Experte über die Entwicklung der DNA-Analyse: Verbrecher haben schlechte Karten

+
„Ein Tatort spricht“, sagt Dr. Harald Schneider. Der DNA-Analytiker war jetzt im Polizeipräsidium Nordhessen zu Gast.

Was ist heute schon möglich und was erwartet uns in Zukunft? Dr. Harald Schneider vom Hessischen Landeskriminalamt über die Entwicklung der DNA-Analyse.

Kassel. „Wir können schon viel, aber nicht alles. Und wenn wir die DNA eines Täters haben, können wir noch mehr, aber eben immer noch nicht alles herausfinden“, sagt Dr. Harald Schneider, Leiter der Fachgruppe Biologie beim Hessischen Landeskriminalamt. Schneider ist einer der renommiertesten DNA-Analytiker Deutschlands und war nun auf Einladung des Vereins Bürger und Polizei zu einem Vortrag im Polizeipräsidium Nordhessen zu Gast.

Und was können Schneider und seine Kollegen noch nicht? Das Alter einer Spur zu bestimmen klappt noch nicht, wäre im Hinblick auf die Tatzeit aber sehr wichtig. „Eineiige Zwillinge können wir per DNA-Analyse auch noch nicht unterscheiden“, sagt Schneider. In einem Fall konnte das Gericht kein eindeutiges Urteil fällen, weil nicht klar war, welcher Zwilling den Raub begangen hat. Beide Brüder konnten sich Alibis geben, die DNA-Analyse konnte nicht eindeutig zugewiesen werden – beide wurde freigesprochen. „Das wird sich aber bald ändern, unsere Verfahren werden immer genauer“, sagt der DNA-Analytiker.

Seit 1990 wurden die Verfahren stetig verbessert, immer genauer. Die Aufgabe von Harald Schneider und seinem Team ist es, die tatrelevanten Spuren zu untersuchen. Denn an einem Tatort findet man unzählige Spuren, ob Fingerabdrücke, Speichel oder Haare – diese müssen aber nicht zwingend mit dem Verbrechen zu tun haben. „Wurde das Opfer aber zum Beispiel erwürgt, würden wir natürlich am Hals nach Spuren suchen und dort auch welche finden. Es ist unmöglich geworden, einen Tatort ohne Spuren zu hinterlassen“, so Harald Schneider.

Doch es geht nicht nur darum, Täter zu finden, sondern auch Tatverdächtige mit der DNA-Analyse zu entlasten. Aber auch Verbrechen die schon Jahre zurückliegen und als hoffnungslos galten können anhand der DNA-Analyse aufgeklärt werden. „Cold Cases“ nennt man diese Fälle, auf die sich die Kriminaltechnik des Hessischen Landeskriminalamt spezialisiert hat. Aktuelles Beispiel: Erst vergangene Woche wurde der Rick J. verhaftet. Er gestand, im Jahr 1999 die 8-jährige Johanna Bohnacker getötet zu haben. Die Leiche wurde in einem Wald bei Alsfeld gefunden. Durch Ermittlungen in einem Sexualdelikt wurde die Polizei auf Rick J. aufmerksam. Daraufhin wurde seine Wohnung durchsucht und Faserspuren gefunden, die auch damals am Tatort von Johanna Bohnacker gefunden wurden. „Wir werden in den nächsten Jahren noch viele alte, hoffnungslose Fälle aufklären“, ist sich Schneider sicher. Denn der Fortschritt in Sachen DNA geht weiter. Schon heute können Angaben über das Alter oder die Haarfarbe anhand der DNA gemacht werden. „In etwa fünf Jahren werden wir dann soweit sein und auch Aussagen machen können über die biogeographische Herkunft, Größe, Gesichtsform und den Body-Mass-Index.“ Für ein genetisches Phantombild gibt es allerdings noch keine gesetzlichen Grundlagen, diese könnten aber in naher Zukunft folgen. Ohnehin ist Harald Schneider der Meinung, dass „das genetische Phantombild dann nur bei schwerwiegenden Delikten erstellt wird.“

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Betreiber ziehen Notbremse: Grimms Hütte auf Weihnachtsmarkt geschlossen - Kassel Marketing hält an Markt-Durchführung fest
Kassel

Betreiber ziehen Notbremse: Grimms Hütte auf Weihnachtsmarkt geschlossen - Kassel Marketing hält an Markt-Durchführung fest

„Uns liegt natürlich auch die Sicherheit der Gäste und Mitarbeiter am Herzen. Weil wir die nicht gefährden wollen, haben wir uns für die Notbremse entschieden.“
Betreiber ziehen Notbremse: Grimms Hütte auf Weihnachtsmarkt geschlossen - Kassel Marketing hält an Markt-Durchführung fest
Märchenweihnachtsmarkt: Stadt Kassel erlässt weitere Corona-Schutzmaßnahmen
Kassel

Märchenweihnachtsmarkt: Stadt Kassel erlässt weitere Corona-Schutzmaßnahmen

Zum Schutze der Bevölkerung vor der Weiterverbreitung des Coronavirus ordnet die Stadt in im Bereich des Märchenweihnachtsmarktes sowie in angrenzenden Bereichen der …
Märchenweihnachtsmarkt: Stadt Kassel erlässt weitere Corona-Schutzmaßnahmen
Nach Einführung von 2G plus: Weniger Menschen gehen feiern und tanzen
Kassel

Nach Einführung von 2G plus: Weniger Menschen gehen feiern und tanzen

Seit letztem Wochenende dürfen nur noch Geimpfte und Genesene mit einem aktuellen negativen Testergebnis in Clubs und Discos.
Nach Einführung von 2G plus: Weniger Menschen gehen feiern und tanzen
Großbrand in Bettenhausen: Firmenhalle steht in Flammen
Kassel

Großbrand in Bettenhausen: Firmenhalle steht in Flammen

In der Lossestraße, nahe der Sandershäuser Straße, kommt es aktuell zu einem größeren Brand eine Firmenhalle auf einem Gewerbegrundstück.
Großbrand in Bettenhausen: Firmenhalle steht in Flammen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.