Das Elend der Katzen in Kassel: "Kastration ist wichtig"

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Karsten Plücker, Leiter des Tierheims "Wau-Mau-Insel", kann nicht verstehen, dass die Stadt Kassel bei der Kastrationspflicht nicht handelt.

87 Prozent der Fundkatzen sind unkastriert, dabei schützt eine Kastration vor Krankheiten und unnötiger Vermehrung der Vierbeiner. Eine Registrierungspflicht kann helfen.

Kassel. Immer mehr Katzen in der Stadt leben hilflos und unter schlimmsten Bedingungen auf der Straße. Die steigende Zahl der Streunerkatzen war der Grund dafür, dass die Kasseler Stadtverordneten 2013 eine Kastrations- und Registrierungspflicht beschlossen haben. Ende 2016 hat der zu dem Zeitpunkt amtierende Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) die lange geplante Katzenschutzverordnung gekippt. Hilgen begründete seine Entscheidung damit, dass die Voraussetzungen, zu welchen unter anderem Schmerzen, Leid und Schäden bei freilebenden Katzen gehören, in Kassel nicht gegeben seien und man Bedenken bezüglich der Rechtsmäßigkeit einer solchen Pflicht habe.

Zahlen, die Karsten Plücker, Leiter des Tierheimes Wau-Mau-Insel in Kassel, zur Verfügung gestellt hat, belegen, dass die Anzahl verletzter, erkrankter sowie unkastrierter Katzen seit 2001 angestiegen ist. Die Zahl verletzter und erkrankter Katzen hat sich im Zeitraum von 2001 bis 2012 nahezu verdreifacht. Auch die der unkastrierten Katzen nimmt weiter zu. Kamen 2001 etwa 51 Prozent unkastrierte Fundkatzen in das Tierheim Wau-Mau-Insel, so waren es 2012 schon knapp 87 Prozent.

Kastration schützt vor Krankheiten

„Unkastrierte Katzen und Kater haben ein hohes Risiko, sich mit Krankheiten wie Katzenaids (FIV) und Leukose (FeLV) zu infizieren. Zudem können sie bei Revierkämpfen sehr schwere Verletzungen davontragen”, so Ruth Helwig von CAT-CARE Tierhilfe Kassel. „Eine Kastrationspflicht würde nicht nur das Katzenelend verringen, sondern auch eine Entlastung des Tierheimes darstellen”, meint Plücker.

Die meisten Katzen, die ins Tierheim kommen, bleiben laut Plücker auch dort. Eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht könnte dieses Problem lösen. Katzenbesitzer wären verpflichtet, ihre Freigängerkatzen mittels Chip oder Tätowierung kennzeichnen zu lassen und schließlich beispielsweise im Haustierregister Tasso zu registrieren. Das bietet Tierärzten und Tierheimen die Möglichkeit, die Besitzer einer Katze mithilfe eines Chiplesegerätes ausfindig zu machen.

Kündigung des Fundtiervertrages

Das Tierheim Wau-Mau-Insel hat unterdessen angekündigt, den Fundtiervertrag mit der Stadt Kassel zu kündigen, wenn es zu keiner Kastrations- und Registrierungspflicht kommen sollte. „Ich habe mehrfach mündlich angekündigt, dass wir den Vertrag kündigen und keine Fundtiere mehr aufnehmen. Das ist die einzige Chance, was zu erreichen”, sagt Karsten Plücker. „Wenn wir das nicht erreichen, kann die Stadt die Probleme aus nächster Nähe sehen.”

Wie die Stadt darauf reagieren wird, könnte sich in den nächsten Monaten zeigen.

Das sagt Tierarzt Bernd Korthaus zur Debatte

Tierarzt Bernd Korthaus appelliert an Katzenbesitzer, ihre Tiere kastrieren zu lassen.

Als Veterinärmediziner weiß Bernd Korthaus, wie wichtig sowohl eine Kastration als auch eine Registrierung für Katzen ist. Eine Kastration kann Katzen vor diversen Krankheiten schützen. „Zudem wäre eine Kastrationspflicht auch wichtig, da es viele freilebende Katzen gibt, die irgendwann im Tierheim landen. Da Gemeinden meist einen Vertrag mit Tierheimen haben, kostet es auch der Gemeinde Geld, wenn eine Katze als Fundtier ins Tierheim gebracht wird”, so Korthaus. Durch die Registrierung der Katze kann diese ihren Haltern zugeordnet und zusätzlich nachvollzogen werden, ob eine Katze bereits kastriert ist. „Heutzutage ist nach einer Kastration bei Katzen eine kleine oder keine Narbe zu sehen. Durch die Registrierung würde der Katze ein unnötiger Eingriff erspart bleiben”, meint der Experte. Laut Korthaus gibt es Besitzer, die seinem Appell Folge leisten: „Aber das trifft meistens auf die zu, die ihre Katzen ausschließlich zu Hause halten. Katzen ohne Besitzer sind das Problem. Für die will niemand aufkommen, selbst wenn man sie füttert”, meint Korthaus.

Solange es in Kassel keine Kastrations- und Registrierungspflicht gibt, sieht sich Bernd Korthaus als Tierarzt in der Pflicht, weiter an die Vernunft der Katzenhalter zu appellieren.

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