Die erste autofreie Einkaufszone Deutschlands feiert Jubiläum: Treppenstraße wird 65

So sah es früher aus: Unser Postkartenmotiv stammt aus den 50er Jahren.
1 von 6
So sah es früher aus: Unser Postkartenmotiv stammt aus den 50er Jahren.
Der Blick in den unteren Teil der Treppenstraße in Kassel.
2 von 6
Der Blick in den unteren Teil der Treppenstraße in Kassel.
Hasan (Pizza Bologna): „Für mich ist die Treppenstraße ideal, weil hier Laufkundschaft vorbeikommt und ich eine schöne Fläche für meine Außenbestuhlung habe. Als ich vor acht Jahren in die ehemaligen Räumlichkeiten vom Stairs gezogen bin, herrschte hier viel Leerstand. Ein Nachteil der Einkaufszone: Die Leute können nicht direkt bei mir parken.“
3 von 6
Hasan (Pizza Bologna): „Für mich ist die Treppenstraße ideal, weil hier Laufkundschaft vorbeikommt und ich eine schöne Fläche für meine Außenbestuhlung habe. Als ich vor acht Jahren in die ehemaligen Räumlichkeiten vom Stairs gezogen bin, herrschte hier viel Leerstand. Ein Nachteil der Einkaufszone: Die Leute können nicht direkt bei mir parken.“
Jens Walther (Titus Kassel): „Die Einkaufszone ist wirklich eine schöne Location. Allerdings wissen das gerade viele junge Leute nicht mehr zu schätzen. Die kaufen lieber online oder flanieren auf der Königsstraße. Deshalb muss man das junge Publikum wieder für die älteste Einkaufszone begeistern. Die vielen neuen kleinen Läden tragen ja schon dazu bei. Es könnte aber noch belebter werden. Ein Hauch vom Flair, wie er im Vorderen Westen herrscht, fehlt hier noch etwas.“
4 von 6
Jens Walther (Titus Kassel): „Die Einkaufszone ist wirklich eine schöne Location. Allerdings wissen das gerade viele junge Leute nicht mehr zu schätzen. Die kaufen lieber online oder flanieren auf der Königsstraße. Deshalb muss man das junge Publikum wieder für die älteste Einkaufszone begeistern. Die vielen neuen kleinen Läden tragen ja schon dazu bei. Es könnte aber noch belebter werden. Ein Hauch vom Flair, wie er im Vorderen Westen herrscht, fehlt hier noch etwas.“
Detlef Giebeler (First Reisebüro): „Seit 2005 habe ich hier mit meinem Geschäftspartner die Räumlichkeiten bezogen. Die vielen kleinen Läden befruchten sich gut untereinander. Aber etwas mehr Laufkundschaft könnte hier allerdings noch sein. Viele Läden sind ja schon lange hier, locken Stammpublikum an, bei einigen Ladengeschäften herrscht aber große Fluktuation. Und einige Läden stehen leer wie beispielsweise die ehemaligen Räumlichkeiten von Reno und Sportarena. Da ist noch Luft nach oben. In der Wilhelmsstraße klappt das beispielsweise schon besser.“
5 von 6
Detlef Giebeler (First Reisebüro): „Seit 2005 habe ich hier mit meinem Geschäftspartner die Räumlichkeiten bezogen. Die vielen kleinen Läden befruchten sich gut untereinander. Aber etwas mehr Laufkundschaft könnte hier allerdings noch sein. Viele Läden sind ja schon lange hier, locken Stammpublikum an, bei einigen Ladengeschäften herrscht aber große Fluktuation. Und einige Läden stehen leer wie beispielsweise die ehemaligen Räumlichkeiten von Reno und Sportarena. Da ist noch Luft nach oben. In der Wilhelmsstraße klappt das beispielsweise schon besser.“
Sarah Görgen (Stadtcafé/Beauty Salon Fräulein Rosa): „Für mich ist die Treppenstraße ein schöner Standort. Deshalb bin ich hier auch doppelt vertreten. Im Café bin ich schon seit 15 Jahren, den Beauty Salon habe ich Anfang des Jahres eröffnet. Für mich passt die Lage gut.“
6 von 6
Sarah Görgen (Stadtcafé/Beauty Salon Fräulein Rosa): „Für mich ist die Treppenstraße ein schöner Standort. Deshalb bin ich hier auch doppelt vertreten. Im Café bin ich schon seit 15 Jahren, den Beauty Salon habe ich Anfang des Jahres eröffnet. Für mich passt die Lage gut.“

Sie war die erste ihrer Art, heute grenzt sie an die Toplage der Stadt. Wir fragten bei Geschäftsleuten nach, ob die Einkaufszone noch zukunftsfähig ist

Kassel. Sie war die erste ihrer Art, heute grenzt sie an die Toplage der Stadt – die Treppenstraße in Kassel ist Deutschlands älteste Fußgängerzone. Am 9. November wird sie 65 Jahre alt. Andreas Grüß, Geschäftsführer von Lührmann Immobilien in Osnabrück, kennt sich in der Einzelhandelslandschaft von Kassel aus, so schätzt er die gegenwärtige Lage der Straße ein:

