Ex-Fußballprofi Habedank aus Kassel im Urlaub infiziert: "Ich zeige Ischgl an"

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Es sollte so ein schöner Ski-Urlaub weden, doch dann infizierte sich Uwe Habedank in Ischgl mit Corona und war schwerkrank. Jetzt ist er wieder fit.

Es sollte ein toller Skiurlaub werden. Ein unvergesslicher! Und das wurde er, doch ganz anders, als der ehemalige Bundesliga-Star des KSV Hessen Kassel Uwe Habedank und seine Freunde sich hatten erträumen können. Krank kam er aus Ischgl zurück. In Kassel wurde er getestet. Ergebnis Corona.

Kassel. Habedanks Frau schildert , was sie durchleiden mussten. „Als direkt Betroffene ist es uns ein großes Anliegen, die Leser Ihrer Zeitung an unseren Erfahrungen teilhaben zu lassen, da sich das von uns Erlebte doch erheblich von dem unterscheidet, was an Informationen in der Öffentlichkeit bezüglich des deutschen Gesundheitssystems lanciert wird. Mein Mann ist einer jener infizierten und erkrankten Rückkehrer aus dem Skiurlaub in Österreich. Als er am 13.03. in Kassel ankam, zeigten sich bereits sehr starke Symptome von Covid-19. Bereits auf der Heimfahrt hatte er vergeblich versucht, telefonisch einen Testtermin zu erhalten, er wurde auf Montag, den 16.03. verwiesen. Über das Wochenende erkrankte er schwer, es gelang mir aber nicht, ärztliche Hilfe zu erhalten, obwohl ich intensiv auf die Umstände und sein Alter hinwies, er ist 75 Jahre alt. Die von allen Seiten propagierte 116117 war stundenlang nicht erreichbar, was durchaus nachvollziehbar ist, weil der Corona Hype an diesem Wochenende begann. Als ich nach ca. 3 Stunden (!!) endlich eine Ärztin sprechen konnte, musste ich ihr erst erklären, was es bedeutet, in diesen Tagen aus Ischgl heimzukommen. Sie verdeutlichte mir, dass sie keinen Hausbesuch machen könne, da sie keine Schutzkleidung habe. Und sie wäre auch nicht bereit, den Transport ins Krankenhaus zu verantworten, denn sie fasse die Möglichkeit einer normalen Influenza ebenfalls ins Auge. Allerdings stünde es mir jederzeit frei, die 112 zu wählen. Rein menschlich war sie sehr zugewandt, gab mir Tipps zur Fiebersenkung, rief einige Stunden später noch einmal an, um zu überprüfen, ob es meinem Mann schlechter ginge. Nachdem wir uns so über das Wochenende gerettet hatten, standen wir am 16.03. bereits um 8:20 Uhr in der Testwarteschlange der Städt. Kliniken. Dorthin hatte uns die Ärztin geschickt. Natürlich war es nicht vorgesehen, dass bei den Abstrichen auch Untersuchungen stattfinden. Das Personal nahm jedoch meine Verzweiflung war und nachdem ich erklärt hatte, mit dem Auto erst wieder wegzufahren, wenn ein Arzt meinen Mann untersucht, wurde mein Mann vom Leiter der Notaufnahme persönlich aufgenommen und auf die Isolierstation eingewiesen. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass alle Menschen, mit denen ich in dieser Krise zu tun hatte, nett, höflich und bemüht waren, dass aber das System meiner Meinung nach Betroffene so lange im Stich lässt, solange sie nicht in direkter Lebensgefahr schweben. Und das kann es doch nicht sein! Wie soll ich einschätzen, wie schlimm es um die Erkrankung meines Mannes steht? Nach dem Krankenhausaufenthalt ging es meinem Mann zuerst besser, dann setzte eine erneute Verschlechterung ein. Er hatte sehr, sehr starken Husten und eine große Übelkeit. Als Folge davon war er sehr stark geschwächt und konnte kaum etwas essen und trinken. Leider