Currywurst soll Kleinod zu neuem Leben erwecken

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Kassel. Denkmalgeschützer Pavillon am Hauptbahnhof drohte zu verfallen. Der neue Pächter will in dem 50er Jahre-Kiosk einen Imbiss eröffnen.

Kassel. Ein ganzes Kapitel widmete die Reisezeitschrift "Merian” in ihrer Juniausgabe 2012 den Überbleibseln der 50er Jahre im Kasseler Stadtgebiet; schwärmte vom diskreten Charme der Nachkriegsarchitektur, von Nierentisch-Balkonen in der Nahlstraße, dem Glamour des Gloria-Kinos und schicken Wendeltreppen.

Ein anderes Kleinod aus dieser Dekade gammelte unterdessen im Zentrum der Stadt vor sich hin: der kleine Pavillon am Hauptbahnhof, direkt neben dem Hotel Reiss. Kurzzeitig zum  Dönerimbiss und später als Cafébar genutzt, steht der denkmalgeschützte Bau seit Jahren leer. Die Scheiben mit Plakaten beklebt, war nicht mehr viel übrig vom Charme früherer Tage.

Jetzt aber soll der Pavillon, der im Jahr 1956 als Kiosk für Obst und Süßigkeitenverkauf erbaut wurde, zu neuem Leben erweckt werden. Wie der EXTRA TIP erfahren hat, gibt es einen neuen Pächter: Oliver Bertram, Betreiber der Bar "Bohemia”.  "Ja, ich habe den Pavillon vor 16 Monaten von der Deutschen Bahn gepachtet”, so der Gastronom.  Nach den Modernisierungsarbeiten soll aus dem 50er Jahre-Bau eine Currywurst-Bude werden.

50er Jahre-Charme soll erhalten bleiben

In etwa vier Wochen will Oliver Bertram eröffnen. Bis dahin steht er in engem Kontakt mit der Denkmalschutzbehörde. Die legt besonderen Wert darauf, den ursprünglichen Charme des Gebäudes zu erhalten.  Eigens für die Modernisierungsarbeiten wurde deshalb ein Restaurator zu Rate gezogen. "Derzeit versuchen wir, durch alte Fotos, Farbe und Materialität nachzuvollziehen”, erzählt Brigitte Warlich-Schenk von der Denkmalschutzbehörde der Stadt Kassel.  Die Freude, dass der Pavillon nicht länger leer steht, sei groß: "Wir freuen uns über jeden, der eine Idee mitbringt und es schafft, diese kleinen Kulturdenkmäler zu beleben”.

Der alte Kiosk am Hauptbahnhof ist einer von vielen Pavillons, die das Kasseler Hochbauamt nach dem Krieg bauen ließ.  Nur noch wenige stehen heute im Stadtgebiet, darunter der Kiosk am Parkplatz Ochsenallee unterhalb des Bergparks, der bis heute bewirtschaftet wird, und der "Fullepavillon” am Holzmarkt. Einst als Polizeistation, Poststelle und zuletzt als griechische Gaststätte genutzt, steht das Gebäude seit  ein paar Jahren leer. Da auch dieses Kleinod in Privatbesitz ist, bleibt der Denkmalbehörde nur das Warten auf einen passenden Pächter.

Am Kulturbahnhof ist damit Schluss. Oliver Bertram freut sich auf die Herausforderung, dem  Kulturdenkmal  58 Jahre nach seiner Errichtung neues Leben einzuhauchen. "Ich bin Kasseläner. Vielleicht liegt mir deshalb so viel dran,  dass der Pavillon endlich wieder  einen  Zweck erfüllt”.

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