Corona-Demo in Kassel: Rund 20.000 Menschen demonstrierten gegen Corona-Maßnahmen

Kassel, Corona-Demonstration
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In der Stadt Kassel fand heute eine Großdemonstration gegen die Corona-Maßnahmen statt. Auch zahlreiche Gegendemonstranten waren angemeldet.

Die angemeldete Corona-Demo auf der Schwanenwiese in Kassel ist zu Ende. Am Samstag kam es aber auch in der Innenstadt zu nicht genehmigten Demonstrationszügen, verschiedene Lager treffen aufeinander. Die Polizei war im Großeinsatz.

Kassel. Die eigentlich für die Schwanenwiese und Platz Der Deutschen Einheit in Kassel angemeldete Corona-Demo hat sich auf die Innenstadt ausgeweitet. Bevor die Demo auf der Schwanenwiese begann, trafen in der Kasseler Innenstadt Corona-Leugner auf Gegendemonstranten. Die Polizei schätzt, dass mehr als 20.000 Menschen in Kassel gegen die Corona-Maßnahmen demonstrieren. Zuvor war die Polizei von rund 10.000 Demonstranten ausgegangen. Es sind auch zahlreiche Gegendemonstrationen angemeldet. Helikopter fliegen über der Stadt.

Die Stadt Kassel hatte im Vorfeld die Demonstration verboten und auf die geltenden Corona-Maßnahmen verwiesen. Das Verbot wurde aber vom Verwaltungsgericht gekippt, demnach hätten sich bis zu 6000 Menschen auf der Schwanenwiese aufhalten dürfen.

Die Polizei schätzt, dass rund 20.000 Menschen in Kassel gegen die Corona-Maßnahmen demonstrieren. Es sind auch mehrere Gegendemonstrationen angekündigt.

Aktualisiert 21:21 Uhr

Vereinzelt tanzen noch Demoteilnehmer in der Kasseler Innenstadt, das Gröbste scheint aber vorbei zu sein. Alle Sperrungen sind aufgehoben. Ein Polizeisprecher erklärte gegenüber dem HR, man habe mit einer Teilnehmerzahl im unteren fünfstelligen Bereich gerechnet. „Etwa 20.000 Personen hielten sich am heutigen Samstag im Kontext der Versammlungslagen im gesamten Stadtgebiet auf. Insbesondere am Friedrichsplatz kam es zu einer Versammlung mit mehreren Tausend Teilnehmern sowie einem Aufzug in ähnlicher Größenordnung, der sich auf den Hauptverkehrsstraßen rund um die Innenstadt bewegte. Der allergrößte Teil dieser Personen kam weder den polizeilichen Auflösungsverfügungen nach, noch wurden Hygiene- oder Abstandsregeln eingehalten. Eine konsequente Verhinderung des Entstehens von Ansammlungen oder ein konsequentes Auflösen verbotener Versammlungen hätte nach Einschätzung der Polizei zur Anwendung von Zwangsmitteln und damit einhergehend zu einer nicht unerheblichen Anzahl an Verletzten auf allen Seiten geführt“, so die Polizei in einer Abschlussmeldung.

Kritik an der Polizei hagelt es insbesondere wegen mutmaßlicher Solidaritätsbekundungen mit den Corona-Demonstranten. Auf Twitter kursierte ein Bild von einer Demo-Teilnehmerin die ein Schild mit der Aufschrift: „Schützt unsere Kinder vor diesem Wahnsinn“. Daneben steht eine Polizisten die mit ihren Händen ein Herz formt. Auf dieses Bild reagierte die Polizei mit einem Tweet.

Die SPD-Fraktion Hessen hat das Einsatzkonzept der Polizei als gescheitert erklärt. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Günter Rudolph, veröffentlichte ein Statement auf der Internetseite der Fraktion. Die Demonstration sei auf der Schwanenweise und am Platz Der Deutschen Einheit genehmigt worden, stattdessen hätten aber tausende Corona-Leugner ohne Masken durch die Stadt ziehen können. Es wäre sogar der Eindruck entstanden, dass Polizeibeamte dem nicht genehmigten Aufmarsch der so genannten ‚Querdenker‘ noch den Weg gebahnt hätten.

