Desaster für selbstbestimmte Energiewende in der Region?

Zwei Monteure in luftiger Höhe erwarten das letzte Rotorblatt, um es zu montieren. Foto: Schmidt/Städtische Werke AG
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Zwei Monteure in luftiger Höhe erwarten das letzte Rotorblatt, um es zu montieren. Foto: Schmidt/Städtische Werke AG

Sieben Bürgerenergiegenossenschaften wenden sich mit einem Brief an die Minister Tarek Al Wazir und Priska Hinz.

Kassel. Stoppt Hessenforst die Bürgerenergiegenossenschaften? Ein Desaster sei die aktuelle Vergabepraxis klagen Genossenschaften. "Für Hessenforst zählen nur völlig überzogene Pachtpreisversprechen."

Sieben Bürgerenergiegenossenschaften mit über 3000 Genossen sind  in Nordhessen unterwegs und bilden das Rückgrat der Energiewende. Jetzt haben sich die Bürgerenergie Kassel&Söhre, BürgerEnergieGenossenschaft Wolfhagen, Bürgerenergie Werra-Meißner, Waldhessische Energiegenossenschaft, die DEin eG und  die Energiegenossenschaft Kaufunger Wald mit einem energischen Brief man die Minister Tarek Al Wazir und Priska Hinz gewandt. Sie befürchten ein Desaster für die selbstbestimmte Energiewende in der Region, wenn Investoren, die nicht aus der Region kommen und sich nicht langfristig am Betrieb der Windkraftanlagen beteiligen wollen, immer mehr Flächen bekommen.

"Breite Zustimmung der Bürger für die Energiewende war das Ziel der Landesregierung", klagt Rainer Meyfahrt, Vorstandsmitglied  der Bürger Energie Kassel&Söhre. "Das sollte bei der  Vergabe der Pachtflächen mit einem Fünftel berücksichtigt werden. Davon kann aber überhaupt keine Rede mehr sein."Wenn die Bürgerenergiegenossenschaften eingebunden sind, stoßen die Windkraftanlagen auf breite Zustimmung. "Weil die ansässigen Bürger die Möglichkeit hatten, sich über Genossenschaften direkt an den Erzeugungsanlagen zu beteiligen und damit ihr Eintreten für den Klimaschutz mit dem Interesse an einer soliden Finanzanlage verbinden konnten", weiß Meyfahrt.

Das spielt heute kaum noch eine Rolle. Meyfahrt hat beobachtet, dass die Renditeangaben überregionaler Bieter trotz notleidender Projekte dieser Investoren nur unzureichen überprüft und von Hessenforst positiv bewertet werden. "Die Flächenausbietung am Gahrenberg im Reinhardswald müssen wohl nachverhandelt werden, da die künftigen Betreiber aufgrund der enormen Pachtverpflichtungen und der Ausschreibungen auf Einspeisevergütungen, wohl nicht mehr wettbewerbsfähig sind. "Die Beteiligung an solchen Windparks können die Bürgerenergiegenossenschaften aufgrund der vorliegenden ‘Erfolgs’bilanzen früherer Anlagen dieser Unternehmen nicht mit gutem Gewissen empfehlen."Die Genossenschaften fordern von den Ministern, bei der  Vergabe von Flächen Bürgerbeteiligung, regionale Verankerung und regionale Wertschöpfung in Zukunft stärker zu berücksichtigen.

Hier finden Sie das Interview mit Dr. Thorsten Ebert:

http://lokalo24.de/news/zum-wutbrief-stadtwerke-union-geschaeftsfuehrer-im-interview/719544/

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