Deutliches Defizit: DRK Kliniken schließen Standort in Bettenhausen

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Ab Oktober ist der DRK-Standort in Bettenhausen Geschichte. Dort wurden seit der Übernahme im Jahr 2016 Patienten mit Schwerpunkten der Altersmedizin und Diabetologie behandelt.

Als Geburtsklinik war die Klinik Dr. Koch in bettenhausen über viele Jahre

Kassel. Erst im Jahr 2016 hatten die DRK-Kliniken Nordhessen die ehemalige Dr. Koch-Klinik in Bettenhausen erworben. Schon in wenigen Wochen, am 1. Oktober, wird dort jedoch das Licht ausgehen: Die DRK-Kliniken geben den Standort, der mit Schwerpunkten Geriatrie und Diabetologie geführt wurde, auf.

Aus Kostengründen, wie DRK-Geschäftsführerin Claudia Nehrig in einer Pressekonferenz am Dienstag mitteilte. Das Unternehmen erwartet für 2019 ein deutliches Defizit. Zuvor seien die etwa 60 Mitarbeiter in Bettenhausen über den Schritt informiert worden. „Alle sind sehr traurig darüber“, sagte Nehrig. Die gute Nachricht jedoch sei, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gebe werde. „Wir brauchen diese qualifizierten Mitarbeiter, um die Patienten an den Standorten in Kaufungen (Geriatrie) und Wehlheiden (Diabetologie) weiter optimal zu betreuen“, sagt Nehrig.

Die Kosteneinsparungen in der Logistik sowie der angestrebte Verkauf des Objekts mit einem Grundstückswert von 1,4 Millionen Euro (Nehrig: „Wir haben Interessenten“) sollen der Krankenhausgesellschaft Luft verschaffen. Denn nach einem ausgeglichenen Ergebnis in 2018 würde ein Fallzahleneinbruch um gut 5 Prozent in diesem Jahr für gefährlich rote Zahlen sorgen. „Wir haben bereits 2018 gemerkt, dass im operativen Ergebnis etwas nicht stimmt“, berichtet Nehrig weiter. Nun solle dieser Schritt der Sanierung helfen, „die wir auf Drängen der Kreditinstitute mit Vehemenz vorantreiben müssen“.

Nicht mehr mit an Bord bei diesem Prozess ist währenddessen Nehrigs Geschäftsführer-Kollege Michael Gribner. „Bereits im vergangenen Jahr ist die Entscheidung gefallen“, berichtet Edgar Paul, Vorsitzender des Verwaltungsrats. Dem geplanten Ende des Beschäftigungsverhältnisses zum 31. Dezember 2019 habe man nun mit einer Freistellung Gribners ab 2. September vorgegriffen. Gleichzeitig habe der Verwaltungsrat den bisherigen Prokuristen und Leiter des Finanzbuchhaltung, Jens Horstmann zum 1. Januar 2020 zum Geschäftsführer bestellt. Bis 2021 will die neue Führung signifikante Einsparungen generieren. Zur Seite stehen wird dem Führungsduo ab Ende des Jahres ein Restrukturierungsmanager.

„Wir müssen die Kosten für unsere Investitionen selbst erwirtschaften können, um wettbewerbsfähig zu sein“, betont Claudia Nehrig. Neben der Schließung des Standortes Bettenhausen, der Einsparungen im hohen sechsstelligen Bereich bringen soll, stehen Stellenplan-Anpassung, Sachkosten-Reduzierung sowie der Verzicht von Leihpersonal auf der Agenda. In den Reihen der Geschäftsführung ist man optimistisch, die Kliniken in eine gesunde Zukunft zu führen. „Das Potenzial dazu haben wir ohne Zweifel. Jetzt müssen wir mit hohem Tempo und sehr strukturiert unsere Hausaufgaben machen“, sagt Nehrig.

Zur Debatte um zu viele Krankenhausbetten bei fortschreitendem Anstieg in der ambulanten Versorgung ergänzt Jens Horstmann: „Wir haben bei uns 15.000 Patienten und 40.000 ambulant Versorgte – wo sollen die denn alle hin?“

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