Währenddessen zieht der Demonstrationszug der „Querdenker“ und Kritiker der Corona-Maßnahmen nun durch die Kasseler Nordstadt. Die Hauptkundgebung war gegen 16 Uhr zu Ende gegangen, ein Großteil der Menschen befindet sich aber weiterhin in der Stadt.

Die vom Verwaltungsgericht genehmigte Hauptkundgebung auf der Schwanenwiese ist laut der Polizei wie angekündigt um 16 Uhr beendet worden. Es seien aber noch mehrere nicht genehmigte Demonstrationszüge in der Stadt unterwegs. Nach neusten Angaben schätzt die Polizei, dass rund 20.000 Demonstranten am Samstag in Kassel unterwegs waren. Auf der Schwanenwiese sollen jetzt noch rund 2500 Demonstranten sein.

Obwohl die Versammlung schon vor über einer Stunde von der Polizei verboten wurde, befinden sich noch immer mehrere Tausend Menschen auf dem Friedrichsplatz auf.

Erste Kritik aus der Politik am Polizeieinsatz: Bundestagsabgeordneter Timon Gremmels kritisiert, dass „offenkundig zu wenig Kräfte vor Ort“ seien.

Seit rund 30 Minuten (stand 16:05 Uhr) zieht ein Demonstrationszug der „Querdenker-Demo“ durch das Königstor. „Eines ist klar, dass das letzte Jahr scheiße war“, dröhnt aus den Lautsprechern. Mal biegen Demonstranten in die Seitenstraßen ab und entfernen sich von der Menge. Einsatzkräfte der Polizei sind nur selten zu sehen. Beliebtes Ziel der Demonstranten: Ein Dixie-Klo vor der Königstorhalle.

Polizei setzt Wasserwerfer ein

Eine Versammlung mit mehreren tausend Menschen wurde soeben am Friedrichsplatz aufgelöst. Die Kundgebung sei als „verbotene Versammlung“ bewertet worden, teilte das Polizeipräsidium Nordhessen mit. Zuvor soll es verbale Auseinandersetzungen zwischen „Querdenkern“ und Gegendemonstranten gekommen sein. Am Altmarkt wurde versucht, eine Absperrung der Polizei zu durchbrechen. Es kam unter anderem auch zu Flaschenwürfen, weshalb die Polizei einen Wasserwerfer einsetzte.

Die Polizei berichtet von Übergriffen auf die Einsatzkräfte und versucht die Demonstranten daran zu hindern, weiter in die Kasseler Innenstadt zu laufen. Die Polizei schätzt, dass sich derzeit mehr als 10.000 „Querdenker“ in der Kasseler Innestadt unterwegs sind. Auf Twitter zeigen zahlreiche Videos, wie es zu Auseinandersetzung zwischen Polizei und Demonstranten kommt.

Straßenbahnen fahren nicht mehr

Der Straßenbahnverkehr in der Innenstadt ist eingestellt. Die Bahnen werden über Stände-und Scheidemannplatz umgeleitet. Die KVG empfiehlt, die Innenstadt weiträumig zu umfahren. Zudem sind die Strecken Stern bis Holländische Straße, Altmarkt bis Platz der Deutschen Einheit, Altmarkt bis Weserspitze, die Fünffensterstraße, die Wilhelmshöher Allee und die Friedrich-Ebert-Straße gesperrt.

Ein Hubschrauber sondiert die Lage. Neben der Demo gegen die Corona-Maßnahmen wurden mehrere Gegenveranstaltungen angemeldet - unter anderem vom Bündnis gegen Rechts.

Auf Twitter zeigen zahlreiche Videos, wie es zu Auseinandersetzung zwischen Polizei und Demonstranten kommt. Dabei setzte die Polizei auch einen Wasserwerfer ein, um die beiden Gruppen auseinander zu halten. Auch Pressevertreter vor Ort werden offen angefeindet. Reporter des HR berichten, dass sie unter anderem als „Lügenpresse“ beschimpft werden.

Nur wenige Besucher der Demo an der Schwanenwiese tragen eine Maske. Derzeit ist unklar, wie viele Menschen sich gerade auf der Schwanenwiese aufhalten um zu demonstrieren. Die Rapper SchwrzVyce stehen auf Bühne an der Schwanenwiese und singen mit den Besuchern der Demo Zeilen wie „Fakenews Media, der Widerstand ist da.“

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