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documenta-Generaldirektorin tritt zurück

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Sabine Schormann, Generaldirektorin der documenta, tritt von ihrem Posten zurück.
et209278.jpg © Harry Soremski

Aufsichtsrat empfiehlt zudem eine Organisationsuntersuchung der documenta 

Kassel. Nach dem Skandal um ein Kunstwerk mit antisemitischen Bildinhalten bei der documenta wird der Dienstvertrag der bisherigen Generaldirektorin Sabine Schormann aufgehoben. Darauf einigten sich am Freitag Schormann und der Aufsichtsrat der Kunstausstellung. Zunächst wird eine Interimsnachfolge angestrebt

Auslöser war das Banner einer indonesischen Künstlergruppe, das zu Beginn der Kasseler Kunstausstellung im Juni ausgestellt wurde. Darauf waren teils antisemitischen Motive zu sehen . Die documenta ließ das Bild zunächst abdecken, dann abbauen. Im Anschluss agierten die documenta - Verantwortlichen in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und Aufarbeitung des Falles äußerst unglücklich und sahen sich massiver, anhaltender Kritik ausgesetzt. Der Aufsichtsrat äußert seine tiefe Betroffenheit, dass am Eröffnungswochenende der documenta fifteen eindeutig antisemitische Motive zu sehen waren. Die Präsentation des Banners „People‘s Justice“ des Künstlerkollektivs Taring Padi mit seiner antisemitischen Bildsprache sei eine klare Grenzüberschreitung und der documenta wurde damit ein erheblicher Schaden zugefügt. Es ist nach Auffassung des Aufsichtsrates essenziell, diesen Vorfall zeitnah aufzuklären.

Für die Zukunft empfiehlt der Aufsichtsrat der Gesellschafterversammlung, eine fachwissenschaftliche Begleitung einzusetzen. „Eine Kooperation der fachwissenschaftlichen Begleitung mit der künstlerischen Leitung betrachtet der Aufsichtsrat als zielführend und soll im gemeinsamen Prozess gestaltet werden. Der Aufsichtsrat regt an, dass die Findungskommission, die eine Beratungsfunktion gegenüber der documenta fifteen innehat, in der fachwissenschaftlichen Begleitung mitwirkt“. Die Gesellschafterversammlung hat dem entsprochen. Zudem empfiehlt der Aufsichtsrat der Gesellschafterversammlung, eine Organisationsuntersuchung der documenta und Museum Fridericianum gGmbH durchzuführen, die sowohl die Strukturen inklusive Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten als auch die Abläufe einer Überprüfung unterzieht. „Dies im Benchmark mit anderen bedeutenden Kunstausstellungen und unter Hinzuziehung externer Expertinnen und Experten, um auf dieser Basis Vorschläge für die Weiterentwicklung der documenta und Museum Fridericianum gGmbH schnellstmöglich nach der documenta fifteen zu erarbeiten“. Auch dies hat die Gesellschafterversammlung  beschlossen.

Zudem wirbt der Aufsichtsrat dafür, die documenta fifteen, als erstmalige documenta kuratiert aus dem Blick des sogenannten „globalen Südens“ mit über 1.500 beteiligten Künstlerinnen und Künstlern, auch in ihrer Gesamtheit und Einzigartigkeit zu bewerten.

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