war es wieder Wochenende. Ich rief auf der Isolierstation C81 an und erhielt von dort die Namen zweier rezeptpflichtiger Medikamente, die meinem Mann helfen sollten. An der 116117 traf ich auf einen Arzt, der sich weigerte, mir diese Medikamente zu verschreiben, obwohl ich mehrfach deutlich intervenierte und die Situation erklärte. Ich sollte dem an Covid-19 Erkrankten Spasmo-Mucosolvan geben (!!!), das wäre viel besser, lautete sein Rat. Hätte ich nicht von einem Freund meines Mannes, der mit ihm im Urlaub gewesen war und wegen eines schweren Verlaufs ebenfalls im Krankenhaus gelegen hatte, die Medikamente erhalten, hätte eine erneute Einweisung stattfinden müssen, weil die Gefahr einer Dehydrierung akut bestand. Diese Diagnose stammt allerdings von mir, ein Arzt war ja nicht zu kriegen. Besonders dankbar bin ich unserer Hausärztin Frau Dr. Jochum, die für mich telefonisch erreichbar war, obwohl sie keinen Dienst hatte. Einige Tage später hätten wir noch einmal einen Arzt gebraucht, inzwischen hatte mich mein Mann trotz wirklich genau durchgeführter Vorsichtsmaßnahmen ebenfalls angesteckt. Ich hatte das Gefühl von Atemnot und die Symptome wurden stärker. Meine Hausarztpraxis war inzwischen wegen Coronaverdachts geschlossen, der Telefonanschluss der Vertretung war durchgehend (3 Stunden) besetzt, ich vermute, der Hörer lag daneben. Die Vertretung der Vertretung erklärte uns, nicht helfen zu können. An der 116117 erhielt ich wortwörtlich die Antwort, sie seien nicht zuständig, wenn überhaupt, dann erst ab 19:00 Uhr und wenn ich Glück hätte, würde der Arzt vielleicht einen Hausbesuch machen, aber das glaubte der Herr am Telefon eher weniger. Ich insistierte, dass ich ärztliche Hilfe bräuchte, musste mir aber sagen lassen, dass die Hausärzte zuständig wären. Ich könnte natürlich jederzeit die 112 anrufen. Wir wurden täglich vom Gesundheitsamt telefonisch kontaktiert, deshalb fragte ich dort ebenfalls an, wie ich an einen Arzt käme. Doch auch im Gesundheitsamt konnte mir niemand sagen, wie das geht. Die Dame vom Amt leitete die Anfrage per Mail an die Ärzte des Amtes weiter und versprach mir, dass sich diese noch am selben Tag vor 19:00 Uhr mit mir in Verbindung setzen würden. Bis heute warte ich auf diesen Anruf. Mein Mann und ich haben beschlossen, auf unsere persönlichen Kontakte zurückzugreifen und uns selbst zu helfen. Wir haben das Glück, dass uns unsere Familie und unsere Freunde in der Not beistehen. Unser Mitgefühl gilt all jenen, die kein solches Netzwerk anzapfen können und mit all der Angst, Hilflosigkeit und dem Gefühl des Ausgeliefertseins allein gelassen werden. Wenn Tausende in Quarantäne sind, sind sicher auch Menschen darunter, die krank sind, zwar nicht so krank, dass sie ins Krankenhaus müssen, aber vielleicht doch ärztliche Hilfe benötigen. Das kann man doch nicht nur telefonisch abwickeln. Die Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes musste eingestehen, dass es für Covid-19 Erkrankte keine ärztliche Anlaufstelle in Stadt und Landkreis gibt. Mit freundlichen Grüßen Uwe und Regina Habedank

Stinksauer ist Uwe Habedank auf die Verantwortlichen im österreichischen Skiort Ischgl. „Die wußten ganz genau, schon vor unwserer Anreise, dass die ein Corona-Problem hatten. Sie haben es verschwiegen, um die Saison nicht zu gefährden. Ich werde sie - genau wie 450 weitere Betroffenen - anzeigen.“

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