Emotionen der Songs vermitteln: Wie Musik für Gehörslose beim Kultursommer Nordhessen übersetzt wird

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Luise Badstübner übersetzt Aretha Franklins Song „Respect“.

Viele Gehörlose können mit Musik erst einmal nichts anfangen, denn leider werden Konzerte oder Lieder selten für sie erlebbar gemacht - das soll sich nun ändern.

Kassel. „Musik in die Gebärdensprache zu übersetzen ist sehr zeitintensiv – lohnt sich aber, um Gehörlosen den Zugang zur Musik zu ermöglichen“, sagt Gebärdensprachdolmetscherin Luise Badstübner im Hinblick auf die Konzerte des Kultursommers, die erstmalig für Gehörlose übersetzt werden.

„Viele Gehörlose können mit Musik erst einmal nichts anfangen, denn leider werden Konzerte oder Lieder selten für sie erlebbar gemacht. Sind die Gebärdendolmetscher nicht gut, kann es den Gehörlosen sonst auch schnell langweilig werden“, berichtet die 23-jährige Kasselerin, die während ihres Studiums im Zwickauer Gebärdenchor „gesungen“ hat.

„Wenn der Dolmetscher eines Konzertes aber gut ist, bekommen auch die Gehörlosen Gänsehaut und fühlen die Emotionen des Songs. Daher übersetzen wir Gebärdendolmetscher nicht nur den reinen Text, sondern versuchen auch die Emotionen des Liedes zu transportieren. Man muss schon musisch sein und Spaß daran haben“, so Badstübner, deren Kollegen des Gebärdensprachedolmetscherteams Schwabeland die Kultursommer-Konzerte übersetzen. Werden Konzerte für Gehörlose übersetzt, bereiten sich die Gebärdensprachdolmetscher sehr intensiv darauf vor, lernen die Texte auswendig und studieren sie ein. Sie stehen dann auf oder gut sichtbar neben der Bühne und übersetzen simultan die gespielten Songs.

„Der Beruf des Gebärdensprachdolmetschers ist ein vielseitiger Beruf, denn jeden Tag hat man andere Aufgaben. Mal begleiten wir Gehörlose bei Arztbesuchen oder im Joballtag, wenn beispielsweise Betriebsversammlungen stattfinden. Überall, wo Kommunikation herrscht, können wir unterstützen.“

Geschäftsführerin Maren Matthes über die I-Kultur

Kultursommer-Geschäftsführerin Maren Matthes erklärt, was sich hinter der I-Kultur des Kultursommers verbirgt: „Der Kultursommer Nordhessen hat in diesem Jahr eine neue Reihe entwickelt: die I-Kultur. In dieser Reihe geht es darum, Inklusion in der Freizeit einfacher zu machen und neue Angebote zu schaffen.“

Wie wird die I-Kultur während des Kultursommers aussehen? Die I-Kultur hat in dieser Saison zehn Projekte. Drei Theaterstücke, die in Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen gastieren, aber genauso öffentlich beworben werden wie unsere anderen Konzerte.

Drei Familienkonzerte sowie drei Waldkonzerte, zu denen wir gezielt Menschen mit geistiger, seelischer oder körperlicher Behinderung eingeladen haben. Und eben die „Winterreise für Kinder“, ein Schulprojekt in Zusammenarbeit mit zwei Homberger Schulen: der Osterberg-Schule, eine Regelgrundschule und der Hermann-Schafft-Schule mit dem Förderschwerpunkt Hören und Sehen. Für dieses Projekt haben wir erstmalig im Sinne der Barrierefreiheit Gebärdendolmetscher eingesetzt, die nicht nur Sprache sondern auch Musik übersetzen werden, um den Kindern den ganzen Zauber dieses romantischen Liederzyklus von Franz Schubert nahezubringen.

Werden solche Veranstaltungen zukünftig öfter angeboten? Die Reihe I-Kultur wird in der kommenden Saison fortgesetzt werden und sicher wird es auch da wieder Projekte geben, für die Gebärdendolmetscher eingesetzt werden. Konkrete Pläne gibt es zur Zeit allerdings noch nicht.“

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