Direktflug in die Provinz

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Kassel. Der Briefwechsel von Rainer Hahne richtet sich an Ulrich Friese.

Sehr geehrter Herr Ulrich Friese,

Sie sind Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ihre Artikel erscheinen auf den Seiten Wirtschaft und Luftfahrtgeschehen. Gestatten Sie mir den Hinweis, dass ich Ihre Überschrift "Direktflug in die Provinz – Warum Turkish Airlines sogar Kassel-Calden anfliegt" als eine absolute Frechheit ansehe?

In der Tat leben in der Nordhessenmetropole Kassel nicht soviele Menschen auf einem Haufen wie in Frankfurt. Firmen wie VW, Mercedes, SMA, Wintershall, Wingas, k+s, BBraun und viele andere mehr sorgen aber seit Jahren dafür, dass Kassel eine der dynamischsten Städte Deutschlands ist. Unsere Region als "Provinz" zu bezeichnen stimmt mich fassungslos. Ist das Überheblichkeit oder Dummheit?

Aber wahrscheinlich haben Sie selbst gemerkt, dass Sie über das Ziel hinaus geschossen sind, denn diese Überschrift haben Sie nur auf der Seite "Wirtschaft" genutzt. Auf der Seite "Luftfahrgeschehen" haben Sie dagegen schon Kreide gefressen. Dort heißt es "Turkish Airlines bringt Leben nach Kassel-Calden".

Der Nordhesse, der die Artikel liest, muss dann zu seiner Verwunderung feststellen, dass die Inhalte identisch sind.

Besonders gefallen hat mir Ihr Satz: "Dass Europas mehrfach prämiierte Fluggesellschaft demnächst noch den wohl ruhigsten Provinzflughafen Deutschlands ansteuert, provoziert in Fachkreisen Staunen und Gelächter".

In welchen Fachkreisen treiben Sie sich denn so rum, Herr Kollege? Sind Sie vielleicht ein bisschen zuviel bei der Lufthansa? Denen sollte eigentlich das Lachen im Halse stecken bleiben. Außer Einsparungen hat das sogenannte Management nichts zu bieten.

In Brüssel habe ich vor kurzem erfahren, dass für die neuen Richtlinien für Regionalflughäfen – kennen Sie das Wort, Herr Kollege? – in erster Linie die großen Flughäfen und Fluglinien kämpfen. Sollte unser Wohlfühlflughafen Kassel-Calden den Shitstorm der letzten Monate den zahllosen Lobbyisten aus diesem Bereich verdanken, die sich in den Fluren der Europäischen Kommission Blutblasen laufen?

Turkish Airlines läuft der Lufthansa unterdessen den Rang ab. Das ist die Wahrheit. Lesen Sie einfach dazu den Spiegel-Artikel "Ende einer Beziehung". Mit drastischen Einschnitten im Vielfliegerprogramm hat die Lufthansa Turkish Airlines den Krieg erklärt, denn die Unternehmer vom Bosporus "saugen massiv Kunden aus Deutschland ab".

Mit Dummheit und Ignoranz kann man diesen Trend nicht stoppen.

Mit kreativen Grüßen

Rainer Hahne

Chefredakteur

P.s. Als Finanzminister Dr. Thomas Schäfer und Flughafengeschäftsführerin Maria Muller bei der Lufthansa angeklopft haben, stießen sie auf Ablehnung. Turkish Airlines hat zugegriffen. Wir werden sehen, wer Recht behält.

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