Enkelin allein in Afrika: Trotz Gerichtsbeschluss muss Kasseler Ehepaar um ihre Einreise kämpfen

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Elizabeth David und Klaus Moser kämpfen verzweifelt um ihre Enkelin Tessanne. Trotz eines Gerichtsbeschlusses kann die Kleine nicht nach Deutschland einreisen.

Kassel/Mombasa. Seit einem halben Jahr ist das Leben von Klaus Moser und Elizabeth David auf den Kopf gestellt. Denn seitdem kämpfen die beiden um die Einreise der vierjährigen Enkelin Tessanne. In seiner Verzweiflung wendete sich Klaus Moser an unsere Redaktion und schildert die dramatische Geschichte: „Am 31. August 2018 verstarb die in Mombasa (Kenya) wohnende Tochter meiner Frau im Alter von nur 24 Jahren an Magenkrebs und hinterließ ihre vier Jahre alte Tochter. Meine Frau Elizabeth flog Anfang September nach Mombasa, um an der Beisetzung teilzunehmen und um sich um den Nachzug der Enkelin zu kümmern.“

Doch einfach soll es nicht werden. Bereits bei ihrem letzten Besuch im Mai 2018 haben Mutter und Tochter beim Vormundschaftsgericht in Mombasa den Verbleib von Tessanne geklärt. Mit Gerichtsbeschluss wurde im Juli bestätigt, dass die Enkelin bei Elizabeth David verbleiben soll. Die Deutsche Botschaft in Nairobi erklärte nach der Beerdigung jedoch, dass für die Reise nach Deutschland bei Antragsstellung eine Reiseversicherung und eine Verpflichtungserklärung (Mit einer Verpflichtungserklärung kann nachgewiesen werden, dass ausreichende Mittel für die Dauer des beabsichtigten Aufenthalts als auch für die Rückreise vorhanden sind. Anm.d.Red.) der Ausländerbehörde in Deutschland notwendig seien.

Per Vollmacht will Klaus Moser diese bei der hiesigen Ausländerbehörde beantragen, wird jedoch kurz und knapp abgewiesen – seine Frau müsse persönlich kommen, er sei nicht der leibliche Opa. Doch die Enkelin kann nicht alleine in Afrika bleiben. Verwandte gibt es nicht, die sich kümmern könnten, also bleibt Oma Elizabeth bei ihr und versucht, dort mit den Behörden zu verhandeln. Indes schreibt der 52-Jährige Mail um Mail, telefoniert mit den Behörden, Ministerien, versucht Auskünfte zu erwirken, was die richtige und vor allem schnellste Vorgehensweise wäre, um beide zurück nach Deutschland holen zu können. Antworten erhält er weder von der Deutschen Botschaft noch von anderen Stellen.

Keine Hilfe von Seiten der offiziellen Stellen

Doch dabei bleibt es nicht. Aufgrund ihrer langen Abwesenheit verliert Elizabeth ihren Nebenjob, mit dem sie ihre Grundsicherung aufstockt. Auch Klaus Moser ist aufgrund eines schweren Rückenleidens arbeitsunfähig und auf das Amt angewiesen. Laut Ausländerbehörde ist es aufgrund der Arbeitslosigkeit nun nicht mehr möglich, eine Verpflichtungserklärung für die 45-Jährige auszuschreiben – und auch das Jobcenter handelt nun.

Aufgrund der Ortsabwesenheit der Frau wird die Grundsicherheit von Moser neu berechnet, mit dem Ergebnis: Die Wohnung ist für einen allein zu groß, die Hälfte der Mietförderung wird gestrichen. Mit Abzügen bleiben ihm seit vergangenem Herbst ungefähr 100 Euro zum leben, die Hälfte davon überweist er nach Afrika, damit seine Frau dort bei der Enkelin sein kann. Seit vergangener Woche ist Elizabeth David wieder in Kassel – ohne ihre Enkelin. Fast sechs Monate war sie dort, musste nun ausreisen. Tessanne ist derweil bei einem Kindermädchen. Dafür zahlen die Kasseler Großeltern 60 Euro im Monat, hinzu kommen Schul- und Essensgeld der Enkelin. „Wir haben unser letztes Geld für die Reisen meiner Frau verwendet, haben dabei alle notwendigen Papiere hier liegen, es hakt einzig und allein an dieser Erklärung. Und dennoch kann uns niemand helfen.“

Die Ausländerbehörde verweigert auch bei einem erneuten gemeinsamen Termin die Verpflichtungserklärung. Begründung: zu wenig Einkommen. „Wir sollen jetzt eine Privatperson oder Verwandten finden, der die Verantwortung übernimmt, um die Kleine erst einmal hier her zu holen. Wir hätten ja „nur“ eine Betreuerschaft und keine Adoption“, so Moser verzweifelt. Das Ehepaar tut weiterhin alles, um die kleine Tessanne schnellstmöglich nach Kassel holen zu können. Anfang März wird sie fünf Jahre alt.

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