Documenta-Eröffnung mit Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, viel Trubel und Kritik

Der erste Tag der documenta fifteen startete bei hochsommerlichen Temperaturen und viel Prominenz.
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Der erste Tag der documenta fifteen startete bei hochsommerlichen Temperaturen und viel Prominenz.
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Am Samstag öffnete die documenta fifteen ihre Türen. Zur Eröffnung kam auch Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, der sich die Kunst im Fridericianum und Hallenbad Ost anschaute. Zur Eröffnung gab es nicht nur lobende Worte. Steinmeier kritisierte den Umgang mit Antisemitismusvorwürfen.

Er sei sich im Vorfeld nicht sicher gewesen, ob er überhaupt zu der Eröffnung nach Kassel kommen würde. Er kritisierte: Es falle auf, wenn auf dieser bedeutenden Ausstellung wohl keine jüdischen Künstlerinnen oder Künstler aus Israel vertreten seien.

Die Eröffnung wurde auch von kleinen Protesten verschiedener Gruppen und Initiativen begleitet. Viele Leute kritisierten aber auch Steinmeiers Besuch und vor allem seine Rede. Von Besuchern war zu hören: „Ich dachte, die Kunst ist für alle da - aber wenn der Präsident kommt, wird erst mal alles abgesperrt.“ Viele konnten auch nicht verstehen, dass der Bundespräsident die Antisemitismus-Vorwürfe einfach als berechtigt darstellt.

Hessens neuer Ministerpräsident Boris Rhein hat zur offiziellen Eröffnung der documenta fifteen in Kassel wiederum deren Rolle als eine der weltweit bedeutendsten Kunstausstellungen hervorgehoben. „Die documenta ist dabei auch eine Plattform kulturellen Austausches über verschiedene Kulturräume hinweg. In schwierigen politischen Zeiten bietet sie oft eine erste Brücke, um Verbindungen aufzubauen, zu stärken und zu erweitern“, sagte Rhein, der zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Ausstellung am Samstag besuchte.

Spannend nannte der Ministerpräsident die von „Ruangrupa“, dem Kuratorenkollektiv der documenta fifteen, zum Vorbild des Ausstellungskonzepts erwählte „Lumbung“ – eine gemeinschaftlich bewirtschaftete Reisscheune. „Die Kuratoren geben damit der documenta einen ganz eigenen Stil. ,Lumbung‘ und kollektive Praxis verstehe ich auch als Inspiration. Ein wenig mehr gemeinsam genutzte ,Reisscheune‘ täte im Zweifel der ein oder anderen politischen Position gut.“

Zu den vor Beginn der documenta geäußerten Antisemitismus-Vorwürfen gegen das Künstlerkollektiv sagte Rhein: „Den Vorwurf des Antisemitismus nehme ich sehr ernst, zumal wenn der Zentralrat der Juden in Deutschland darauf aufmerksam macht. Das gilt in letzter Zeit vor allem für den israelbezogenen Antisemitismus, der eine
bedrohliche Entwicklung annimmt. Wer hier in diesem Land wirkt, der muss das wissen.“

Denn nicht einmal die Kunst, die in einer freiheitlichen offenen Gesellschaft nicht zensiert werden dürfe, sei bedingungslos. Das gelte auch in diesen Zeiten, in denen Russland einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine führe. „Kunst darf – und muss – Probleme und Spannungen ansprechen, die nicht allen gefallen. Aber wo ziehen wir Grenzen?“ Die unbefriedigende Antwort laute: „Es kommt darauf an – auf den Künstler, auf das Kunstwerk. Gibt es Verbindungen zum Unterdrückungsapparat? Wird der Krieg gutgeheißen? Das ist mühsam, aber es ist notwendig, denn Meinungsfreiheit heißt nicht, dass alles toleriert werden muss.“

Der Regierungschef hob hervor, dass das Existenzrecht Israels als Teil der deutschen Staatsräson unverrückbar sei. „Ich bin Kunstministerin Angela Dorn sehr dankbar, dass sie dies von Beginn an unmissverständlich klargestellt hat und in enger Abstimmung mit Staatsministerin Claudia Roth und dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Dr. Josef Schuster, Gespräche im Sinne der Verständigung geführt hat“, sagte der Ministerpräsident. „Kehren wir also zur Debatte zurück. Zu einer Debatte auf Augenhöhe und zu einer Debatte über die und mit der Kunst. Der Rahmen ist gegeben, und darüber freue ich mich sehr.“

Bei der documenta fifteen präsentieren 14 Kollektive, Organisationen und Institutionen und mehr als 50 Künstlerinnen und Künstler bis zum 25. September 2022 ihre Werke an 32 Standorten in Kassel. Die documenta steht erstmalig unter der Leitung eines indonesischen Künstlerkollektivs. Die Gruppe Ruangrupa und die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler definieren ihre Kunst als Prozess von Teilhabe, gesellschaftlichem Diskurs und Austausch von Ideen, Wissen und Können.

Die documenta gehört zu den weltweit bedeutendsten Ausstellungen für zeitgenössische Kunst. Sie findet alle fünf Jahre in Kassel statt und dauert jeweils 100 Tage. Die erste documenta wurde 1955 veranstaltet.

Rubriklistenbild: © Fischer, Andreas

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