Dreck im Hinterhof: Kasselerin stinkt's mit dem Müll der Nachbarn

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Sind wenige Stunden zuvor beide Tonnen erst entleert worden, sind sie schon wieder randvoll und die Gelben Säcke stapeln sich weiter.

Vor einem Kasseler Mehrfamilienhaus türmen sich falsch gefüllte Gelbe Säcke und der üble Gestank ruft längst Ratte, Waschbär und Co. auf den Plan. Dass der Vermieter nicht reagiert, ärgert nicht nur die Nachbarn.

Kassel. Beim Betreten des Grundstücks von Familie Wendel dringt derzeit ein strenger Gestank in die Nase –­ es riecht faulig und nach vergammelten Lebensmitteln. Heidi Wendel zeigt sich darüber entsetzt, kann sie doch selbst gar nichts für den unangenehmen Geruch. Der breitet sich nämlich penetrant vom gegenüberliegenden Mehrfamilienhaus aus, vor dem sich falsch gefüllte Gelbe Säcke stapeln. „Spatzen, Krähen und Waschbären reißen die dünnen Säcke kaputt, weil die Nachbarn ihren Müll nicht ordnungsgemäß trennen und verpacken. Seit Anfang des Jahres wird es hier immer schlimmer mit dem Müll“, erzählt Wendel, die auch schon Ratten zwischen den Abfällen entdecken konnte.

„Lauter Lebensmittel wie Knochen, Fleischreste und Brötchen sind in diesen Gelben Säcken. Ist ja klar, dass die Stadtreiniger sowas nicht mitnehmen und den Müll liegen lassen“, erzählt die 71-Jährige weiter. Mit ihrem Ärger ging Heidi Wendel Anfang April zu den Stadtreinigern und wurde nach eigenen Angaben darüber informiert, dass sie sich zunächst schriftlich an den Vermieter des Nachbarhauses wenden und diesen auf das Müllvorkommen hinweisen müsse. „Viele Jahrzehnte wurde das gegenüberliegende Haus in Ordnung gehalten, bis es vor drei Jahren verkauft wurde. Dem neuen Vermieter haben wir Ende April einen Brief geschrieben und schon mindestens zehn Mal persönlich mit ihm gesprochen,“ so Wendel.

Ohne Erfolg. Im Brief, von dem inzwischen auch das Ordnungsamt eine Kopie erhalten hat, fordert Familie Wendel den Vermieter nicht nur dazu auf, den Müll zu entfernen. Da ein einziger Restabfallbehälter von 80 Litern Volumen sowie eine behelfsmäßige Grüne Tonne für die drei Wohnungen im Haus nicht ausreichen, soll der Vermieter endlich mehr Mülltonnen aufstellen. „Das Verhalten des Vermieters ärgert mich zwar am meisten, aber auch die Mieter müssen darauf achten, ihren Müll richtig wegzuwerfen,“ sagt Heidi Wendel.

Kontaktaufnahme mit den Mietern 

Wendel, die ihr Haus schon seit 1972 mit ihrem Ehemann bewohnt, hat in Sachen Mülltrennung daher den Kontakt zu den Mietern selbst gesucht. „Es haben immer drei Familien in dem Haus gewohnt, aber vor vier Monaten sind zusätzlich mehrere Personen in den Keller gezogen. Früher war dort ein Frisörsalon, da sind keine Räumlichkeiten für Küche, Badezimmer oder gar Toilette“, sagt Wendel.

Diese Beobachtungen bestätigt eine Bewohnerin des Nachbarhauses, deren Familie sich ebenfalls erfolglos an den Vermieter gewendet habe: „Wir sind nicht die Verursacher, sondern die neuen Mieter im Keller. Vorher war es schon schwierig mit der Entsorgung hier, aber seit die Familie vor vier Monaten eingezogen ist, eskaliert die Situation. Ich frage mich, warum nicht einfach mehr Tonnen aufgestellt werden“, erzählt die Frau, die aus Angst vor möglichen Konsequenzen seitens des Vermieters anonym bleiben möchte.

Die mit Lebensmittelresten befüllten Gelben Säcke verbreiten nicht nur einen widerlichen Gestank, sie ziehen auch Ratten an.

Heidi Wendel jedenfalls möchte erst einmal abwarten und vertraut auf die Stadtreiniger: „Wenn die Abfallentsorger sehen, wie viel Müll sich noch ansammelt, können sie bestimmt irgendwann eine Tonne hinstellen, statt alles liegen zu lassen.“

Das sagen die Stadtreiniger:

„Handelt es sich um ein Mehrfamilienhaus, so ist für je zwei angefangene Wohneinheiten ein Restabfallbehälter von mindestens 80 l vorzuhalten. Grundlage hierfür ist die Abfallwirtschafts- und -gebührensatzung §16. Bei vier Wohneinheiten sind somit mindestens zwei 80 l Restabfallbehälter aufzustellen. Reicht das Volumen für die Abfallentsorgung vor Ort nicht aus, sind weitere Restabfallbehälter aufzustellen. Nach §16 Abs. 9 hat der Grundstückseigentümer dafür zu sorgen, dass die Mieter die Abfallbehälter nutzen und keinen Abfall daneben stellen.

Stellen die Stadtreiniger fest, dass das Abfallvolumen auf einem Grundstück nicht ausreicht, informieren wir den Grundstückseigentümer und empfehlen eine Aufstockung der Restabfallbehälter, hierbei setzen wir eine entsprechende Frist. Lässt der Grundstückseigentümer die Frist verstreichen, stellen die Stadtreiniger Kassel weitere Abfallbehälter auf. Der Grundstückseigentümer erhält eine entsprechende Information.“

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