Fett, Filz und 7000 Eichen: Kassel feiert 100. Geburtstag von Künstler Joseph Beuys

Herausgeber Volker Schäfer v.li.) stellte mit Verlegerin Renate Matthei und demVorstandsvorsitzenden der Kasseler Sparkasse, Ingo Buchholz, den Sammelband BEUYS 100 vor. Foto: Soremski
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Herausgeber Volker Schäfer v.li.) stellte mit Verlegerin Renate Matthei und demVorstandsvorsitzenden der Kasseler Sparkasse, Ingo Buchholz, den Sammelband BEUYS 100 vor. Foto: Soremski
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Ältere Nordhessen erinnern sich gut an den Mann mit Hut und Anglerweste und seine „verrückten“ Ideen. Eine davon machte Kassel grüner: Das Kunstprojekt 7000 Eichen verbindet die Stadt auf ewig mit dem Künstler Joseph Beuys. Im Mai dieses Jahres wäre er 100 Jahre alt geworden. Zahlreiche Institutionen und Initiativen der Stadt ehren ihn.

Von VICTOR DEUTSCH

Kassel. Es war das Jahr 1977, als Joseph Beuys zur documenta 6 den Bseuschern zeigte, dass Honig nicht nur aufs Frühstücksbrötchen gehört. Seine Installation „Honigpumpe am Arbeitsplatz“ im Fridericianum sorgte für angeregte Diskussionen. 150 Kilo ließ er durch 173 Meter Schläuche und Röhren in 18 Meter Höhe im Treppenhaus pumpen, Neben der Honigpumpe rotierte eine Kupferwelle in 100 Kiloigramm Margarine. Am 12 Mai in diesem Jahr wäre der berühmte Künstler 100 Jahre alt geworden er starb am 23. Januar 1986 in Düsseldorf). Unter dem Titel Titel „beuys 2021“ widmen sich rund 20 Museen und Kulturinstitutionen des Landes Nordrhein Westfalen widmen dem im Rheinland geborenen Beuys, der zu den weltweit bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts zählt.

Ein Geburtstag, viele Akteure

Und wie begeht man den Geburtstag in Kassel, wo sein bedeutendes documenta-Kunstwerk „7000 Eichen“ documenta 7, 1982) bis heute weiter wächst, gehegt und gepflegt wird? „ Zur Zeit entwickeln verschiedene Kultureinrichtungen Kassels in Zusammenarbeit ein vielseitiges Programm von Ausstellungen, Aktionen, Workshops und Publikationen, auch das documenta archiv ist mit verschiedenen Projekten beteiligt.“, teilt Alexandra Südkamp, Koordinatorin Kommunikation und Marketing bei der documenta GmbH mit. Beteiligt sind u.a. das Kulturressort der Stadt Kassel, die Museumslandschaft Hessen Kassel mit der Neuen Galerie, die documenta, das Fridercianum, das documenta-Archiv, die Stiftung 7.000 Eichen, das documenta-Forum, sowie weitere Projekte und Initiativen. „Auch unter den aktuell durch Covid-19 erheblich erschwerten Planungsrahmenbedingungen wird ein Programm entwickelt, das beispielsweise Ausstellungen, Vorträge, eine Tagung, Gesprächsformate, künstlerische Aktionen, Bestandpräsentationen und Publikationen beinhaltet.“, konkretisiert Stadt-Sprecher Michael Schwab die Geburtstagsfeierlichkeiten.

Von Seiten der Museumslandschaft Hessen-Kassel plant man eine Aktion der Künstlerin Shelley Sacks in der Neuen Galerie. Pressesprecherin Lena Pralle: „Die Kooperation Kassel21/Social Sculpture Lab holt Joseph Beuys „Soziale Plastik“ in die Gegenwart: Das künstlerische Konzept wird reflektiert, zugänglich gemacht und weiterentwickelt. Durch eine intensive, langjährige und multidimensionale Erforschung der Beuys’schen Ideen zur Sozialen Plastik bringt die Künstlerin Shelley Sacks die daraus gewonnenen Erkenntnisse in einem Lab in Kassel zusammen. Vom 19. Juni bis 26. September 2021 soll sich dies innerhalb und außerhalb der Neuen Galerie MHK) und dem documenta archiv in einer Rauminstallation, verschiedenen Kunstaktionen und partizipativen „Verbindenden Praktiken“ zeigen. Lena Pralle: „Dazu wird in den kommenden Tagen eine Projektwebsite der Künstlerin online gehen.“

