documenta mietet ehemaliges Kaufhaus in Kassel

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Das Gebäude an der Ecke Königsstraße/Treppenstraße steht seit zwei Jahren leer. 1999 war für die „Kaufhalle“ die Sportarena des Kaufhof-Konzerns eingezogen.

1999 wich die beliebte "Kaufhalle" der "Sportarena" im Gebäude an der Ecke Königsstraße/Treppenstraße. Seit zwei Jahren steht die Immobilie leer. Und hat nun einen prominenten Neu-Mieter.

Kassel. Gähnende Leere in Kassels Fußgängerzone. Hier passiert seit Tagen nichts mehr, seit die Geschäfte wegen der Corona-Epidemie geschlossen haben müssen. Und doch tut sich was an prominenter Stelle: Im Gebäudekomplex, in dem früher die Kaufhalleund bis vor zwei Jahren die Sportarena des Kaufhofs zu finden war, wird gewerkelt.  Neumieter ist – die documenta!

Johanna Köhler, Leitung Kommunikation und Marketing bei documenta und Museum Fridericianum gGmbH.

 „Auf den über 5.000 zur Verfügung stehenden Quadratmetern wird u.a. Ausstellungsfläche für die documenta fifteen im Jahr 2022 entstehen.“, teilt Johanna Köhler, Leitung Kommunikation und Marketing bei der documenta, auf EXTRA TIP-Anfrage mit. Seit Jahresbeginn läuft der Drei-Jahres-Mietvertrag. „Teile des Gebäudes sollen zusätzlich bereits ab Sommer 2020 (sofern die Corona-Pandemie dies erlaubt) durch die Künstlerische Leitung der nächsten documenta, ruangrupa, als „ruru-Haus“ mit öffentlichen Veranstaltungsformaten bespielt werden“, berichtet Köhler weiter.

Weitere Flächen sollen bereits ab diesem Jahr als Ateliers und Arbeitsräume für Künstler*innen und Mitarbeiter*innen der documenta 15 genutzt werden. Während der Weltkunstausstellung (18. Juni bis zum 25. September 2022 ) könne das Haus auch eine Nutzung als Presse- oder Besucherzentrum erfahren.

5.000 Quadratmeter Fläche und große Fensterfronten zu Königs- und Treppenstraße hat das Gebäude.

 Der Vorsitzende der Kasseler Citykaufleute, Alexander Wild, bringt es knackig auf den Punkt: „Gut für die Immobilie, gut für die Innenstadt.“ Er sieht durch den prominenten Mieter eine größere Chance, dass das Gebäude auch nach der documenta eine angemessene Nutzung erfährt.

 Der Kasseler CDU-Stadtverordnete Marcus Leitschuh lobt die Standortwahl: „Eine spannende und richtige Entscheidung, die wir im Aufsichtsrat der documena gGmbH von Anfang an mit unterstützt haben. Eine Chance für die Innenstadt und eine Chance für die documenta, weil man viel Raum in einem Gebäude hat, das fußläufig zu erreichen ist.“

Im Krieg zerstört diente der Kaufhalle zunächst ein Behelfsladen am späteren Standort. Nach einem kurzen Gastspiel in der Unteren Königsstraße erfolgte 1950 der Neubau an der Treppenstraße.

Und Johanna Köhler wagt noch einen Ausblick: „Für die Kasseler Innenstadt wäre es sicher ein Zugewinn, wenn das zum Ensemble der denkmalgeschützten Treppenstraße gehörende Gebäude in dieser prominenten Lage und mit Blick auf den Friedrichsplatz – wie bereits andere durch documenta Ausstellungen genutzte Gebäude, wie z.B. die Gottschalk-Halle – im Anschluss an die Weltkunstausstellung einer neuen nachhaltigen Nutzung zugeführt werden könnte.“

Ende der 1960er Jahre: gegenüber der Kaufhalle befand sich das legendäre Modehaus Chic.

Ruru und die fifteen

Es ist ein jahrzehntealtes Katz-und-Maus-Spiel zwischen der documenta und den Journalisten: Geheimnisse zu lüften, die eigentlich unter dem Deckel bleiben sollen. Und so wird seit jeher munter zwischen den Zeilen gelesen, gedeutet und gemutmaßt. Missverständnisse inklusive.

So lernen wir heute: Das Künstlerkollektiv aus Indonesien, das sich für die künstlerische Leitung zuständig zeigt, ist keine „Ruan-Grupa“, sondern „Ruang-Rupa“ – so entsteht dann auch ein „ruru-Haus“ aus der ehemaligen Sportarena. „Ruang“ steht im Indonesischem für das „Zimmer“, „rupa“ sinngemäß für die äußerliche Form.

 Was im Statement der documenta -Sprecherin zur Anmietung des Gebäudes auffällt: Die kommenden Weltkunstausstellung wird als „documenta fifteen“ bezeichnet. Die sonst so gebräuchliche numerische Darstellung wird vermieden, die Zahl ausgeschrieben. Der Name „documenta“ wird weiterhin klein geschrieben. Das war vom ersten Tag an schon so – nur die künstlerischen Leiter Jan Hoet (DOCUMENTA IX, 1992) und Carolyn Christov-Bakargiev (dOCUMENTA (13), 2012) wichen davon bislang ab.

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