documenta-Defizit: Geschäftsführerin Kulenkampff und Prokurist Petri im Interview

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documenta-Geschäftsführerin Annette Kulenkampff und Prokurist Frank Petri.

Wir haben die größte documenta aller Zeiten erlebt, doch darüber redet keiner mehr. Es geht nur noch ums Geld. Der EXTRA TIP sprach mit Geschäftsführerin Annette Kulenkampff und Finanzchef Frank Petri über das Millionendefizit.

ET: Kann man schon seriös sagen wie das Ergebnis aussieht?

Petri: Halbwegs ja. Es bewegt sich aber in einer Riesenspanne zwischen fünf und sechs Millionen. Mit der Umsatzsteuer sind das sieben Millionen Euro. Aber diese Steuer gibt es zurück.

ET: Es gibt eine Bürgschaft in Höhe von acht Millionen von den Partnern.

Kulenkampff: Stimmt. Denn die Umsatzsteuer gibt es in Griechenland zum Beispiel erst 2018 zurück. Mit acht Millionen sind wir aber auf der sicheren Seite.

ET: Bis zum Rücktritt von Oberbürgermeister Hilgen war alles noch in Ordnung?

Petri: Ja. Wir hatten zwar einen kleinen Fehlbetrag, aber wir waren voller Optimismus, dass wir den ausgleichen können.

ET: Wann ist denn dieser Optimismus geschwunden?

Kulenkampff: 2016 haben wir exakt abgeschlossen. Da hatten wir eine Million auf dem Konto. Im letzten Gespräch mit Hilgen wurde angedacht, dieses Geld in die D 14 einfließen zu lassen. Dafür gibt es bis heute noch keinen Beschluss. Die Documenta war nie insolvent oder pleite. Wir haben rechtzeitig darüber informiert, das ab Oktober mehr Geld gebraucht wird. Frühzeitig haben wir Herrn Geselle darüber informiert, das möglicherweise ein Fehlbetrag von 2,2 Millionen Euro eintreten kann. Er war ebenfalls der Ansicht, dass diese Finanzlücke durch den Kontobetrag und die Zuschauerprognose geschlossen wird. Da lagen die Zuschauerzahlen noch 17 Prozent über den Erwartungen. Der Etat ist immer eine Wette auf die Zukunft.

ET: Wann öffnete sich die Finanzlücke weiter? Petri: Ausschlaggebend kam hinzu, dass die Kosten für die ganzen Sicherheitsvorkehrungen durchgeplant waren und die Endabrechnung für den Hintransport der Kunstwerke kamen.

Kulenkampff: Es gab überhaupt noch nie ein Sicherheitskonzept für eine Documenta. Die Erarbeitung war ein langer schwerer Prozess. Die Landespolizeibehörde hat höchste Ansprüche gestellt. Polizei, Stadt und documenta mussten unterschreiben. Eine Videoüberwachung wurde gefordert. Das konnten wir verhindern, aber insgesamt hat das deutlich über eine Million Euro gekostet. Teuer war auch der Transport historischer Kunst. Insgesamt waren das 500.000 Euro mehr incl. Rücktransport.

ET: Da fehlt noch was.

Kulenkampff: Die Reisekosten der Künstler aus aller Welt waren deutlich höher als erwartet. Im heißen Sommer waren auch die Energiekosten in Griechenland höher. Da haben wir die Prognose höher gesetzt. Eine Rechnung liegt noch nicht vor. Das gilt auch für die Frage, ob wir für die Aufsichten in Griechenland erst einmal die Mehrwertsteuer zahlen müssen.

ET: Dazu kamen weniger Besucher

Kulenkampff: Stimmt. In diesem Jahr waren in der zweiten Hälfte weniger Besucher da. Allein die Berichterstattung der letzten Woche hat uns 20.000 Besucher gekostet. Das waren 320.000 Euro. Die Leuten dachten, die documenta wäre pleite.

ET: Die Einnahmen lagen also bei 34 Millionen, die Ausgaben wohl bei 39 Millionen?

Petri: Über fünf Jahre gerechnet stimmt das wohl. Ende des Jahren können wir das genauer sagen. Der Abschlussbericht wird Anfang 2018 vorgelegt.

ET: Und welche Rolle hat der künstlerische Leiter Szymczyk gespielt?

 Kulenkampff: Die Mehrkosten Athen hätten wir geschafft, aber es kam ja noch jede Menge dazu. Natürlich gab es intensive Diskussionen zwischen Geschäftsführung und künstlerischem Leiter. Aber es gab immer vernünftige Lösungen. Wir haben zwei Veranstaltungen mit zwei mal hundert Tagen Laufzeit durchgeführt. Da steigt auch das Risiko.

ET: Eine schwere Belastung für die wenigen festen Mitarbeiter.

Kulenkampff: Schonen konnte sich niemand. Keiner von uns hat einen Ersatz. Keiner von uns hat auch nur eine Sekunde die documenta genießen können. Und niemand dankt den Mitarbeitern. Dabei ist die documenta-Geschichte ein Riesenerfolg. Dafür arbeiten sehr viele schon seit Jahrzehnten.

ET: Ein Wort noch zum Wirtschaftsprüfungsbericht.

Petri: Das Ergebnis ist eindeutig. Es ist alles vernünftig gelaufen. Es wurde keinerlei persönliches Verschulden beim Zustandekommen des Fehlbetrages festgestellt. Es ist eine Entlastung der Geschäftsführung. Wir können uns übrigens bis heute über ein positives Bankkonto freuen. Soviel zum Thema Pleite.

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