documenta-Geschäftsführer sagt "Adieu"

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Kassel. Bernd Leifeld, seit 1996 Mittler zwischen Stadt und Weltkunst, wurde heute Abend im großen Rahmen offiziell verabschiedet.

Kassel.  Über dem Fridericianum wehte eine Flagge mit den Initialien "BL". Ein Gruß von den Mitarbeitern der Kunsthalle, der Bernd Leifeld viele Jahre in Personalunion mit der documenta-Geschäftsführung vorstand. Und auch die 93-Jährige Mutter von Leifeld verfolgte mit den 400 weiteren geladenen Gästen, wie ihr Sohn in den Ruhestand verabschiedet wurde. Ein Begriff, der so gar nicht zu ihm passt.

Seit 1996 diente er der Stadt in Sachen Kunst. Und obwohl er vier documenta-Ausstellungen als Geschäftsführer verantwortete, hielt er sich stets zurück, was die Inhalte anging. Und doch ist der Verdienst von Bernd Leifeld nicht hoch genug einzuschätzen: Er sorgte nicht nur für reibungslose Abläufe – auch hielt er das Thema zwischen den Ausstellungsjahren aufrecht. Und gewann mit seiner ehrlichen und charmanten Art auch jene Bürger, denen die moderne Kunst doch zu abgedreht war. Mal als engagierter Streiter, mal mit einem charmanten Augenwinkern setzte er sich für "seine" documenta ein.

Am heutigen Abend nun verabschiedete sich Bernd Leifeld  offiziell und von seinem Amt. "Mit zwei weinenden Augen". Aber auch ein drittes, das lachende, sei mit dabei. Und do werde er nur bis Montag, seinem letzten Arbeitstag die Tränen verdrücken. "Am Dienstag öffne ich dann weit das Fenster und warte auf den Ruf"  - nach einer neuen Aufgabe. "Möglicherweise von Kunstminister Boris Rhein".

Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der documenta GmbH, würdigte zuvor Leifelds beeindruckendes Lebenswerk im Dienste der weltweit bedeutendsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst mit anerkennenden und bewegenden Worten als "einen Glücksfall für die Institution, für die Stadt, für die Gesellschafter und für die künstlerischen Leitungen, mit denen er zusammengearbeitet hat".

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein verriet in seinen Abschiedworten: Die kommende Ausstellung erhält Fördermittel von etwa elf Millionen Euro (2012: Neun Millionen) . Das dürfte besonders Leifeld-Nachfolgerin Nachfolgerin Annette Kulenkampff freuen. Sie hatte scherzhaft über große Fußstapfen in die sie zu treten habe, geklagt. Und darf sich jetzt schon mal über eine pralle Förder-Kasse verfügen.

Und auch Leifelds eifrigstes Bemühen könnte noch Verwirklichung finden: "Wir wollen die documenta und ihre Geschichte auch zwischen stattfindenden Ausstellungen erlebbar machen. Hierzu soll das Archiv der documenta erschlossen und zu einem documenta-Institut unter Beteiligung von Bund, Land, privaten Sponsoren und der Stadt Kassel weiterentwickelt werden", so Kunst- und Kulturminister Boris Rhein. Wie das vonstatten gehen könnte verriet Leifeld: Im Sommer ein weiß eingedeckter Tisch auf dem Friedrichsplatz, an dem sich der Aufsichtsratsvorsitzender der documenta-Gmbh, Bertram Hilgen, und der Staatsminister als sein Stellvertreter, die Hand reichen und einen Vertrag unterzeichnen.

Vor der documenta: Ein Berufsleben am Theater

Bernd Leifeld hat nach einem Studium der Germanistik, Pädagogik und Theaterwissenschaft als Dramaturg und Regisseur an Theatern unter anderem in Berlin, Köln und Wuppertal gewirkt, war von 1981 bis 1983 Schauspieldirektor am Staatstheater Kassel, von 1984 bis 1991 Intendant am Landestheater Württemberg-Hohenzollern in Tübingen, und ab 1994 Schauspieldirektor am Theater in Basel. 1996, eineinhalb Jahre vor Beginn der documenta 10, trat Leifeld seine Position als Geschäftsführer der documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs-GmbH in Kassel an.

Weltweit bekannt: Die documenta

Die von der Stadt Kassel und dem Land Hessen als Gesellschafter getragene und finanzierte und zudem durch die Kulturstiftung des Bundes finanziell unterstützte documenta ist die weltweit bedeutendste Ausstellung moderner Kunst. Initiiert 1955 von Arnold Bode, findet sie alle fünf Jahre in Kassel statt. Die 14. Auflage der documenta startet am 10. Juni 2017.

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