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Falknerprüfung absolviert: Christian Steinert jagt mit Greifvögeln

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Von: Isabell-Carolyn Schulz

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Christian Steinert beim Falknerlehrgang in Frankfurt mit Wüstenbussard „Scady“ als Ausbildungsvogel.
Christian Steinert beim Falknerlehrgang in Frankfurt mit Wüstenbussard „Scady“ als Ausbildungsvogel. © Privat

„Falknerei ist für mich, die Freiheit des Vogels zu fühlen“, so der Wolfhagener.

Landkreis Kassel 32 angehende Falknerinnen und Falkner aus ganz Hessen haben sich in diesem Jahr bei der Oberen Jagdbehörde des Regierungspräsidiums (RP) Kassel zur Falknerprüfung angemeldet. 24 von ihnen legten kürzlich mit Erfolg die Prüfung im Forstlichen Bildungszentrum Weilburg ab – einer von ihnen ist Christian Steinert aus Wolfhagen. „Falknerei ist für mich, die Freiheit des Vogels zu fühlen“, betont der 43-Jährige. Welchen immens hohen Stellenwert Flora und Fauna für den Förderschullehrer haben, verdeutlicht nicht nur die Tatsache, dass Christian Steinert ebenfalls als Wald- und Ökopädagoge tätig ist, der Kinder jeden Alters gerne durch die Natur führt.

Seit zwölf Jahren besitzt der passionierte Reiter auch einen Jagdschein und ist seither ständig im Großraum Wolfhagen unterwegs, um mit seinen Hunden etwa Wildschweine, Füchse oder sogenanntes Niederwild zu jagen. Zu Letzterem zählen beispielsweise Fasane. Und während Christian Steinert aktuell vier Hunde der Rassen Alpenländische Dachsbracke, Deutscher Jagdterrier sowie Deutsch Drahthaar einsetzt, lässt er für die Jagd auf Kaninchen zudem noch Frettchen in Aktion treten.

„Ich habe in den vergangenen 20 Jahren immer mit Tieren gearbeitet und dabei auch selbst sehr intensiv Jagdhunde ausgebildet“, erklärt Steinert. Die Voraussetzung für das Ablegen der Falknerprüfung, nämlich einen Jagdschein zu besitzen, erfüllte Christian Steinert also bei Weitem schon mal. Aber nicht nur dieser Umstand motivierte den gebürtigen Wolfhagener dazu, sich Anfang Juli für diese besondere Prüfungssparte anzumelden: „Ich war stets das Kind, das vor Fernsehern oder Computern weggelaufen ist und das viel lieber raus in den Wald wollte. Das Thema Greifvögel, Falkenartige und Eulen hat mich da generell seit Langem angesprochen“, erzählt Christian Steinert weiter.

Die treuen Begleiter von Christian Steinert: Die selbst ausgebildeten Jagdhunde und sein eigener Sakerfalke Luna.
Die treuen Begleiter von Christian Steinert: Die selbst ausgebildeten Jagdhunde und sein eigener Sakerfalke Luna. © Privat

Vor ungefähr zwei Jahren war es dann so weit und der Familienvater fasste den Entschluss, sich mit dem Bestehen der Falknerprüfung auf eine weitere Jagdweise zu spezialisieren und in dem Zusammenhang die hohe Kunst, mit Greifvögeln zu jagen zu erlernen: die Beizjagd. Um die Falknerprüfung zu meistern, habe sich Christian Steinert aber erst einmal an mehreren Wochenenden auf den Weg nach Frankfurt am Main gemacht und dort in Lehrgängen von Roman Wüst gelernt – einem praktizierenden Falkner, Jäger, Fischer und Hundeführer. Die Prüfungsvorbereitung für die Falknerprüfung erfolgt in der Regel nämlich durch die Falknervereine der Bundesländer und kommerzielle Jagdschulen.

Und die braucht es auch, denn der Fragenkatalog der einen mündlichen und einen Praxisteil umfassenden Falknerprüfung sei vielfältig, da er ausdrücklich die vorhandene Sachkunde im Umgang mit den Tieren abfragen soll. Dementsprechend erstrecken sich die relevanten Themen vom Verhalten der Vögel über Nestbau, Ernährung, Tierwohl und Tierschutz über einschlägige Rechtsgebiete bis hin zu den Haltungsformen des Tieres oder den Umgang mit verletzten Findlingsvögeln.

„Die Prüfung war schon ein bisschen nervenaufreibend, da man einen riesigen Themenbereich bearbeiten musste und zu Hause vorher einen sehr umfangreichen Prüfungsstoff vor sich hatte“, erinnert sich Christian Steinert. Wie aus einer Presseinformation des RP hervorgeht, haben acht Teilnehmende die Prüfung leider nicht bestanden und damit liegt die Durchfallquote der hessischen Falknerprüfung etwa im Landesmittel der Ergebnisse der allgemeinen Jägerprüfungen.

Christian Steinert konnte auch im praktischen Prüfungsteil, der die Haltung des Beizvogels sowie die Beizjagd mit jeweils komplexen Aufgabenstellungen umfasst, zeigen, was er gelernt hat und hat sich nun bereits ein neues Ziel gesetzt: „Mein Traum ist es, mit meinem neuen Vogel im nächsten Herbst dann vom Pferd aus zu jagen. Das ist dann die ganz hohe Kunst!“

Extra Info: Aus Tierschutzgründen hat sich die Obere Jagdbehörde in Hessen gegen eine Prüfung am lebenden Tier entschieden und stattdessen eine lineare Komplexprüfung mit einer Vogelattrappe entwickelt. Diese ist in Deutschland in dieser Form ebenso einzigartig wie die umfangreiche Präparatesammlung, die dafür zur Verfügung steht. Quelle: RP-Presseinformation

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