Basaltstelen als Leihgabe

Auch Volker Schäfer, Vorsitzender der Stiftung „7000 Eichen“ gibt einen Ausblick auf die Vielfalt des Beuys-Jahres. „Das wird sich nicht kulminiert an einer Stelle abspielen, sondern das Ziel ist, viel für möglichst viele Menschen zu machen.“ Dazu zählen auch Spaziergänge und Aktionen zu und an Standorten der Beuys-Bäume. Im Gespräch mit dem EXTRA TIP schildert Volker Schäfer auch das überregionale Interesse an Beuys‘ Baum-Kunstwerk. „Wir werden häufiger angefragt, ob es Möglichkeiten zur Ausleihe von Basaltstelen für Ausstellungen besteht.“

Namhafte Autoren erinnern sich in „Beuys 100“

Als Herausgeber präsentierte Volker Schäfer in dieser Woche das Buch „Beuys 100“, das beim Euregio-Verlag in der Reihe „Die Region erinnert sich“ der Kasseler Sparkasse erscheint. In dem Werk begegnen die Autorinnen und Autoren dem Mann mit dem Hut mit bewunderndem Respekt und wissenschaftlicher Expertise. Sie schildern persönliche Begegnungen, gemeinsame Erfahrungen und durchdringende Werke und Werte einer der wohl bedeutendsten Künstler der deutschen Nachkriegszeit. Beuys‘ wichtiges documenta-Werk der 7.000 Eichen findet in diesem Jubiläumsband ganz besondere Beachtung. Die Kasseler Sparkasse trägt dazu bei, dass dieses nachhaltige Kunstwerk in und um Kassel weiterlebt. Ingo Buchholz: „Dafür übernehmen wir anlässlich Beuys‘ 100. Geburtstag die Patenschaft für die zurzeit fehlenden Eichen – aus respektvoller Verneigung vor dem Künstler und der Stadt Kassel.“ Dazu wurde während des Pressetermins symbolisch die erste fehlende Beuys-Eiche durch die Kasseler Sparkasse gepflanzt.

16 Mio. D-Mark-Rudel und Whisky-Werbung

Das Kunstwerk „7000 Eichen“ ist wohl eines der bekanntesten und ehrgeizigsten Projekte von Joseph Beuys. Den ersten Baumstamm hatte Beuys am 16. Ma¨rz 1982 vor dem documenta-Museum Fridericianum selber in die Erde geschaufelt; den letzten setzte sein Sohn Wenzel am 12. Juni 1987 daneben, gut ein Jahr nach dem Tod seines Vaters. Als din Finanzierung des gigantischen Projekts stockte, entschied sich Beuys 1984 eine Whisky-Reklame für die Marke Nikka im japanischen Fernsehen zu Gunsten der Aktion zu drehen, samt eingeblendetem Hinweis: „Joseph Beuys ist hier aufgetreten, seine ökologischen Unternehmen zu fördern.“ Der Satz: „Ich habe mich vergewissert, der Whisky war wirklich gut.“ brachte ihm 400.000 DM ein.

Geld spielte auch bei einem weiteren berühmten, in Kassel zu sehenden Werk des Künstlers eine Rolle: Die Installation „Das Rudel“ aus dem Jahr 1969 ein VW-Bus, 24 Rodelschlitten auf die Fett, eine Stablampe und eine eingerollte Filzdecke geschnallt sind). Der promovierte Naturwissenschaftler und Sachbuchautor Jost Herbig 1938–1995) und seine Frau Barbara Herbig erwarben das Werk auf dem Kölner Kunstmarkt von René Block, der es für 110.000 DM, entsprechend den damaligen Preisen eines Werkes von Andy Warhol oder Robert Rauschenberg, anbot. Als Leihgabe kam es nach Kassel in die Neue Galerie. Beuys selbst legte dort den Standort des Busses und die Ordnung der Schlitten fest. Nachdem die Herbigs den Leihvertrag für ihre Sammlung Ende der 1980er Jahre zunächst nicht um weitere zehn Jahre hatten verlängern wollen, erwarb das Land Hessen mit der Unterstützung der Hessischen Kulturstiftung und der Kulturstiftung der Länder 1993 den Beuys-Raum für 16 Millionen Mark und erhielt eine Verlängerung des Vertrags. Nach dem Tod ihres Mannes zog Barbara Herbig die übrigen 114 Kunstwerke ihrer Sammlung zum Jahresende 1997 aus der Neuen Galerie ab.

Quelle: Wikipedia

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