Fleischermeister mit Boygroup-Faktor

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Kassel. Jannis, Fabian und Marc sind Anfang 20 und Fleischermeister. Lokalo24.de sprach mit dem Trio über Vorurteile und gute Würste.

Kassel. Wir könnten über Sport reden. Oder Musik. Schließlich sehen die drei smarten Jungs aus, als wären sie die Stürmer-Hoffnung eines Fußball-Clubs. Oder eine aufstrebende Boy-Band. Wir reden aber über Steak und Schule, über Gewürze und Generationen. Aus gutem Grund. Denn Fabian Sturm (22), Marc Burghardt (21) und Jannis Jäger (20) sind Meister.  Die drei bekamen im Januar in der Frankfurter Paulskirche ihre Briefe ausgehändigt. Fleischer sind sie. Aus Überzeugung. Und aus Tradition.

Schon als Kind beim Schlachten dabei

"Schon als Kind war ich beim Schlachten dabei, habe zugeschaut und mitgemacht", erinnert sich Fabian Sturm, der als Innungsbester Geselle den Meisterbrief gleich knappe Zeit später vorlegte. Ihm folgten Jannis Jäger und Marc Burghardt, die ähnliche Erstkontakte mit dem Handwerk vorweisen können: Typisch Familienbetrieb eben – Sturms arbeiten in Lohfelden,   Burghardts haben ihre Metzgerei in der Elfbuchenstraße. Und Jannis Jäger tritt in die Fußstapfen von Vater und Großvater im Schlachthaus Warburg. Bei so viel Familientradition war schnell klar, dass es in die Richtung gehen soll.

Nur Marc Burghardt versuchte sich als Kfz-Mechatroniker. "Vor der ersten Zwischenprüfung habe ich dann glücklicherweise gemerkt, dass das nichts für mich ist." Der gewählte Beruf jedoch schon. "Nie!" kommt unisono auf die Frage, ob man die Entscheidung schon mal bereut habe.   Und auch die kleinen Konflikte, die es im Familienbetrieb mal gibt, lassen sich gut aushalten. "Dafür hat man schon in der Ausbildung mehr mitbekommen als viele andere in ihren Ausbildungsstätten in Großbetrieben", sagt Jannis. "Und die Mitsprache ist natürlich wesentlich größer", ergänzt Fabian Sturm.

Abwechslung und Kreativität

Was macht ihren Beruf so attraktiv? "Die Abwechslung – vom Zerteilen über das Wurstmachen, vom Gespräch mit Kunden über die Buchhaltung bis zu Caterings ist jede Woche alles dabei", freut sich Fabian Sturm über die Vielfalt seines Berufs.   "Gerade die Gespräche mit Kunden oder Lieferanten sind es, die heutzutage ganz wichtig sind. Herkunft des Fleischs, die Qualität – das macht eben den Unterschied zur Massenware aus", sagt Jannis Jäger. Und Marc Burghardt fügt noch Kreativität als weiteren Faktor zur Zufriedenheit mit dem alten Handwerk hinzu: "Wenn du etwas wie eine gute Wurst entstehen lässt, erst viel ausprobierst, sie am Ende für ihren Geschmack gelobt wird – das ist schon was Tolles."

Und so ist ihnen um ihre Zukunft als Fleischer nicht bange. Und obwohl sie als Familienunternehmer unter den Meisterbrief-Trägern nicht nur aufgrund ihres Alters schon fast exotisch waren – sie wissen um die Vorzüge ihrer Betriebe. "Gerade weil sich die Menschen heute mehr mit dem Thema Fleisch beschäftigen, wenden sich viele von der Supermarktware ab", weiß Fabian Sturm. Und Marc Burghardt freut sich, "dass im Laden auch wieder vermehrt jüngere Menschen einkaufen." Qualität, Frische und individuelle Handwerkskunst seien es eben, die den Unterschied machen, fügt Janni Jäger hinzu.

Über das Bild, das von ihrem Beruf draußen existiert, können sie nur Schmunzeln. "Manche denken doch wirklich, dass man mit dem Messer zwischen den Zähnen von morgens bis abends im Blut watet", wundert sich Fabian Sturm. Die Überraschung, mit der man ihnen  begegne wenn sie ihren Beruf nennen, sei doch jedes Mal wieder ungewöhnlich.  Aber eigentlich darf man es auch als  Kompliment verstehen: Das junge Meister-Trio dient schon jetzt dem nordhessischen Fleischer-Handwerk als bester Image-Träger.

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