Fast 1.000 Daimler-Beschäftigte streikten

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Zu Warnstreiks ruft die IG Metall derzeit auf, weil die Arbeitgeber bei den bisherigen Verhandlungsterminen kein passendes Angebot vorgelegt hatten.

Kassel.Trotz Schneegestöbers haben am Donnerstag insgesamt knapp 1.000 Beschäftigte von Daimler in Kassel zeitweise die Arbeit niedergelegt. Direkt nach Ablauf der Friedenspflicht um 0 Uhr verließen 250 Beschäftigte der Nachtschicht ihre Arbeitsplätze und versammelten sich vor dem Haupttor. Über 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nahmen zudem am Vormittag an einer Kundgebung vor dem Werk teil. "Die überwältigende Beteiligung an unserem Warnstreik hat klar gemacht, wie groß der Rückhalt für die Forderungen der IG Metall ist", sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Nordhessen, Oliver Dietzel. Die Gewerkschaft fordert in der laufenden Tarifrunde von den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie 5,5 Prozent mehr Geld, eine verbesserte Altersteilzeit und die Einführung einer Bildungsteilzeit.

Arbeitgeber verweigern sich einer Verhandlungslösung

Zu Warnstreiks ruft die IG Metall derzeit auf, weil die Arbeitgeber bei den bisherigen Verhandlungsterminen kein Angebot vorgelegt hatten, das auch nur in der Nähe der Forderungen liegt. "Eure geschlossene Teilnahme an den Warnstreiks ist die einzig richtige Antwort auf die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber", rief Dietzel den Kundgebungsteilnehmer zu. "Wir werden so lange weitermachen, bis es ein Angebot gibt, das diesen Namen verdient", kündigte er an.

Wie wichtig die qualitativen Forderungen der IG Metall sind machten Redebeiträge aus dem Daimler-Werk deutlich. So forderte Vertrauenskörperleiter Stefan Pilz eine verbesserte Altersteilzeit, "weil die Produktion immer dichter wird und wir immer mehr buckeln müssen". Ziel sei es, den Beschäftigten einen fairen Ausstieg aus dem Arbeitsleben zu ermöglichen. IG Metall-Chef Dietzel unterstrich diese Forderung: "Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf die Altersteilzeit – sonst sind die Menschen in den Betrieben von der Willkür der Unternehmen abhängig." Zur Forderung nach der Einführung einer Bildungsteilzeit nahm Jugend- und Auszubildendenvertreter Fatih Sezer Stellung: "Es ist im Moment für die jungen Beschäftigten sehr schwer, Weiterbildung und Ausbildung miteinander zu verbinden". Hier müsse sich dringend etwas zugunsten der Weiterbildungschancen ändern. Die von der IG Metall vorgeschlagene Bildungsteilzeit sei deshalb eine sehr gute Idee.

Klare Worte zu Pegida: Gegen das Spiel mit diffusen Ängsten

Überraschend gab es am Donnerstag vor dem Daimler-Werk auch eine Rede, die sich nicht mit der Tarifrunde auseinandersetzte. Als Geschäftsführer des Betriebsrats bezog Alfred Holle Position gegen fremdenfeindliche Bewegungen wie Pegida oder Kagida. "Diese Gruppen sind der Versuch von Neonazis und Rechtsextremisten, Einfluss auf unsere Gesellschaft zu nehmen", sagte Holle. Das Spiel mit diffusen Ängsten sei gefährlich und gefährde den Frieden im Land. Zwar habe er als Gewerkschafter Verständnis, wenn Menschen gegen soziale Ungerechtigkeiten protestierten. "Aber für eine zu knappe Rente oder die Angst vor Hartz IV können weder Flüchtlinge noch Migranten etwas", sagte Holle. Er rief die Warnstreikenden auf, am kommenden Montag an der Kundgebung unter dem Motto "Kassel ist bunt" auf dem Rathausvorplatz teilzunehmen.

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