Ende für die Ruhestätte? Pächter suchen 
Nachfolger für den Tierfriedhof in Niederzwehren

Uwe Siebert und Edeltraud Wanke-Siebert auf dem Tierfriedhof in NIederzwehren. Seit fast 20 Jahren kümmern sie sich um das 2.000 Quadratmeter große Geländer, wo Tierhalter ihre Lieblinge beerdigen und trauern können. Nun können sie aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit nicht mehr leisten.
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Uwe Siebert und Edeltraud Wanke-Siebert auf dem Tierfriedhof in NIederzwehren. Seit fast 20 Jahren kümmern sie sich um das 2.000 Quadratmeter große Geländer, wo Tierhalter ihre Lieblinge beerdigen und trauern können. Nun können sie aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit nicht mehr leisten.

Muss der Tierfriedhof in Kassel-Niederzwehren schließen und verschwinden somit auch die Gräber geliebter Haustiere?

Kassel. „Für ein taubstummes Mädchen haben wir auch schon eine kleine Maus beerdigt. Sie kam noch oft und legte Blümchen auf das kleine Grab,“ erzählen Uwe Siebert und seine Frau Edeltraud Wanke-Siebert, die seit fast 20 Jahren den Tierfriedhof Kassel in Niederzwehren betreiben. Doch nun sieht es düster aus für die Ruhestätte für Kasseler Haustiere.

„Wir schaffen es einfach nicht mehr gesundheitlich – und es tut uns in der Seele weh, wenn wir daran denken, dass hier vielleicht alles plattgemacht wird“, erzählt Edeltraut Wanke-Siebert ergriffen. Sie hat den Friedhof hauptberuflich betrieben, jahrelang verstorbene Tiere von Tierärzten oder Besitzern abgeholt, die Beerdigungen vorbereitet und so rund 400 Haustieren ein würdiges Ende bereitet. „Schon seit eineinhalb Jahren nehmen wir keine Anfragen mehr an, denn je nach Größe des Tieres verbleiben sie bis zu fünf Jahren auf dem Friedhof. Doch mein Mann und ich schaffen die Arbeit jetzt kaum mehr. Hecke schneiden, Rasen mähen, pflegen, hegen – früher noch die Fahrten zu Besitzern, Tierärzten, Krematorien, das Ausheben der Löcher, die Bestattungen...“, zählt die 70-Jährige die Aufgaben auf. „Auch heute noch erhalten wir viele Anrufe von Tierhaltern, die ihren Liebling bei uns beisetzen wollen.“

Vom Hamster über Papageien bis zum 75 Kilo schweren Hund liegen am Ende der Brüder-Grimm-Straße Haustiere begraben – teils sehr regelmäßig kommen die Besitzer, um sich um die kleinen Gräber zu kümmern. „Wir verbinden sehr viele schöne und emotionale Erlebnis mit diesem Ort. Wie liebevoll die Besitzer ihre Tiere in der Kuscheldecke beisetzen oder wie oft sie hierherkommen, um zu trauern. Teilweise wird aber auch gemeinsam Kaffee getrunken, man tauscht sich aus. Es gibt sogar Familiengräber, wo mehrere Haustiere nacheinander beerdigt wurden.“ 95 Euro pro Jahr kostet eine Grabstelle für die ersten drei bis fünf Jahre, will man das Grab verlängern kostet es pro Jahr 65 Euro. So gibt es einige Gräber, die schon seit Beginn des Friedhofes bestehen. Ein Blindenhund, der leider sehr früh verstarb, liegt beispielsweise schon seit fast 20 Jahren in Niederzwehren begraben.

Dem Ehepaar Wanke-Siebert fällt der Abschied vom Friedhof sehr schwer. Während des Gesprächs werden Geschichten von früher erzählt. Wie neidisch die Nachbarn des angrenzenden Kleingartenvereins auf den grünen Rasen des Friedhofs waren, da dieser in den 70iger Jahren Kompostierplatz der Kasseler Parks war und gute Erde bot. Oder wie man zu Beginn noch nach Krematorien suchen und bis nach Peckelsheim fahren musste. Mittlerweile ist es einfacher und viele größere Städte haben Tierfriedhöfe. Edeltraud Wanke-Siebert und Uwe Siebert waren mit ihrer Ruhestätte in Kassel damals mit die ersten.

Sie finden es traurig, dass die Stadt kein Interesse daran hat, den Friedhof aufrecht zu erhalten. Sie haben schon überlegt, ob man nicht einen Verein gründen könnte, um die Aufgabe auf mehrere Mitglieder zu verteilen. So würde die Arbeit statt auf der Schulter von Uwe Siebert auf mehreren verteilt. „Wir würden uns sehr wünschen, dass wir einen neuen Pächter oder eine Lösung finden.“

Denn die Nachfrage ist nach wie vor vorhanden, das Pächter-Ehepaar sagt aber auch „Millionär wird man nicht.“ Übernehmen könnte den Friedhof im Prinzip jeder; man müsse sich nur an die Vorschriften des Veterinär- und Gartenamtes halten und Freude an der Gartenarbeit im Freien haben.

Bis die letzten Gräber auslaufen, wird sich das Ehepaar noch so gut sie es schaffen um ‚ihren‘ Tierfriedhof kümmern, hoffen aber weiterhin, dass sie einen Nachfolger finden – „damit auch weiterhin Haustiere eine würdige Ruhestätte finden und ihre Besitzer einen Ort zum Trauern haben“.

EXTRA INFO: Das sagt die Stadt – Hintergrund Tierfriedhöfe

Von Seiten der Stadt Kassel heißt es, dass es natürlich wünschenswert sei, wenn der Tierfriedhof erhalten bleibt und weitergeführt würde. Die Stadt selbst kann dies nicht leisten, würde es aber begrüßen, wenn neue Pächter gefunden würden, mit denen man den Pachtvertrag des Tierfriedhofes verlängern und die Ruhestätte erhalten könnte.

Hintergrund

In Deutschland wächst die Zahl der Tierfriedhöfe beständig auf mittlerweile über 35 Stück – allein in Berlin gibt es drei an der Zahl. Das liegt vor allem daran, dass Haustiere (vorallem Hunde und Katzen) mittlerweile als Familienmitglieder angesehen werden. (Quelle: www.animals-digital.de/)

Auf dem Tierfriedhof in Kassel konnten Tiere im Sarg oder auch in der Kuscheldecke beerdigt werden. Ebenso war es möglich Urnen zu bestatten oder Asche während einer Rasenbestattung zu verstreuen.

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