Eine Villa namens Hilla im Kasseler Habichtswald

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Selina Lauck und Jennifer Aehlen haben als Teil eines Frauen-Quartetts einer alten Villa im Habichtswald neues Leben eingehaucht. Unter dem Namen „Das Hilla” bietet das Gebäude nun Räume zum Arbeiten, Essen, Schlafen oder Ausspannen. Ein Artikel aus unserem 34 Magazin.

Kassel. Der Frühnebel hängt zäh in den Zweigen der mächtigen Bäume des Habichtswaldes. Nur ein Forstweg führt zu dem Ort, der seit kurzem den Namen „Das Hilla“ trägt. Ein Schatz, den man finden muss, auch wenn die viel befahrene Konrad-Adenauer-Straße keine 1.000 Meter unterhalb entlang führt.

Ganz still und sehr grün ist es hier, ein wenig mystisch und auf jeden Fall wildromantisch. Inmitten eines riesigen, terrassenförmig angelegten Gartens erhebt sich eine Jugendstil-Villa. Am weißen Gartentor warten Selina Lauck und Jennifer Aehlen, deren Uroma als Namensgeberin fungiert. Gemeinsam mit Jennifer Aehlens Mutter Yvonne Janetzky haben die beiden jungen Frauen dem imposanten Gebäude neues Leben eingehaucht. Und sind bereit, die nächsten Kapitel seiner langen Geschichte mit zu schreiben.

Die nahegelegene Braunkohle-Bergwerk „Zeche Marie“ gab dem um 1900 erbauten Haus bei seiner Nutzung als Gaststätte bis in die 1960er Jahre seinen Namen. Anfang der 1980er Jahre zog eine Familie ins Haus und steckte viel Geld und Zeit in den Erhalt des Kulturdenkmals. „Das Gebäude war in einem tadellosen Zustand“, berichtet Jennifer Aehlen anerkennend.

„Das Haus ist ein Teammitglied. Wir wollen, dass es ihm gut geht." (Jennifer Aehlen)

2017 hatte sie gemeinsam mit ihrer Mutter das Gebäude erworben, nachdem die Kinder der Vor-Besitzerin neue Heimaten in anderen Teilen Deutschlands gefunden hatten und sich schweren Herzens von dem Liebhaber-Objekt trennen mussten. Auch die Berlinerin Selina Lauck war sofort dem Zauber des Ortes erlegen, als sie mit ihrem aus Kassel stammenden Freund bei einem Spaziergang zum Bismarckturm das Haus erblickte. „Mein Traum war immer eine Frühstückspension in der Natur“, berichtet sie. Der Euphorie folgte die Enttäuschung: Schon verkauft! Dennoch warf sie einen Zettel mit Kaufabsicht und ihren Kontaktdaten für die neuen Eigentümer in den Briefkasten. „Und dann saßen wir an einem schönen Sommertag hier im Garten und ließen die Ideen fliegen“, erinnert sich Selina Lauck an die überraschende Wendung. „Wir waren sofort schockverliebt“, muss Jennifer Aehlen lachen.

Die Chemie stimmte, das Projekt begann. Aehlen, die wie ihre Mutter Yvonne Janetzky als systemi- scher Coach ausgebildet ist, skizziert die Nutzung als Seminarhaus mit Wohnmöglichkeit für die Teilnehmer. Mit einer ganz besonderen Philosophie: „Uns geht es darum, den Gästen ein ,Zuhause-Gefühl‘ zu vermitteln“, sagt sie. Also rein in die handgefertigten grauen Filzpantoffeln und voller Neugier auf Erkundungstour durchs Haus. Der Nebel hat sich verzogen. Wie versprochen flutet gleißendes Sonnenlicht nun die großen Räume des Erdgeschosses. Designklassiker stehen auf hellen Holzdielen, alte Stücke versprühen Wärme und Authentizität. „Das ist die Seminaretage – oder aber der Wohn- und Essbereich“, erklärt Hausbesitzerin Jennifer Aehlen. Denn: Konzeptionell führten die Coronabedingten Einschränkungen und Lockerungen auf neue Wege. Nun kann man einzelne Zimmer oder die ganze Villa über AirBnB buchen.

„Uns gefällt es, wie es jetzt aussieht. Aber wir mögen es auch, wenn es sich verändert." (Selina Lauck)

Elf Schlafzimmer, alle individuell gestaltet, warten nun auf die Gäste. Bäder gibt es genug, aber längst nicht für jedes Zimmer. Modernste Sanitärtechnik wurde hier behutsam installiert, natürliche Materialien, harmonische Farben und klare Formen bestimmen die Einrichtung, die wunderbar zum alten Haus im Wald passt. Interior-Designerin Selina Lauck hat ein feines Händchen für den skandinavischen Stil. Und das kommt nicht von ungefähr. „Ich habe ein Jahr in Oslo gelebt sowie für einen schwedischen Immobilienmakler das Home-Staging übernommen“, erzählt sie.

Das Ideen-Gerüst für die Gestaltung des Hilla hatten Yvonne Janetzky und Jennifer Aehlen schon errichtet – den Feinschliff übernahm Lauck. Oft per Mail, Chat oder Videoschalte aus Berlin. „Doch schnell habe ich gemerkt: Ich muss nach Kassel , muss in den Räumen stehen und spüren was passt“. Denn bei aller Individualität: „Es muss sich alles zusammenfügen“, sagt Aehlen. Und so flossen Feng-Shui-Philosophien ebenso ins Projekt ein wie leidenschaftliche Handwerkskunst. Mal von lokalen Partnern wie Glasermeister Frank Marth oder Küchen-Schreiner Lukas Dally, mal vom polnischen Handwerkertrupp, der im Haus wohnte. „Uns war wichtig, dass da Menschen sind, die das Haus genauso schätzen wie wir“, beschreibt Jennifer Aehlen den besonderen Spirit der Zusammenarbeit. Und so kam es, dass die Auftraggeberinnen in der Renovierungsphase schon mal einen Kuchen von den Trockenbauern gebacken bekamen. Und beim Abschied die Augen etwas feucht wurden. „Unser Herz hat geblutet“, bekennt Selina Lauck. „Und wir haben gemerkt: Jetzt muss schnell wieder Leben ins Haus.“

 Gerade noch wurden im Souterrain die Möglichkeiten für eine Bewirtung der Gäste im Seminar- oder Herbergs-Betrieb geschaffen. Der mächtige, holzbefeuerte Küchenherd muss natürlich bleiben – wenn auch außer Funktion. Seine gusseiserne Kochfläche wird die vierte im Hilla-Bunde, die Gastronomie-erfahrene Lara Goebel, wohl eher als Anrichte nutzen. „Für sie ist es das Größte, Menschen zu bewirten“, wird sie von ihren Mitstreiterinnen anerkennend charakterisiert. Längst hat sie einen Blick aus der Küchentür über die alte Sandsteinstufe hinweg in den gepachteten Obstbaumgarten geworfen. Hausgemachte Marmelade sollte im Hilla Ehrensache sein. Und der Unterkunfts-Untertitel „Forest Retreat“, also Zufluchtsort im Wald, könnte kaum passender sein.

Rubriklistenbild: © Harry Soremski

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