Fahren, soweit der Akku reicht!

Sehr geehrte Radlerinnen und Radler in Nordhessen, viele von Ihnen habe ich ja bereits am Wochenende bei der Veranstaltung „Ein Radweg lacht“ getroffen – auf

 dem Campingplatz in Kassel, in Büchenwerra, an der Zwei-Pfennig-Brücke in Melsungen. Es war ein herrlicher Tag. Das Wetter passte. Und rund 20.000 Radler waren zwischen Gerstungen in der Rhön und Bad Karlshafen unterwegs. Wie gesagt: Ich war einer von Ihnen.

Das fiel mir besonders leicht, weil ich mir ein neues E-Bike gekauft hatte und mich deshalb bestens gerüstet fühlte. Schließlich hatte ich mir vorgenommen, nach Melsungen und zurück zu radeln. Von meiner Haustür in Wolfsanger und zurück waren das rund achtzig Kilometer. Natürlich hatte ich im Vorfeld trainiert. Bin mit Freunden nach HannMünden und zurück gefahren – rund fünfzig Kilometer. Schon da hatte ich nachdenklich auf meinen Tacho geschaut. 150 Kilometer Reichweite hatte in der Gebrauchsanweisung meines Rades gestanden. Nach den fünfzig Kilometern HannMünden und zurück waren aber keine hundert Kilometer mehr im Akku.

Klar, dass ich erst mal im Laden war. Diese 150 Kilometer könne man nur schaffen, wenn man maximal siebzig Kilo wiege und ohne Gegenwind im Labor radele, wurde ich belehrt. Und natürlich müsse man fast die ganze Stecke auf Stufe 1 fahren, die geringste Unterstützung. So informiert habe ich mich Sonntag mit meiner Frau auf den Weg gemacht. Eco-Stufe eingeschaltet. Und los ging’s. An der Fulda entlang, vor den Bootshäusern über eine grausige Strecke. Immer wieder ging mein Blick sehnsüchtig zum Fußweg runter, den zu der Zeit niemand benutzte. Mein Dank galt innerlich den Herren Oberbrunner und Hörmann, die sich massgeblich dafür eingesetzt hatten, den Weg nicht für Radfahrer auszubauen. Es wird Zeit, das zu überprüfen.

Dann ging es auf die Strecke. immer mal wieder gab es kleine und größere Steigungen, die ich mit größerer elektrischer Unterstützung problemlos gemeistert habe. Und natürlich hatte auch im Kreis ein Anglerverein dafür gesorgt, dass der Radweg nicht unten an der Fulle entlang, sondern hoch oben durch den Ort geführt werden musste. Einfach nur unglaublich. Den Verein gibt es übrigens nicht mehr.

Auf den Rückweg habe ich mich dann mit Landrat Winfried Becker und Guxhagens Bürgermeister Edgar Slawik gemacht. Sie wußten, wie man die größten Steigungen umfährt und so ist es mir gelungen, tatsächlich bis zu meiner Haustür zu gelangen. Und ja, ich hätte tatsächlich noch vier Kilometer weiter fahren können. Ein lehrreicher Ausflug in eine herrliche Landschaft.

Mit fahrerischen Grüßen

Rainer Hahne

Chefredakteur

P.s. Sehr geehrter Fahrradbeauftragter, ich glaube, es wird Zeit, die Strecke von einigen geschichtlich-politischen Unglaublichkeiten zu befreien und mehr darauf zu achten, dass sich die Radfahrer nicht unnötig die Berge hochquälen müssen. Dafür hat niemand Verständnis.

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