Einsatzkräfte mit Böllern attackiert, Feiernder verlor Fingerkuppe

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Kassel. Einen arbeitsreichen Jahreswechsel verbrachten Feuerwehr und Rettungsdienst.

Kassel/Landkreis. Die arbeitsreichste Nacht des Jahres liegt hinter der Feuerwehr Kassel. Auch diesen Jahreswechsel waren die Einsatzkräfte der Kasseler Feuerwehr und des Rettungsdienstes pausenlos gefordert. In der Stadt Kassel musste die Feuerwehr zwischen Silvester 18:00 Uhr und Neujahr 7:30 Uhr zu insgesamt 14 Brandeinsätzen ausrücken. Zum Vergleich: Im Durchschnitt rückt die Feuerwehr täglich zu rund 7 Einsätzen aus (innerhalb von 24 Stunden).

In der Mehrzahl galt es brennende Müllbehälter und Kleinbrände zu löschen. Erwähnenswert sind drei Einsätze:

Beim Brand eines großen Papiercontainers (5m x 2,5m x 2,5m) gegen 00:17 Uhr rückte erstmals im neuen Jahr der Löschzug der Feuerwache 1 aus. Der Sammelbehälter stand in unmittelbarer Nähe eines Gebäudes in der Fichtnerstraße. Ein Trupp unter Atemschutz und der Einsatz zweier Strahlrohre mit Schaummittel brachten den Vollbrand schnell unter Kontrolle. Die Einsatzbeamten mussten unter erschwerten Bedingungen arbeiten, da sie immer wieder von Feiernden mit Feuerwerkskörpern attackiert wurden. Erst mit massiver Unterstützung der Polizei konnten die Brandbekämpfung abgeschlossen werden. Im Laufe des Einsatzes verletzen sich zwei Feierende mit Reizgas – beide transportierten Rettungswagen der Berufsfeuerwehr ins Krankenhaus.

Leider stellt diese Situation kein Einzelfall dar: Immer häufiger werden Rettungskräfte im Einsatz angegriffen und zum Teil verletzt. Im Einsatz waren 18 Einsatzkräfte der Feuerwehr.

Gegen 4:16 Uhr erhielt die Leitstelle der Berufsfeuerwehr eine Brandmeldung aus dem Kleingartengelände "Schützenplatz" im Bleichenweg. Hier standen 2 Gartenlauben im Vollbrand. Bei zwei weiteren Lauben gab es eine Brandentstehung im Dachbereich. Die Berufsfeuerwehr Kassel rückte zu dieser Einsatzstelle mit einem Einsatzleitwagen, 1 Löschgruppenfahrzeug, einem Tanklöschfahrzeug und einem Rettungswagen aus. Unterstützt wurden die hauptberuflichen Kräfte durch zwei weitere Löschgruppenfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Kassel-Forstfeld. Insgesamt setze die Feuerwehr 4 C-Rohre und 8 Einsatzkräfte unter Atemschutz ein. Während der Löscharbeiten mussten zwei 11 kg Flüssiggasflaschen aus dem Gefahrenbereich geborgen werden. Nach rund 2,5 Stunden waren die Brände gelöscht und das Gelände auf weitere Brandstellen mittels einer Wärmebildkamera kontrolliert. 28 Einsatzkräfte von Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr waren an dieser Einsatzstelle gebunden. Der Sachschaden wird auf mindestens 30.000 € geschätzt.

Parallel zum Brandeinsatz im Bleichenweg unterstützte die Berufsfeuerwehr die Freiwillige Feuerwehr Oberweser bei einem Bauernhofbrand in Oedelsheim. Hier waren Atemschutzgeräte in größerem Umfang erforderlich. Ein Einsatzleitwagen und der Abrollbehälter-Atemschutz waren zwischen 5:00 Uhr und 9:00 Uhr mit 4 Einsatzkräften im Einsatz. Die Feuerwehren des Landkreises rückten zwischen Silvester 18:00 Uhr und Neujahr 7:30 Uhr zu insgesamt 13 Einsatzstellen aus. Größtes Ereignis war hier der Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens in Oberweser.

Auch der Rettungsdienst in Stadt und Landkreis war in der Silvesternacht stark gefordert. Im Betrachtungszeitraum rückten Rettungswagen zum Teil mit Notarztbegleitung zu insgesamt 183 Einsätzen aus. Neben dem "Tagesgeschäft" gab es eine hohe Anzahl an Einsätzen durch übermäßigen Alkoholkonsum. Durch Feuerwerkskörper verletzen sich 9 Personen (7 Stadt Kassel, 2 Landkreis Kassel) zum Teil schwer. Ein zweieinhalbjähriges Kind zog sich durch einen Böller Brandverletzungen zu und ein Feiernder verlor durch einen Silvesterknaller eine Fingerkuppe.

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