen die Planungen vor, dass die Krankenhäuser bestimmte Schwerpunkte zugewiesen bekommen, die sich je nach Eskalationsstufe in der Pandemie verschieben können. Das Klinikum Kassel arbeitet diese Schwerpunkte nun gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) und den Einrichtungen in der Versorgungsregion Kassel aus.

„Wir hoffen sehr, dass wir durch eine konsequente Einhaltung der Regierungsvorgaben, wie z.B. dem Kontaktverbot, in den unteren Eskalationsstufen bleiben“, fügt Dr. Michael Knapp, Vorstandsvorsitzender der Gesundheit Nordhessen hinzu.

„Die Gesundheit Nordhessen hat ihre Kapazitäten an drei Standorten bereits selbst gebündelt. Wir haben unsere Belegung reduziert und halten z.Zt. über 450 Betten für einen möglichen Sprung an Fällen bereit. Parallel dazu wurden die Intensivkapazitäten im Hinblick auf Personal und Infrastruktur erweitert. Der Vorteil dieser Bündelung ist, dass auch Ausfälle, z.B. durch die Erkrankung von Personal, kompensiert werden können – dies ist an kleineren Standorten nicht möglich. Sollten wir dennoch in die höchste Eskalationsstufe kommen und der Katastrophenfall eintreten, prüfen wir in Abstimmung mit dem HMSI, ob weitere Standorte für die Therapie bestimmter Verläufe zusätzlich etabliert werden können.“

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