Lageverschiebung

„Die Treppenstraße war einst der Anlaufpunkt vieler regionaler Einzelhändler, heute ist die Nachfrage nach Ladenlokalen hier eher mäßig.“ Die Obere Königsstraße, in dem Bereich zwischen Müller Drogerie und Galeria Kaufhof, sei heute die Toplage, die sogenannte 1A-Lage der Stadt. Diese Lageverschiebung sei unter anderem mit der charakteristischen Treppe als eine Art Hindernis und den nicht marktgerechten Ladenlokalen zu begründen. Der Einzelhandelsstandort Kassel hat in den vergangenen Jahren aber allgemein an Attraktivität für nationale und internationale Filialisten gewonnen. Fußgängerzone im Wandel

Eingeweiht wurde die erste offizielle Fußgängerzone 1953. Erst 14 Jahre später, im Jahr 1967, folgte in Oldenburg ein Areal, das mehrere Straßen umfasste, die für den Autoverkehr nicht zugelassen waren. Die Fußgängerzonen entwickelten sich von reinen Einkaufsmöglichkeiten zu einem Aufenthaltsort für die Bürger und Besucher. Vor 65 Jahren waren es überwiegend lokale und regionale Unternehmen, die in den Städten ihre Waren und Dienstleistungen angeboten haben. Heute sind nur noch vereinzelt inhabergeführte Geschäfte in Mittel- und Großstädten zu finden – dafür umso mehr nationale und internationale Filialisten. Diese Entwicklung ist keineswegs eine neue: Bereits in den 1980er Jahren begann die „Deichmannisierung“, wie die zunehmende Filialisierung in der Branche genannt wird. Mit steigender nationaler und internationaler Expansion haben sich auch die Anforderungen an Größe und Ausstattung der Ladenlokale gewandelt: In Kassel besteht laut Grüß die größte Nachfrage nach Ladenlokalen zwischen etwa 100 bis 350 Quadratmeter. „Für die Mieter wird es zunehmend unumgänglicher, dass die Flächen ohne Treppen zu erreichen sind, idealerweise keine Säulen die Fläche verstellen und Deckenhöhen von 3,50 bis vier Meter vorhanden sind. Am beliebtesten sind Ladenlokale, die ein gutes Verhältnis von Front und Fläche aufweisen, der klassische Schuhkarton“, so Grüß.

65 Jahre nach ihrer Entstehung scheint die Fußgängerzone mancherorts in Rente geschickt zu werden: viele Leerstände, sinkende Mieten und wenig Frequenz sind auf der einen Seite zu buchen. Betreibt man Ursachenforschung werden schnell Stimmen laut, die dem E-Commerce die Schuld geben, oder auch der demografischen Entwicklung. Auf der anderen Seiten gibt es Innenstädte und Fußgängerzonen, die geradezu aufblühen: „Städte mit einem charmanten und individuellen Profil bieten eine hohe Aufenthaltsqualität und haben gute Zukunftsperspektiven“, weiß Grüß zu berichten. So nennt er als Beispiel das touristisch geprägte Flensburg.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Kassel: Unbekannter bedrängt und begrapscht Frau in Mittelgasse - Polizei sucht Zeugen

Am gestrigen Montagabend begrapschte ein Mann eine 21-jährige Frau am Oberkörper. Der Unbekannte habe versucht, sie in einen Innenhof zu ziehen. Die Polizei sucht Zeugen.
Kassel: Unbekannter bedrängt und begrapscht Frau in Mittelgasse - Polizei sucht Zeugen

Kassel: Bei Einbruch in öffentliche Jugendeinrichtung Elektronikgeräte geklaut - Zeugen gesucht

In der Nacht zum heutigen Dienstag brachen bislang unbekannte Täter in die Räumlichkeiten einer öffentlichen Jugendeinrichtung ein und entwendeten dabei diverse …
Kassel: Bei Einbruch in öffentliche Jugendeinrichtung Elektronikgeräte geklaut - Zeugen gesucht

Kassel: Mann mit Messer bei körperlichem Gerangel verletzt - Tatverdächtiger festgenommen

Am Montagnachmittag kam es in Kassel zu einer körperlichen Auseinandersetzung, dabei wurde ein 48-jähriger Zeuge mit einem Messer verletzt.
Kassel: Mann mit Messer bei körperlichem Gerangel verletzt - Tatverdächtiger festgenommen

A7: Unfall mit zwei verletzten Motorradfahrern - Rettungshubschrauber im Einsatz - 20.000 Euro Schaden

Am Montagnachmittag kam es auf der Autobahn 7 zu einem Unfall. Dabei verletzten sich zwei Motorradfahrer aus Dänemark. Ein Motorrad hat einen Totalschaden.
A7: Unfall mit zwei verletzten Motorradfahrern - Rettungshubschrauber im Einsatz - 20.000 Euro Schaden

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.