Das Coronavirus und der Putzzwang: Warum viele Wohnungen sauber sind wie nie

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Coronavirus und die Zeit in den eigenen vier Wänden: Für Nadja Feldle Zeit, um die erhaltenen Postkarten an die Weltkarte zu pinnen.

Die Auswirkungen des Coronavirus sind nicht nur geschlossene Schulen, eingeschränkte menschliche Kontakte, sondern auch ein neuer Aktionismus in den eigenen vier Wänden - zumindest bei Redakteurin Nadja Feldle.

Kassel. Welcher Tag ist heute noch gleich? Wäre nicht vor kurzem Ostern gewesen, ich wüsste es nicht. Die Tage mit kaum menschlichen Kontakten, dafür aber mit viel Aktionismus gehen ineinander über. Was ich allerdings weiß: Meine Wohnung war noch nie so sauber! Das bloße Staubsaugen und mal feucht Durchwischen reicht da nicht. Nein, meine Fenster sind geputzt, die Pflanzen umgetopft, sämtliche Wäsche ist gewaschen – sogar der Abwasch wird zeitig erledigt (meine persönliche Hass-Aufgabe).

Die Fenster geputzt, die Pflanzen umgetopft, der Boden gewischt. So sauber ist es sonst eher weniger.

Das einzige auf der Haushalts-to-Do: Kühlschrank, Mikrowelle und Backofen von innen reinigen. Dann wäre meine Wohnung sauberer als jemals zuvor. Aus lauter Verzweiflung aufgrund der momentanen Situation sind meine Socken sortiert und auch das Bücherregal hats erwischt. Auch hier herrscht neue Ordnung – nach Lieblingsautoren, in chronologischer Reihenfolge und erst jetzt ist mir aufgefallen, wie oft ich Bücher doppelt habe (die vermutlich nicht unbedingt mir gehören).

In Corona-Zeiten lernt man seine eigenen vier Wände erst so richtig kennen. Früher saß ich höchstens abends mal eine Stunde auf der Couch. Doch mittlerweile arbeite, esse, lese und telefoniere ich hier – gefühlt wie ein Einsiedlerkrebs. Da fallen die schmutzigen Fenster, das Chaos in der letzten Ecke und die braunen Blätter am Ficus richtig auf. Kein Wunder also, dass die Baumärkte momentan so voll sind. Die bloße Glühbirne, die bei mir drei Jahre nach Einzug noch immer unter der Decke baumelte, ist endlich durch einen Strahler ersetzt. Alle lang ignorierten Baustellen werden jetzt beseitigt. Nicht nur weil man die Zeit dazu hat, sondern weil sie einem jetzt tagtäglich ins Auge springen und nerven. Während ich diese Zeilen tippe, kocht das Teewasser in der Küche, die Sonne fällt durch meine glasklaren Fenster und ich erfreue mich an dem schönen Strauß Tulpen auf meinem Wohnzimmertisch. Ein Vorteil vom Homeoffice.

Eine nicht repräsentative Umfrage unter meinen Freunden ergab, dass ich keinesfalls die einzig doppelt Aktive bin. Telefonieren und bügeln, sich nebenbei rasieren, Blumen gießen, Kleidung aussortieren, Wände streichen oder mit einem Glas Wein auf dem Balkon sitzen und arbeiten (ohne BH oder vernünftige Hose) – alles Dinge, die derzeit überall in den vier Wänden vor sich gehen. So verrückt die Welt da draußen ist, so sortiert ist (nicht nur) mein Heim.

 Hoffentlich darf bald Besuch kommen... denn so vorzeigbar wird meine Wohnung vermutlich nie wieder sein.

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