Erst der Test, dann in die Firma - Laut Regierung sollen Schnelltests Pflicht werden

Michael Arenth und seine 29 Mitarbeiter konnten sich vor der kleinen Firmenfeier zum 10-jährigen Übernahmejubiläum testen lassen. Alle waren negativ und konnten so guten Gewissens bei Bratwurst und Nudelsalat – dennoch auf Abstand – feiern. 
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Michael Arenth und seine 29 Mitarbeiter konnten sich vor der kleinen Firmenfeier zum 10-jährigen Übernahmejubiläum testen lassen. Alle waren negativ und konnten so guten Gewissens bei Bratwurst und Nudelsalat – dennoch auf Abstand – feiern. 

Laut Bundesregierung sollen die Testungen von Arbeitnehmern Pflicht werden. Die Testungen getestet hat Firmenchef Michael Arenth zum Jubiläum seiner Firmenübernahme.

Kassel. In 15 Minuten ist das Zelt aufgebaut – und es kann los gehen mit den Schnelltestungen. Denn zum 10-jährigen Übernahmejubiläum der Firma Schuchardt wollte Chef Michael Arenth seinen Mitarbeitern auch in Pandemie-Zeiten eine kleine Feier ermöglichen. Aber wie? Um noch mehr Sicherheit zu bieten organisierte Arenth das Testmobil von Thomas Fredrich, der normalerweise mit seinen Stadtrundfahrten im Doppeldeckerbus unterwegs ist. Doch seit November sind diese nicht mehr möglich. Fredrich, seine Frau und die Tochter haben sich in Zusammenarbeit mit der Victoria-Apotheke aus dem Kasseler Norden weitergebildet und bieten nun Corona-Antigen-Schnelltests für Kommunen, Firmen und Privatpersonen an – und das eben auch mobil im Testmobil. „Wir sind heilfroh, dass wir wieder arbeiten können“, so Fredrich.

Thomas Fredrich testet Firmen-Inhaber Michael Arenth. Nachdem alle Mitarbeiter negativ getestet waren, konnte die kleine Jubiläumsfeier beginnen.

Bevor also Bratwürstchen und Nudelsalat in der Firmenhalle genossen werden konnten, durften sich die Mitarbeiter testen lassen. Während die Kohlen auf dem Grill durchglühten, konnten sich alle Kollegen testen lassen. Das Ergebnis: alle negativ.

„Heute wollte ich meinen Mitarbeitern etwas besonderes bieten und trotz des ganzen Pandemiegeschehens ein Dankeschön in Form eines gemütlichen Zusammenseins ermöglichen. Wir hatten so ein schweres Jahr und es ist schön, wenn wir jetzt ein bisschen unbeschwert verweilen können“, so Arenth, der die Firma vor 10 Jahren mit 15 Mitarbeitern im Altersdurchschnitt von knapp 55 Jahren übernahm und nun mit 29 Mitarbeitern und einem Altersdurchschnitt von 37 Jahren ‚eine gute Truppe‘ um sich herum hat.

„Wir konnten und können in den Hallen gut auf Abstand arbeiten, die Mitarbeiter tragen natürlich dennoch Maske und trotz der Herausforderungen mussten wir uns von keinem trennen. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Wenn es nach ihm ginge, würde er es seinen Mitarbeitern jede Woche ermöglichen, dass sie sich testen lassen können. Doch „das ist natürlich auch mit Kosten verbunden. Wie sollen kleine oder mittelständische Firmen diese zusätzlichen Kosten stemmen – auch wenn es sich die Regierung wünscht?“, fragt sich Arenth. Denn für den mobilen Test fallen pro Mitarbeiter Kosten von 20 Euro an. Diese sollen ab nächster Woche Pflicht werden. (nfe)

Bundesregierung: Arbeitgeber müssen Beschäftigten Corona-Tests anbieten

Region. Arbeitgeber müssen ihren Beschäftigten künftig Corona-Tests anbieten. Die Bundesregierung verlängert die Corona-Arbeitsschutzverordnung bis zum 30. Juni 2021 und ergänzt sie um eine entsprechende Verpflichtung.

