Coronavirus in Kassel – und was dann? Wie die Stadt reagieren würde

Das Coronavirus breitet sich in Europa aus. Zwei Kasseler ließen ihre Symptome nach einem Aufenthalt in Rom vorsorglich abklären.
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Das Coronavirus breitet sich in Europa aus. Zwei Kasseler ließen ihre Symptome nach einem Aufenthalt in Rom vorsorglich abklären.

Das Coronavirus ist auch in Deutschland angekommen. Hierzulande sind es 34 bestätigt Infizierte (Stand Freitag 28. Februar). Auch in Kassel gab es unbestätigte Verdachtsfälle von Italien-Reisenden. Wir fragten, wie mit einer solchen Situation umgegangen wird.

Kassel. Eigentlich sollten es nur ein paar entspannte Tage in Rom werden. „Schon bei der Ankunft vorletzte Woche am Flughafen in Rom wurde bei den Menschen per Wärmebild Fieber gemessen. Die Armee und Krankenschwestern waren vor Ort. In Frankfurt gab es dagegen keine sichtbaren Kontrollen, nur ausgedruckte Hinweisschilder“, wie ein Kasseler Pärchen gegenüber unserer Zeitung berichtet. Nun hat sich die Lage in Italien verschärft, über 220 bestätigte Fälle des Corona-Virus gibt es bislang. Rom ist eigentlich kein ‚Krisengebiet‘.

Als nach der Ankunft in Deutschland Grippe-ähnliche Symptome auftreten, melden sich die beiden Kasseler vorsorglich telefonisch beim Hausarzt und berichten, dass sie kürzlich in Italien waren. Daraufhin verwies der Arzt beide an das Gesundheitsamt Kassel. Nach einem Telefonat dort wurde Entwarnung gegeben. Es sei unwahrscheinlich, dass sich das junge Pärchen in Rom angesteckt habe. Auf Anraten des Arztes sollten sie dennoch vorsichtshalber zu Hause bleiben und den möglichen Infekt auskurieren. Doch wie würde man in der Region damit umgehen, wenn sich der Verdacht einer Corona-Infektion bestätigen würde?

Wir fragten beim Gesundheitsamt Kassel beziehungsweise bei der Stadt Kassel nach. Dort hieß es, dass man täglich eine Lagebesprechung mit dem Gesundheitsamt und dem Sozialamt Hessen führe. Bislang gäbe es keine bestätigten Verdachtsfälle und man solle auch nicht die teilweise in den Medien entfachte Hysterie schüren.

Sollte sich die Lage zuspitzen würde man – wie bei einer Grippewelle auch – ein Bürgertelefon und eine Koordinierungsgruppe, bestehend unter anderem aus den Trägern der Rettungsdienste, Vertretern aller Krankenhäuser, Vertretern der niedergelassenen Ärzte und Leitstelle, einrichten. Auch die Gesundheit Nordhessen verweist auf Nachfrage an die Stadt Kassel, die das Thema unter Federführung des Gesundheitsamtes koordiniert.

Die Stadt wiederum verweist auf das Hessische Ministerium für Soziales, die täglich aktualisierte Meldung zum Coronavirus rausgeben. Auf der Webseite des Ministeriums www.soziales.hessen.de liest man auf die Frage ‚Was passiert, wenn in einem Ort in Hessen ein Infektionsverdacht mit dem neuen Coronavirus vorliegt?‘ folgendes: „Die Gesundheitsämter in Hessen sind in Rufbereitschaft und können von den Ärzten entweder direkt oder über die Leitstellen erreicht werden. Eine Infektion mit dem neuen Coronavirus ist meldepflichtig. (...) Grundsätzlich sind alle Krankenhäuser in Hessen darauf vorbereitet, Erkrankte mit neuen Infektionskrankheiten versorgen zu können. Hierfür gibt es Planungen in den Krankenhausalarmplänen und den Hygieneplänen. Die Krankenhäuser halten Schutzkleidung vor, um auch sehr infektiöse Patienten behandeln zu können und trainieren ihr Personal regelmäßig für solche Situationen.“ Täglich werde es eine Risikoeinschätzung für Deutschland und Hessen durch verschiedene wissenschaftliche Institute geben. „Derzeit wird die Gefahr für die Gesundheit der deutschen Bevölkerung durch SARS-CoV-2 als gering eingeschätzt“ heißt es.

Eine hessenweite Hotline zu dem Thema ist unter der Nummer 0800-5554666 montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr erreichbar.

 

 

Über das Coronavirus

Wie wird das neue Virus übertragen?

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten.

Wie lange dauert es, bis die Erkrankung nach Ansteckung ausbricht? Derzeit wird davon ausgegangen, dass es nach einer Ansteckung bis zu 14 Tage dauern kann, bis Krankheitszeichen auftreten.

Welche Krankheitszeichen werden ausgelöst? Wie bei anderen Erregern von Atemwegserkrankungen kann eine Infektion mit SARS-CoV-2 zu Krankheitszeichen wie Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber führen. Einige Betroffene leiden auch an Durchfall.

Wie kann man sich schützen? Wie bei Influenza und anderen Atemwegserkrankungen schützen das Einhalten der Husten- und Nies-Etikette, eine gute Händehygiene, sowie Abstand zu Erkrankten (etwa ein bis zwei Meter) auch vor einer Übertragung des neuartigen Coronavirus.

Gibt es einen Impfstoff, der schützt? Momentan steht kein Impfstoff zur Verfügung.

Was sollten Personen tun, die fürchten, sich infiziert zu haben? Personen, die Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Virus nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an das Gesundheitsamt wenden. Für Reisende aus Regionen, in denen COVID-19-Fälle vorkommen, die aber keine Risikogebiete sind, gilt: Wenn Sie innerhalb von 14 Tagen nach Rückreise Fieber, Husten oder Atemnot entwickeln, sollten Sie – nach telefonischer Anmeldung und mit Hinweis auf die Reise – einen Arzt aufsuchen.

(Quelle: Robert-Koch-Institut)

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