Fahrrad-Pionier Helmut Mauer vom Kasseler Baikschopp blickt auf bewegte Geschichte

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Helmut Mauer, der auch vom Land Hessen zum „Menschen des Respekts“ ausgezeichnet wurde, mit seiner Frau Petra.

Gerade einmal 12 Quadratmeter war der Fahrrad-Laden groß, als ihn Helmut Mauer vor 29 Jahren übernahm. Mittlerweile ist Mauer’s Baikschopp in der Region bekannt, drei Mal auf der Leipziger Straße umgezogen – und bietet auf 700 Quadratmetern alles, was Fahrradliebhaber schätzen.

Kassel. Ende Februar wird der 69-Jährige den Laden an einen langjährigen Mitarbeiter abgeben, dem Team und Kunden aber als Berater weiterhin zur Seite stehen. Wir blicken mit dem Fahrrad-Pionier auf seine Erfindungen und Radfahr-Leidenschaft zurück. „Als gelernter Landmaschinenmechaniker und Maschinenbautechniker kam ich nach meiner Ausbildung zum Erzieher 1979 nach Kassel, um mit Kindern zu arbeiten“, sagt Helmut Mauer. Damals sei es in Bayern zum Beispiel unvorstellbar gewesen, als Mann in einer Kita zu arbeiten. Und so zog er mit seiner Frau Petra nach Kassel. Schon damals fuhr er regelmäßig mit dem Rad nach Hann. Münden zur Arbeit.

1990 ergab sich dann die Möglichkeit, den kleinen Laden mit Fahrrädern und Mofas zu übernehmen. „Die Stinker haben ich und meine Frau, direkt rausgeschmissen und uns auf Fahrräder spezialisiert. Wir haben schon immer die Nische gesucht, niemals Massenprodukte und uns so langsam einen Namen aufgebaut“, so Mauer, der ursprünglich aus Alsleben im Frankenland stammt und sein Logo des Ladens aufgrund von ‘Sprachbarrieren’ gegründet hat. „Die Hessen konnten ‘Mauer’ nicht sagen und machten immer ‘Maurer’ daraus. So entstand auch das Logo mit dem durchgestrichenem R, welches sich mittlerweile in den Köpfen der Menschen eingebrannt hat. Daher wird der Laden auch weiterhin unter diesem Namen laufen. In die Rad-Szene haben wir uns reinentwickelt, auch durch viele Innovationen. Auf Maschinenbau-Messen habe ich nach Neuerungen gesucht. Dank meinen Kenntnissen im Maschinenbau kann ich von groß in klein denken. So ist vor drei Jahren beispielsweise auch das Fahrradreifenmontagegerät Reimont entstanden oder vor 15 Jahren der Schlauch-O-mat, der mittlerweile Europaweit kopiert wird. Auch bei den sogenannten Fatbikes waren wir in Deutschland ganz vorne mit dabei, haben richtig Gas gegeben und organisieren mittlerweile jährlich ein Treffen der ‘Fangemeinde’“, so der Radbegeisterte.

Mit 25 Kilo Gepäck ging es vor zehn Jahren um den Baikalsee: „1.250 Kilometer, 18.000 Höhenmeter, wunderschönes Landschaft“, sagt Helmut Mauer.

Auch den Kasseler Marathon und davor den Citylauf begleiteten Helmut Mauer und sein Team von Beginn an als Pacemaker. Zudem unterstützt er mit seinem Wissen Fahrradwerkstätten Kasseler Schulen, sponsert Kitas, denn „Kinder sind die Zukunft. In sie müssen wir investieren“, und gemeinsam mit Kasseler Händlern hat er die Bike Expo ins Leben gerufen, die erneut am Sonntag, 17. Februar, in der Stadthalle stattfindet. Einen Konkurrenzkampf um die Kasseler Radfahrer gibt es laut Mauer nicht.

Entwicklungshilfe für Havanna

Inspiriert von einem Urlaub in Sri Lanka entwickelte er Räder mit Bambus-Rahmen (wir berichteten hier), die er unterstützt von einer Frankfurter Stiftung nicht hier, sondern vor Ort in Havanna auf Kuba produzieren lässt. „Wieso soll ich die nachhaltigen Materialien nach Deutschland schaffen, wenn der Bambus dort vor der Haustür wächst und wir doch vor Ort Menschen schulen können und so Arbeitsplätze schaffen? Das ist gelebte Entwicklungshilfe.“ Sobald es ihm gesundheitlich wieder besser geht (Mauer erkrankte 2011 an Krebs) möchten er und seine Frau hinfliegen und die Manufaktur besuchen. In seiner kommenden Freizeit möchte er sich ganz den Entwicklungen und Innovationen wie einem Nachrüstmotor für E-Bikes widmen. Und einen weiteren Traum möchte sich Mauer demnächst erfüllen: Über den zugefrorenen Baikalsee in Sibirien fahren.

„Vor neun Jahren bin ich vier Wochen lang einmal um den uralten See gefahren. 1.250 Kilometer, 18.000 Höhenmeter und das mit 25 Kilo Gepäck auf dem Rücken. Teils bis zu 180 Kilometer am Tag; da schläft man abends im Zelt gut“, erzählt er und möchte daher noch einmal im Winter „ins schönste Land der Welt“ – natürlich mit dem Fahrrad.

Bike-Expo in der Stadthalle: Fahrradhändler zeigten die neuesten Trends

Im Trend: Liege-Dreiräder. Eins der vielen Highlights, die Harald Seifert von der Firma Fahrwerk-Seifert aus Bad Arolsen zeigte, war das Cross-Liegerad. © Schaumlöffel
In Aktion: Die Räder konnten während der Messe auch getestet werden. © Schaumlöffel
E-Bikes sind der Renner und wirken immer leichter: Phil Neddermann (Neddermann Der Zweiradexperte) zeigt ein Modell, bei dem der Akku in den Rahmen integriert ist. © Schaumlöffel
Fahrradbau mit Rohstoffen aus der Natur: Helmut Mauer von Mauers Baikeschopp und Enkelin Sophia Nehrkorn präsentieren eins der vielen Bambusräder. © Schaumlöffel
Wie ein Sportwagen: Das Velomobil der Kölner Firma Akkurad/ Lohmeyer Leichtfahrzeuge. Das Topmodell des Elektro-Flitzer liegt bei 11.500 Euro, wie Jörg Klenke berichtet. © Schaumlöffel
Hingucker: Die Fahrräder der „Fulle Ridaz“. Mehr Fotos davon gibt es in unserer Bildergalerie. Im Bild: Ralf mit seiner sogenannten Tret-Harley, die an legendäre Chopper erinnert. © Schaumlöffel
Wird ständig weiterentwickelt: Mit Hilfe von Lastenrädern können nicht nur Wasserkisten & Co transportiert werden, sondern auch der Nachwuchs. © Schaumlöffel
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