Das Fest der Familie

Der Kasseler Märchenweihnachtsmarkt ist einzigartig. Foto: Archiv
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Der Kasseler Märchenweihnachtsmarkt ist einzigartig. Foto: Archiv

Briefwechsel von Chefredakteur Rainer Hahne. Diesmal: Weihnachten als Familienfest

Briefwechsel. Liebe Leserinnen und Leser,

es ist schon faszinierend.  Das ganze Jahr über liest man immer wieder,  dass "Familie” ein Auslaufmodell ist. Andere Formen des Zusammenlebens stehen im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Familie? Braucht kein Mensch. Doch immer wenn Weihnachten auf dem Jahresprogramm steht, kommt der Härtetest. Und siehe da. Familie ist immer ganz weit oben bei den Umfragen, wie man denn, um Gottes Willen, die Festtage verbringen möchte.Eigentlich wollten wir in dieser Ausgabe eine Umfrage bei Prominenten und ganz normalen Menschen aus Nordhessen bringen. Der Neuigkeitswert war aber mehr als überschaubar. Vielleicht wird am Vormittag des Heiligen Abends noch ein Geschenk gekauft. Nachmittags geht es in die Kirche. Und sobald es dunkel wird, sitzt die Familie zusammen. Das gilt auch für Patchworkfamilien.  Ganz bitter sind diese Tage für Menschen, die diese Rückzugsmöglichkeit nicht haben.  Bei Facebook habe ich gesehen, dass eine junge Schauspielerin aus Wien einen einsamen Rentner zur Bescherung eingeladen hat.  Eine Mutter, die an Depressionen leidet, verzichtet auf das gemeinsame Fest mit ihrem Sohn und seiner Familie, weil sie Angst hat, mit ihrer Krankheit das Fest zu zerstören und geht daran fast kaputt.

Schlimm ist dieses Fest für alle,  die im vergangenen Jahr ein Mitglied der Famlie verloren haben.  Vor einem Jahr habe ich in der Kirche eine junge Frau erlebt, die bitterlich um ihr Kind geweint hat.  Ihnen allen gilt mein Mitgefühl.Hart trifft Weihnachten aber auch erstaunlicherweise die, die von sich selbst glauben, die Härtesten zu sein. Vor  vielen Jahren, als ich noch als Sporttherapeut in einer Drogeneinrichtung gearbeitet habe, habe ich miterlebt, welche Gefühlswallungen durch die Einrichtung tobten.  Eigentlich kennt man solche Geschichten nur noch von sterbenden Soldaten, die nach ihrer Mutter rufen.

Öffentlich wird das natürlich nicht diskutiert. Öffentlich bewegt nur eine Frage die Nation: "Werden wir weiße Weihnachten haben oder nicht?” Spielt das irgend eine Rolle? Seit fünfzehn Jahren fahre ich mit meiner Familie zum Weihnachtsfest ins Fichtelgebirge. Viermal hatten wir Schneechaos, einmal Blitzeis,  fünfmal normal Schnee und den Rest der Zeit so gut wie nichts.

Auch als Kind stand ich da mit meinen neuen Schneeschuhen und habe auf die schneefreie Straße geschaut.Die Erfahrung zeigt also, Weihnachten kann man mit und ohne Schnee feiern. Wenn man denn feiern möchte. Und das möchte offensichtlich die Mehrzahl.

Mit feierlichen Grüßen

Rainer HahneChefredakteur

P.S. Sollten Ihre Freunde und Verwandten mit dem Geschenk Ihren Geschmack nicht getroffen haben, freuen Sie sich trotzdem. Umtauschen können Sie es ja immer noch. Sie werden erstaunt sein, was zwischen den Jahren in den Geschäften los ist.

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