"Fingerz" in Kassel: Vom Surf- zum Fairtrade-Fashion-Shop

Fingerz Kassel Entenanger, Erika Finger
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Fingerz Kassel Entenanger, Erika Finger

Das „Fingerz“ gibt es schon gefühlte Ewigkeiten. Bei inhabergeführten Geschäften ist das heutzutage schon eine Seltenheit. Wie alles anfing...

Kassel. Viele Leute, die heutzutage in Anzügen im Büro sitzen, saßen früher bei ihr mit Basecap und kurzen Hosen im Laden rum  (heutzutage würde man dazu chillen sagen). Und mittlerweile kommen viele langjährige Kunden auch sogar mit ihren Kindern in ihren Laden. Die Rede ist vom legendären "Fingerz". Seit über 30 Jahren verkauft  dessen Gründerin Erika Finger Streetwear und Bekleidung von vielen beliebten und angesagten Marken – darunter auch viel Fairtrade und Organic-Fashion.'

Angefangen hat alles damals mit einem Surf-Shop in der Schönfelder Straße. Daraus entstand ein Laden, den wohl jeder Oldschool-Skater, Surfer und Snowboarder aus der Region kennt.

Als die heute 62-Jährige ihre Ausbildung zur Verkäuferin im ehemaligen Modehaus Voepel beendet hatte, eröffnete sie in der Schönfelder Straße einen Surf Shop. "Mein Mann hatte damals eine Windsurfing-Schule am Edersee. Dewegen lag ein passender Shop dazu nah", berichtet die Kasselerin. Einige Jahre später zog man in die gegenüberliegenden Räumlichkeitten der Schönfelder Straße 38 um. Der Surf-Shop wurde zum "Fingerz". Kurze Zeit nach Eröffnung kamen dann ein paar Jungs rund um den heute als Comiczeichner bekannten Valentin Kopetzki (Bringmann & Kopetzki) in ihren Laden und fragten Erika, ob sie nicht mit ihnen zusammen Skateboards und Zubehör verkaufen wollte. "Vom Skaten hatte ich zwar überhaupt keine Ahnung, aber irgendwie fand ich die Sparte interessant. Ich einigte mich mit den Jungs auf einen Etat von 4000 DM, für den sie Skate-Stuff bestellen konnten." Im Lauf der Zeit wurden dann die Surfsachen aus dem Angebot genommen und man spezialisierte sich auf Skate-und Streetwear.

Da die Skater in Kassel und Umgebung auch eine Plattform und Halle für Skateboarding und Rollsport haben wollten, wurde mit einigen Leuten aus dem Fingerz heraus der "1. Skate-Board-Verein Kassel e.V" gegründet, der später in "Mr Wilson" umfirmiert wurde. Als ein paar Jahre später die erste Snowboardwelle los ging, kam Manuel Milbert (heutiger Voice-Inhaber und Chewing Gum/Titus-Mitinhaber) ins Fingerz und fragte, ob er sich mit Snowboardsachen einmieten könne. So wurde der Laden zum beliebten Mekka für Snowboardfreunde.

Da für viele Kunden das Ladengeschaft zu weit von der Innnstadt entfernt war, entschied man sich im Jahr 1998 für einen Umzug in den Entenanger. Dort ging der Verkauf zwar mit Snowboardsachen von Milbert weiter, da  aber der große Skate-Boom vorbei war, bzw der Nachwuchs fehlte, entschied sich die Geschäftsfrau, sich von Skateboards zu trennen und nur noch Bekleidung zu verkaufen.

Einige Zeit später wollte der Kasseler sein eigenes Ding machen und Erika spezialisierte sich fortan auf angesagte Marken und vor allem Organic- und Fairtrade-Kleidung wie von Armed Angels, Knowledge Cotton Apparell und kleinen neuen Marken, die noch unbekannt sind.

"Ich habe schon viele Auf und Ab im Geschäft erlebt und kann zurückblickend sagen, dass es eine lehrreiche Zeit war. Aber ich bin immer noch gern und mit Leidenschaft dabei." Erikas Kunden schätzen vor allem das Persönliche: "Das ist hier wie eine große Familie", berichtet ein treuer Kunde, der dort schon seit über 20 Jahren einkauft. "Ich freue mich immer, wenn langjährige Kunden mit ihren Kindern kommen Und ich sozusagen die zweite Generation einkleiden darf. Dewegen habe ich auch einige Kindersachen im Sortiment."

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