Bürohund Schmidti ist überall mit dabei - wie Hund und Job funktionieren kann

Schmidti hat seinen Platz im Büro – normalerweise in seinem Körbchen (hinten) oder an den Füßen meines Kollegen, doch für das Foto posiert er am Schreibtisch.
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Schmidti hat seinen Platz im Büro – normalerweise in seinem Körbchen (hinten) oder an den Füßen meines Kollegen, doch für das Foto posiert er am Schreibtisch.

Selbst der schlecht gelaunteste Mensch bekommt gute Laune, wenn Malteser Herr Schmidt (genannt Schmidti) mit seinen Knopfaugen zu ihm hochblickt - auch im Büroalltag funktioniert das.

Kassel. Ein Hund ist ein Gute-Laune-Garant, ein Gesprächsöffner und Wegbegleiter. Im Falle von Schmidti und mir versuchen wir tatsächlich so gut wie jeden Weg gemeinsam zu gehen. Nicht nur am „Nimm deinen Hund mit zur Arbeit“-Tag (mehr dazu hier).

Dass er mit mir ins Büro darf und meine Kollegen hinter meinem Wunsch standen, war auch der ausschlaggebende Punkt, überhaupt einen Hund in mein Leben zu holen. Denn was nützt es einem Tier, ein Zuhause zu haben, wenn es dort die meiste Zeit alleine sitzt? Die Corona-Pandemie und die meiste Zeit im Homeoffice hat mir in die Karten gespielt – bei Schmidti leider weniger. Denn er ist einer von rund 1.200 illegal gehandelten Tieren, die in 2020 in Deutschland aufgegriffen wurden. Ein illegaler Welpentransport – vermutlich sollten er und seine Geschwister von Tschechien nach Spanien – wurde auf der A8 kontrolliert, die jungen Hunde ohne Papiere beschlagnahmt und schließlich im Tierheim untergebracht, wo ich ihn auf der Webseite des Tierheims fand. Aufgrund der hohen Nachfrage insbesondere nach Hundewelpen haben sich die Fallzahlen von 2019 zu 2020 mehr als verdoppelt.

Mein kleiner Flausch, der seit Mitte März bei mir eingezogen ist und sogar seinen eigenen Instagram-Kanal @herrschmidtderhund hat, ist ein echter Goldschatz und hat seine anfängliche Schüchternheit gegenüber Menschen und anderen Hunden abgelegt. Meine Kollegen begrüßt er gerne, geiert ein bisschen, wenn jemand in sein Brötchen beißt, bettelt aber nicht, da er weiß ‚Hier gibt es nichts zu holen‘. Da ist es wichtig, dass allen die Regeln klar sind – auch im Büro.

Wenn möglich, begleitet mich Schmidti auf Interviewtermine. So war er schon während des Modellprojektes mit in Baunatal, wo er mitten auf den Marktplatz kackte (als verantwortungsbewusster Hundebesitzer hat man immer (!) Kotbeutel mit dabei), auf dem Tierfriedhof in Niederzwehren erkundete er das eingezäunte Gelände (mehr dazu hier) oder bei den noch üblichen Zoom-Meetings liegt er brav neben mir. Da bietet mir der Job viele Freiheiten, die sich mit Hund gut gestalten lassen. Wenn er mal nicht mit darf, bleibt er problemlos ein paar Stunden allein zu Hause oder – das müssen wir noch üben, wenn Corona einen normaleren Büroalltag erlaubt – soll er die Zeit bei meinen Kollegen im Büro bleiben.

Tierschutzbund und Tierheime befürchten nämlich, dass viele Hunde abgegeben werden, wenn Corona nachlässt und man zurückkehrt in den ‚alten‘ Alltag. Sprich: zurück ins Büro, keine Kurzarbeit mehr, mehr Verpflichtungen, die noch brach liegen. Voreilig getroffene Tieranschaffungen könnten dann bereut werden und die Tiere müssen weg.

Deswegen sollte man von Anfang an üben, wie der Alltag ohne Corona werden wird. Hilfreich ist es, wenn man sich einen Experten zur Seite holt, der weiß, wie der ‚normale Wahnsinn‘ mit Hund aussieht. Schon an unserem ersten Wochenende besuchten Schmidti und ich die Welpenschule und gehen mittlerweile in die Junghundeausbildung – gerade weil es mir wichtig ist, dass er im Büro nicht über Tische und Bänke rennt.

Wie man seinen Hund an das Leben im Büro, mit Kollegen und Trubel gewöhnt, habe ich Hundetrainer Volker Koch gefragt.

Hundetrainer Volker Koch: „Ohne Stress mit Vierbeiner im Büro – so kann es klappen“

Volker Koch, Hundeerzieher und Verhaltensberater sowie ehemaliger Fachberater für die Rettungshundearbeit aus Kaufungen, erklärt, wie man den Hund ans Büro und die Kollegen gewöhnen kann.

„Im Vorfeld sollte man natürlich mit den Vorgesetzten und Kollegen gesprochen haben. Hat jemand Angst vor Hunden oder Allergien? Wo soll der Hund seinen Platz im Büro erhalten, wo kann ich die Gassi-Pausen verbringen?

Hundetrainer Volker Koch gibt Tipps, wie es mit Hund im Büro klappen kann.

Sind die Rahmenbedingungen geklärt, beginnt man damit, dem Hund zuhause beizubringen, entspannt auf seiner Decke zu liegen. Dafür wird der Hund auf seine Decke oder ins Körbchen geschickt, belohnt und soll so lange dort bleiben, bis man das Kommando auflöst. Klappt das Zuhause, kann man es auf das Büro übertragen. Dafür fährt man am besten zu einer Zeit ins Büro, in der man nicht arbeiten muss und wenig los ist. So kann man sich 100 Prozent auf den Hund konzentrieren. Auch dort soll der Hund auf seiner Decke liegen und entspannen können. Klappt das, kann man mit Arbeit und Kollegen versuchen. Für die Kollegen heißt es anfangs: „Bitte lasst den Hund erst einmal in Ruhe.“

Auch wenn es schwer fällt, denn sonst lernt der Hund, dass er der Mittelpunkt des Büros ist und fordert diese Aufmerksamkeit ein. Weiß er aber „Niemand will etwas von mir“ kann er entspannen. Ist das der Fall – trotz Kollegen, klingelnder Telefone und Getippe am Computer – darf er das Büro erkunden. Vorher sollte man allerdings eine Runde gegangen und die Geschäfte erledigt haben, dann geht es nochmal in das Körbchen und anschließend darf er aufs Kommando hin freigegeben werden. Auch dann sollten Mitarbeiter möglichst neutral bleiben, den Hund nicht überschwänglich begrüßen oder ihn ignorieren, sollte er sehr aufgeregt sein. Ist der Hund ruhig, schnüffelt und entspannt, kann er von den Kollegen gestreichelt werden. Der Hund sollte nicht von den Kollegen ungefragt mit Leckerchen belohnt werden – dies geschieht nur vom Besitzer, wenn der Hund brav auf die Decke geht. Zum einen soll die Bindung zu den Kollegen nicht zu sehr mit Leckerchen aufgebaut werden, zum anderen weiß man nicht, was die Kollegen verfüttern und ob der Hund es verträgt. Beherzigt man Ratschläge und zieht an einem Strang, steht einem harmonischen Büroalltag mit Hund nichts im Weg.“

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