Die Bundesregierung erklärt: „Nicht alle Beschäftigten können im Homeoffice arbeiten. Arbeitsplatz und Arbeitsweg stellen für sie ein erhöhtes Infektionsrisiko dar. Hier können Tests im Unternehmen helfen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und weitere Ansteckungen zu vermeiden. Arbeitgeber sind zukünftig verpflichtet, ihren Angestellten Corona-Tests anzubieten.“

Die bisherigen freiwilligen Testanstrengungen vieler Arbeitgeber seien hoch anzuerkennen. Mit einer Änderung der Arbeitsschutzverordnung werden Arbeitgeber nun jedoch verpflichtet, ihren Beschäftigten, die nicht im Homeoffice arbeiten können, einmal pro Woche einen Corona-Test anzubieten. Beschäftigtengruppen mit erhöhtem Infektionsrisiko sollen zweimal pro Woche ein Testangebot erhalten. Die Testungen seien eine notwendige Ergänzung zum betrieblichen Infektionsschutz und bieten den Beschäftigten zusätzliche Sicherheit. „So können wir Infektionsketten verhindern, Gesundheit schützen und letztlich Betriebsschließungen vermeiden. Diese neue Pflicht ist nötig geworden, damit wirklich alle Beschäftigten im Betrieb ein Testangebot erhalten“, erklärte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. Die Änderungen erfolgen per Verordnung und treten voraussichtlich Mitte kommender Woche in Kraft.

Die Kosten für die Tests tragen die Arbeitgeber. Arbeitnehmer werden nicht verpflichtet, das Testangebot anzunehmen. Ebenso wenig ist eine Bescheinigungspflicht über das Testergebnis vorgesehen.

Wichtig ist jedoch, dass die bisher geltenden Maßnahmen weiter bestehen:
– Begrenzung der Beschäftigtenzahl in geschlossenen Arbeits- und Pausenräumen,
– Homeoffice, wenn keine betrieblichen Gründe entgegenstehen,
– Bildung von festen betrieblichen Arbeitsgruppen,
– das Tragen von Mund-Nasen-Schutz bei unvermeidbarem Kontakt und
– die Erstellung und Umsetzung von betrieblichen Hygienekonzepten.

Die hessische Wirtschaft lehnt den Entwurf des Bundeskabinetts ab, der die Unternehmen verpflichtet, Corona-Tests in den Betrieben anzubieten.

Vielstimmige Proteste gegen die Regelung

VhU-Geschäftsführer Jürgen Kümpel: „Mit der Verpflichtung der Unternehmen, ihre Beschäftigten zu testen, verschärft die Bundesregierung, ihre Kampfansage an die Wirtschaft. Die Wirtschaft hat umfangreiche Hygienekonzepte verwirklicht, die Arbeitsschutzstandards systematisch pandemiesicher gemacht, Arbeit im Homeoffice ermöglicht und unterbreitet in steigendem Maße den eigenen Beschäftigten Testangebote. Die Arbeitsplätze sind deshalb sichere Orte, weil die Unternehmen dies in eigenem Interesse und freiwillig tun.“ Wenn der Bund eine Pflicht einführe, müsse staatlicherseits wenigstens dafür Sorge getragen werden, dass Testmaterial in ausreichendem Maß den Unternehmen für die Dauer der Verpflichtung kostenfrei zur Verfügung gestellt werde. Letzteres sieht der Entwurf nicht vor. Stattdessen sollen die Unternehmen in fünf Tagen nach Inkrafttreten die Beschaffung durch Bestellung nachweisen, ohne dass es gesicherte Beschaffungsvolumen gibt. All dies ohne Verpflichtung der Beschäftigten, das Testangebot anzunehmen, sodass den Unternehmen erhebliche Kosten völlig ineffizient auferlegt werden sollen. „Aus Sicht der hessischen Wirtschaft wäre es besser, die ganze Kraft auf schnelles und in der Breite greifendes Impfen zu setzen“, so Kümpel abschließend.

„Wer eine solche Testangebotspflicht erlässt, muss dann auch sicherstellen, dass ausreichend Tests auf dem Markt verfügbar sind. Zudem dürfen die in vielen Fällen der Insolvenz nahestehenden Nicht-Lebensmittelhändler nicht auf den Kosten sitzen bleiben“, so Sven Rohde Hauptgeschäftsführer Handelsverband Hessen. „Wenn das Testen eine Pflicht wird, dann muss es auf jeden Fall mitfinanziert werden. Es kann nicht sein, dass der gebeutelte Handel jetzt noch zusätzlich mit Kosten belegt wird“, so Jochen Ruths, Präsident des Handelsverbandes Hessen. Es darf keine zusätzlichen Belastungen für die, vielerorts in akuter Existenznot befindlichen, Handelsunternehmen geben.

Jörg Ludwig Jordan, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg, wies schon während der Diskussion um eine Testpflicht für Unternehmen darauf hin, dass diese nicht nötig sei und verzichtbare Bürokratie schaffe: „In unserem IHK-Bezirk testen bereits zahlreiche Unternehmen ihre Mitarbeiter regelmäßig auf Covid-19, obwohl es oftmals zu Beschaffungsschwierigkeiten bei den Selbsttests kommt. Es ist im ureigenen Interesse der Unternehmen, Gesundheitsschutz zu gewährleisten.“

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