DRK-Kliniken Nordhessen: Geschäftsführer Lottis gefeuert, Nachfolger schon da

Seit Januar 2020 ist Alexander Lottis Sanierungsgeschäftsführer der DRK-Kliniken Nordhessen. Am Donnerstagabend wurde er aufgefordert, Schlüssel zurückzugeben und sein Büro von persönlichen Gegenständen zu räumen.
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Seit Januar 2020 ist Alexander Lottis Sanierungsgeschäftsführer der DRK-Kliniken Nordhessen. Am Donnerstagabend wurde er aufgefordert, Schlüssel zurückzugeben und sein Büro von persönlichen Gegenständen zu räumen.

Die Mitgliederversammlung des Klinik-Trägers DRK Soziale Dienste und Einrichtungen hat entschieden: Man wolle die beantragte Insolvenz noch abwenden und die vom Mit-Träger Schwesternschaft aufgenommenen Verkaufsverhandlungen forcieren und zum Abschluss bringen. Das alles ohne Sanierungsgeschäftsführer Alexander Lottis, der von der Gesellschafterversammlung abberufen wurde.

Kassel. Eigenmächtige Verkaufsverhandlungen hier, im Alleingang gestellter Insolvenzantrag da: Schon in den letzten Wochen wurde breit an die Öffentlichkeit getragen, dass das Tischtuch zwischen den beiden Trägernn der DRK-Kliniken Nordhessen Schwesternschaft und DRK Soziale Dienste und Einrichtungen, SDE) längst zerschnitten ist.

Seit Donnerstagabend gibt es ein neues Kapitel in der langen Geschichte des Krankenhauses, das mit seiner roten Backsteinfassade so romantisch wirkt: Gegen 21.30 Uhr geht bei Sanierungsgeschäftsführer Alexander Lottis eine Email vom Verwaltungsratsvorsitzenden Joachim Jasper ein: „Im Auftrag der Gesellschafter teile ich Ihnen mit, dass Sie mit Beschluss der heutigen außerordentlichen Gesellschafterversammlung als Geschäftsführer der DRK-Kliniken Nordhessen gGmbH mit sofortiger Wirkung abberufen worden sind.“, heißt es da. Bis Montag hätte der Krankenhaus-Manager, der seit Januar 2020 die DRK-Kliniken führt, Gelegenheit, sein Büro „von persönlichen Gegenständen zu räumen.“

Was war passiert? Horst Schween, bislang Vorstandsmitglied des Trägers DRK Soziale Dienste und Einrichtungen SDE), schildert es gestern abend so: „Nach dem gestern bereits das einem nordhessischen Kreisverband angehörendes Vorstandsmitglied zurückgetreten ist, weil es die aktuelle Vorgehensweise der vom KV Kassel-Wolfhagen dominierten Mitgliederversammlung nicht mehr mittragen wollte ist heute der gesamte Vorstand des DRK Soziale Dienste und Einrichtungen Nordhessen e.V. zurückgetreten.“ Der Hintergrund: Man wolle die Konsequenzen einer einer möglichen Insolvenzverschleppung nicht mittragen. Die Mitgliederversammlung habe bestimmt, den bisherigen Sanierungs-Geschäftsführer mit sofortiger Wirkung abzuberufen und einen neuen Geschäftsführers zu bestellen. „Mit dieser Maßnahme wollen ein neugewählter Vorstand und die Mitglieder des SDE das laufende Insolvenzverfahren noch stoppen und den erhofften Einstieg eines privat Equity Fonds als Geldgeber ermöglichen, sowie dies die bisherige Mitgesellschafterin Schwesternschaft e.V. seit langem plant.

DRK-Kliniken nehmen Antrag auf Insolvenz zurück

Nachdem am Donnerstag die Gesellschafterversammlung der DRK-Kliniken Nordhessen Sanierungsgeschäftsführer Alexander Lottis abberufen hatte, haben sich beide Gesellschafter auf einen neuen zweiten Interimsmanager geeinigt. Die DRK-Schwesternschaft und der Verein DRK Soziale Dienste und Einrichtungen (SDE) haben Manuel Berger beauftragt, zwischenzeitlich die Geschäftsführung für den wirtschaftlichen Part der Klinik zu übernehmen. Berger wird ab sofort gemeinsam mit Claudia Nehrig, Oberin der Schwesternschaft und Pflegedirektorin, die Klinik leiten.

„Unser erstes Ziel ist es, den Insolvenzantrag so schnell wie möglich zurückzunehmen“, skizziert Claudia Nehrig die nächsten Schritte. Hierzu haben Nehrig und Berger als erste gemeinsame Handlung die Banken von ihrem Bankengeheimnis befreit, so dass diese nun mit dem Kaufinteressenten, für den sich die Gesellschafterversammlung entschieden hatte, sprechen können. „Wir werden jetzt, wo jeder transparente Sicht auf die Klinik hat, prüfen, wo wir wirklich wirtschaftlich stehen“, betont Berger.

Berger: „Die DRK-Kliniken sind das zweitgrößte Haus in Kassel, wir sind mit unserem medizinischen Angebot keine Konkurrenz für die anderen Häuser, sondern eher sinnvolle Ergänzung, wir haben eine Größe, die gut zu managen ist – das ist eine hervorragende Ausgangslage.“ Noch im Juni sollen die Unterlagen geprüft und die Kaufverträge abgeschlossen sein. „Wir haben viele Pläne mit unseren Kliniken“, so Nehrig. Das Wichtigste sei nun aber, die Kredite mit Hilfe des neuen Gesellschafters abzulösen. Fest steht: Die Bietergemeinschaft will in den nächsten Jahren rund 60 Millionen Euro in die Traditionsklinik in Kassel investieren, allein 30 Millionen davon für Bauprojekte.

Nehrig und Berger haben heute in mehreren - zum Teil digitalen - Versammlungen die Beschäftigten informiert. Wichtigste Botschaft dabei: Die Gehälter sind sicher, niemand muss Insolvenzgeld beantragen. Und natürlich läuft der Krankenhausbetrieb ganz normal weiter.

Manuel Berger kennt das Krankenhausgeschäft von der Pike auf. Seit über zwei Jahren ist der 49-Jährige Geschäftsführer bei Consus Clinicmanagement, zuvor hat er 16 Jahre bei Helios, einem deutschlandweit tätigen Krankenhausunternehmen, in unterschiedlichsten leitenden Funktionen gearbeitet. 

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