Nach Antisemitismus-Vorwürfen: Kritisierter Documenta-Banner abgedeckt

Der kritisierte Banner des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi auf dem Friedrichsplatz wurde am Montagabend abgedeckt
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Der kritisierte Banner des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi auf dem Friedrichsplatz wurde am Montagabend abgedeckt
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Der kritisierte Banner des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi auf dem Friedrichsplatz wurde am Montagabend abgedeckt

Aufgrund einer Figurendarstellung in der Arbeit People’s Justice (2002) des Kollektivs Taring Padi, die antisemitische Lesarten bietet, hat sich das Kollektiv gemeinsam mit der Geschäftsführung und der Künstlerischen Leitung entschieden, die betreffende Arbeit am Friedrichsplatz zu verdecken und eine Erklärung dazu zu installieren.

Taring Padi äußert sich dazu wie folgt:

„Die Banner-Installation People’s Justice (2002) ist Teil einer Kampagne gegen Militarismus und die Gewalt, die wir während der 32-jährigen Militärdiktatur Suhartos in Indonesien erlebt haben und deren Erbe, das sich bis heute auswirkt. Die Darstellung von Militärfiguren auf dem Banner ist Ausdruck dieser Erfahrungen. Alle auf dem Banner abgebildeten Figuren nehmen Bezug auf eine im politischen Kontext Indonesiens verbreitete Symbolik, z.B. für die korrupte Verwaltung, die militärischen Generäle und ihre Soldaten, die als Schwein, Hund und Ratte symbolisiert werden, um ein ausbeuterisches kapitalistisches System und militärische Gewalt zu kritisieren. Das Banner wurde erstmals 2002 auf dem South Australia Art Festival in Adelaide ausgestellt. Seitdem wurde das Banner an vielen verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Kontexten gezeigt, insbesondere bei gesellschaftspolitischen Veranstaltungen, darunter: Jakarta Street Art Festival (2004), die retrospektive Ausstellung von Taring Padi in Yogyakarta (2018) und die Polyphonic Southeast Asia Art Ausstellung in Nanjing, China (2019).

Taring Padi ist ein progressives Kollektiv, das sich für die Unterstützung und den Respekt von Vielfalt einsetzt. Unsere Arbeiten enthalten keine Inhalte, die darauf abzielen, irgendwelche Bevölkerungsgruppen auf negative Weise darzustellen. Die Figuren, Zeichen, Karikaturen und andere visuellen Vokabeln in den Werken sind kulturspezifisch auf unsere eigenen Erfahrungen bezogen.

Die Ausstellung von People’s Justice auf dem Friedrichsplatz ist die erste Präsentation des Banners in einem europäischen und deutschen Kontext. Sie steht in keiner Weise mit Antisemitismus in Verbindung. Wir sind traurig darüber, dass Details dieses Banners anders verstanden werden als ihr ursprünglicher Zweck. Wir entschuldigen uns für die in diesem Zusammenhang entstandenen Verletzungen. Als Zeichen des Respekts und mit großem Bedauern decken wir die entsprechende Arbeit ab, die in diesem speziellen Kontext in Deutschland als beleidigend empfunden wird. Das Werk wird nun zu einem Denkmal der Trauer über die Unmöglichkeit des Dialogs in diesem Moment. Wir hoffen, dass dieses Denkmal nun der Ausgangspunkt für einen neuen Dialog sein kann“.

Sabine Schormann, Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH dazu: „Die Geschäftsführung der documenta ist keine Instanz, die sich die künstlerischen Exponate vorab zur Prüfung vorlegen lassen kann und darf das auch nicht sein. Das Banner wurde am vergangenen Freitagnachmittag am Friedrichsplatz installiert, nachdem notwendige restauratorische Maßnahmen aufgrund von Lagerschäden an der 20 Jahre alten Arbeit durchgeführt wurden. Ich möchte noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass das Werk nicht für Kassel, nicht für die documenta fifteen konzipiert wurde, sondern im Kontext der politischen Protestbewegung Indonesiens entstanden ist und dort wie an anderen außereuropäischen Orten gezeigt wurde. Dies ist das erste Mal, dass die Arbeit in Deutschland und in Europa gezeigt wird. Alle Beteiligten bedauern, dass auf diese Weise Gefühle verletzt wurden. Gemeinsam haben wir beschlossen, das Banner zu verdecken. Ergänzend holen wir weitere externe Expertise ein.“

Stellungnahme von Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle

Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle, Aufsichtsratsvorsitzender der documenta gGmbH, hat nach Bekanntwerden der ganz offensichtlichen antisemitischen Abbildungen auf dem am Friedrichsplatz gezeigten Protestbanners des indonesischen Kollektivs Taring Pad deutlich Stellung bezogen.

„Ich habe heute Morgen über die im Nachrichtendienst Twitter kursierenden Fotos und damit verbundenen Vorwürfe des Antisemitismus Kenntnis erlangt. Daraufhin habe ich umgehend die documenta-Geschäftsführung um Aufklärung sowie um Einleitung notwendiger Maßnahmen gebeten. Gleichzeitig werden die Gesellschafter der documenta zu einer Sitzung zusammenkommen.

Antisemitismus darf auf der documenta keinen Platz haben. Das ist so und bleibt auch so. Bei der Abbildung auf dem Kunstwerk, das nach meiner derzeitigen Kenntnis erst am Samstag auf dem Friedrichsplatz installiert wurde, handelt es sich um einen ganz offensichtlichen antisemitischen Verstoß, der nicht von der Hand zu weisen ist.

Ich erwarte von der künstlerischen Leitung - die sich ebenfalls klar gegen Antisemitismus, Rassismus und jegliche Art von Diskriminierung positioniert hat - hier verantwortungsvoll zu reagieren. Allerdings warne ich gleichzeitig davor, jetzt die documenta fifteen unter Generalverdacht zu stellen. In den Preview Days, die vergangene Woche von Mittwoch bis Freitag für Fachpublikum und Medien stattgefunden haben, waren keine antisemitischen Kunstwerke vorher feststellbar.“

Geschäftsführung und künstlerische Leitung der documenta fifteen haben gemeinsam mit der Künstlergruppe Taring Padi beschlossen, das Kunstwerk komplett zu verdecken.

Rubriklistenbild: © Fotos: Fischers Fritz

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