Fast 90 geworden: Elektronikfachgeschäft Schmidt schließt

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Führten in der Erzbergerstraße die Firma Induka P. Schmidt KG in der zweiten und dritten Generation: Teja Georg Schmidt (li.) und sein Sohn Peter Schmidt (re.).

Nach fast 90 Jahren schließt nun der Familienbetrieb Induka P. Schmidt in der Erbergerstraße 13. Am Samstag findet von 9 bis 16 Uhr ein großer Räumungsverkauf mit Sonderpreisen statt.

Kassel. „Die Erzbergerstraße war einmal das Zentrum der Kasseler Elektronikbranche. Das ist lange vorbei und wir sind mittlerweile das letzte noch verbliebene Elektronikfachgeschäft“, erzählt Fernsehtechnikermeister Peter Schmidt, der den Familienbetrieb Induka P. Schmidt KG bereits in der dritten Generation führt. „Alle damals bekannten Hersteller wie Loewe Opta, Telefunken, Imperial oder Grundig hatten hier ein Geschäft. Als es der Rundfunkbranche Mitte der 80er sehr gut ging, zogen plötzlich alle in große Lagerhallen in die Industriegebiete in Waldau“, erzählt Teja Georg Schmidt, der das Geschäft als Radioinstantsetzer im Jahr 1954 übernahm und zum Großhandel ausbaute.

„Von diesen Firmen gibt es keine mehr. Anfang der 2000er sind sie alle pleite gegangen oder haben aufgehört, weil sich das Geschäft in dieser Branche nicht mehr lohnt“, erzählt der 89-Jährige weiter. Fast 20 Jahre später erkennt sein Sohn Peter Schmidt nun auch, dass es keinen Sinn mehr macht, ein Geschäft in dieser Branche zu betreiben und wird den Familienbetrieb zum 31. März endgültig schließen. Den Entschluss dazu fasste er schweren Herzens zum Jahresbeginn.

Familienbetrieb seit 1930

Als Elektro- und Rundfunkfirma hatte Peter Schmidts Großvater, Handelsvertreter Georg Schmidt, das Geschäft im Jahr 1930 zunächst in der Gießbergstraße gegründet. Vertrieben wurden damals Batterien, Radios und Autobatterien bis nach Südniedersachsen und Nordrhein Westfalen. Neun Jahre später zog die Familie privat in die Erzbergerstraße 13, das Wohnhaus wurde aber im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs komplett zerstört. Firmengründer Georg Schmidt baute das Haus zusammen mit seinem Sohn Teja Georg wieder auf und das Geschäft wurde an seinem heutigen Standort eingerichtet.

„Übernommen habe ich die Firma ganz überraschend, als mein Vater bei einem Autounfall schwer verunglückte und sofort verstarb. Meine Frau Christel hat die Buchhaltung geführt“, erzählt Teja Georg Schmidt. In den 60er Jahren lag der Fokus auf Werksvertretungen für den bekannten Tonbandgerät-Hersteller Uher. In dem Traditionsgeschäft wurden unzählige Lehrlinge ausgebildet, in den 70er Jahren zählte die Firma 20 Mitarbeiter und sogar eine eigene Servicewerkstatt für Tonbandgeräte. Nach der Schließung seines Geschäfts Ende März wird Inhaber Peter Schmidt seine langjährige Erfahrung in einer anderen Elektronikfirma einsetzen. Schmidts letzter Auszubildender befindet sich derzeit im zweiten Lehrjahr und schließt sich ebenfalls dem Firmenwechsel an.

„Viele Optionen haben wir Fernsehtechniker nicht mehr, es gibt in Kassel kaum noch Fachgeschäfte in diesem Bereich. Beinahe jeder Kunde, der noch in meinen Laden kommt, bringt im Verkaufsgespräch außerdem das Argument, dass er dieses oder jenes Gerät im Internet billiger gesehen hätte“, so Schmidt. Dass er im Gegensatz zu Internetanbietern für Ladenmiete und Mitarbeiter aufkommt, einen umfangreichen Kundenservice bietet und die Fernsehgeräte noch selbst einrichtet, würden die Kunden laut Schmidt dabei vergessen. „Hinzu kommt, dass ein Fernseher mittlerweile ein Wegwerfgerät geworden ist und niemand mehr eine Servicereparatur benötigt. Wer sollte noch in ein Fachgeschäft gehen, wenn man morgens beim Brötchenkauf im Discounter schon seinen Fernseher mitnehmen kann?“, so Schmidt.

Schließen muss Schmidt das Elektronikfachgeschäft zwar nicht aufgrund finanzieller Schwierigkeiten, möchte bei einem großen Räumungsverkauf am Samstag, 23. März, von 9 bis 16 Uhr, aber noch viele elektronische Geräte zu niedrigen Sonderpreisen verkaufen.

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