Eine Saujagd mit Folgen

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Korbach/Bukarest. Jäger "kastriert" Jäger: Kugel reißt Genitalien weg. Die Untere Jagdschutzbehörde wird nun entscheiden, ob er seine Lizenz verliert.

Korbach/Bukarest. Es war eine Saujagd mit Folgen. Im November 2011 machte sich eine Jagdgesellschaft auf, in Rumänien Wildschweine zu schießen. Die sechs Freunde treffen sich schon seit Jahrzehnten zur gemeinsamen Jagd. Diesmal locken prächtige Keiler. Als die Treibjagd beginnt, haben sich die Waidmänner entlang einer Linie aufgestellt. Rund 100 Meter stehen die Jäger jeweils auseinander und warten auf die Tiere, die ihnen entgegen getrieben werden. Erste Schüsse fallen. Aus einem Sitzstock erhebt sich einer der Schützen und zielt gerade auf einen Keiler, als es ihn schmerzhaft von den Füßen reißt.

Wie die Deutsche Jagdzeitung zitiert: "Das war ein Tritt in die 12. Ein kurzer stechender Schmerz, erinnert sich das Opfer".

Die Kugel reißt ihm Glied und Hoden weg

Ein Gutachten und kriminalpolizeiliche Ermittlungen ergeben: Der Jäger wurde vom Freund neben ihm angeschossen. Die Kugel bohrte sich durch den Oberschenkel und reißt ihm anschließend Glied und Hodensack weg. Bis dem Opfer richtig geholfen werden kann, vergeht kostbare Zeit.

Das nächstgelegene Krankenhaus kann nicht wirklich weiterhelfen. Eine Spezialklinik in Bukarest ist 60 Kilometer entfernt. Intensivstation, Komplikationen, sechs Operationen, Spätfolgen: "Unten war alles weg", wird das Opfer zitiert. Aber es hätte noch schlimmer kommen können. Die Kugel verfehlte die Hauptschlagader nur knapp. Das wäre das Todesurteil gewesen.

Der Schuss und schwere Vorwürfe gegen den Schützen, der aus Korbach kommt, werden erhoben. Es geht vor Gericht. Vor einem Jahr einigen sich das Opfer und der Schütze vor dem Amtsgericht in Kassel. 82.000 Euro Schmerzensgeld werden vereinbart. Die Staatsanwaltschaft sieht von einem weiteren strafrechtlichen Verfahren ab, wenn der Schütze 6.000 Euro Bußgeld zahlt. Der Fall sei nur eingeschränkt von öffentlichem Interesse, heißt es unter anderem in der Begründung. Das sieht das Opfer allerdings anders. Er kündigte an, in Berufung zu gehen.

Mittlerweile beschäftigt sich die Untere Jagdschutzbehörde beim Landkreis Waldeck-Frankenberg mit dem Fall. Dort soll entschieden werden, ob der Jäger seine Lizenz verliert.

Dass Verwechslungen schnell zum Verlust der Lizenz führen können, zeigt ein Fall aus Berlin. Dort musste zuletzt ein Jäger seinen Jagdschein und Waffenschein abgeben, weil er bei der Wildschweinjagd aus Versehen ein Pony erschossen hatte.

+++Extra Info: Lizenzentzug wegen Unzuverlässigkeit+++

"Der Entzug der Jagdlizenz wegen mangelnder Zuverlässigkeit gehört zum Tagesgeschäft", erklärt Jörg Wiegel von der Pressestelle des Regierungspräsidiums Kassel. So reiche bereits eine vergleichsweise geringe Strafhöhe bei einem Gerichtsverfahren aus – mehr als 60 Tagessätze – um die Zuverlässigkeit in Frage zu stellen. "Die Folge einer Trunkenheitsfahrt kann so auch den Entzug der Jagderlaubnis zur Folge haben", sagt Jörg Wiegel.

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