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„Flower-Power“ im Schloss Wilhelmshöhe und Löwenburg-Wiedereröffnung: MHK-Direktor Prof. Dr. Martin Eberle im EXTRA TIP-Gespräch

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Von: Ulf Schaumlöffel

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Knochenfunde im Blumenbeet vorm Schloss Wilhelmshöhe, Wasserspiele im Bergpark und die Wiedereröffnung der Löwenburg. Im Bergpark Wilhelmshöhe ist einiges los. Aber nicht nur dort. Auch das Thema Fahrradfahrer in Parks polarisiert nach wie vor. Viel zu tun für MHK-Direktor Prof. Dr. Martin Eberle. Doch den Routinier bringt das nicht aus der Ruhe: im Gegenteil! Er freut sich, dass das normale wieder Leben wieder Einzug hält.

Sanierung Löwenburg
1 / 20Sanierung Löwenburg © Fotos: Fischer, Schölzchen, Mirja van Ijken
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20 / 20Sanierung Löwenburg © Fotos: Fischer, Schölzchen, Mirja van Ijken

Kassel Bestens gelaunt ist Prof. Dr. Martin Eberle, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel, als der EXTRA TIP sich mit ihm zum Rundgang trifft.Auch der Knochenfund vorm Schloss Wilhelmshöhe (wir berichteten) bringt ihn nicht aus der Ruhe. Vielleicht liegt das auch am sonnigen Wetter – oder den anderen guten Nachrichten: „Ich freue mich, das nach zwei Jahren Pause wegen der Corona-Pandemie am 1. Mai wieder die Wasserspiele im Bergpark Wilhelmshöhe zu sehen sind.“ Weiter wird im Juli die Löwenburg nach zehn Jahren Sanierung wieder geöffnet. Wir sprachen mit dem Museumschef aber noch über andere Themen.

Treffen im Bergpark: Prof. Dr. Martin Eberle, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel (re.)im Gespräch mit Petra Goßmann, Geschäftsführerin EXTRA TIP und Ulf Schaumlöffel, Redaktionsleiter EXTRA TIP.
Treffen im Bergpark: Prof. Dr. Martin Eberle, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel (re.)im Gespräch mit Petra Goßmann, Geschäftsführerin EXTRA TIP und Ulf Schaumlöffel, Redaktionsleiter EXTRA TIP. © Foto: Soremski

Von welchem Museum können sie in Kassel nie genug bekommen? Egal ob das Museum für Sepulkralkultur, das Fridericianum, das Stadtmuseum, die Grimmwelt, das Naturkundemuseum oder unsere Häuser: Kassel hat eine unglaubliche und sehenswerte museale Vielfalt. Die Museumslandschaft in Kassel ist – nicht nur für eine mittelgroße Stadt – beeindruckend und jedes Museum für sich viele Besuche wert.

Gibt es spezielle Angebote zur documenta? Wir können den documenta Gästen und allen anderen Liebhaber*innen der Kasseler Kulturlandschaft in diesem Jahr vielversprechende Angebote zu einem Kassel-Besuch machen. Als ein wirklich großartiges Kooperationsprojekt mit dem documenta archiv, der Galerie Rasch und der Kasseler Kunsthochschule eröffnen wir am 03. Juni 2022 mit der Sonderausstellung „Arnold Bode unframed“ die erste große Schau zum künstlerischen Schaffen des documenta Gründers. Ergänzend dazu bietet sich im 1. OG der Neuen Galerie die Dauerausstellung „about: documenta“ an, die einen fabelhaften Überblick über die Geschichte der Weltkunstschau und ihrer zeitgeschichtlichen Einordnung bietet.

Mit welchen Angeboten will die MHK junge Leute ansprechen? Zunächst einmal darf ich hervorheben, dass wir uns schon vor einigen Jahren dazu entschlossen haben, Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sowie Studierenden der Universität Kassel freien Eintritt in allen unseren Einrichtungen zu gewähren. Wir laden damit besonders jüngere Museumsgäste sowie auch Familien mit Kindern ein, unsere Museen, Schlösser und Parks kennenzulernen. Die MHK bietet eine breite Palette an regelmäßigen öffentlichen und buchbaren Angeboten für alle Altersgruppen. Wir holen bereits die kleinsten Museumsbesucher*innen mit unseren Kindergeburtstagen und Familienangeboten ab. Jugendliche und junge Erwachsene sind eingeladen, mit unserem Art Cocktail Freitagabends das Wochenende einzuleiten, beim Yoga im Museum gleichzeitig die Kunst zu genießen oder an unseren Kreativ-Workshops teilzunehmen. Kunstpause und Abendgeschichte bieten einen kurzweiligen Einblick in unterschiedliche Museumsthemen. Und wer es ausführlicher mag, der besucht einen unserer vielfältigen Rundgänge zu wechselnden Themen. Und auch im digitalen Bereich haben wir in den letzten zwei Jahren eine Menge geschafft. Unser Programm „Kultur & Co.“ bietet mit kleinen Kurzclips einen spannenden Rundgang durch die Kunstgeschichte. Oder auch die App „100 Meisterwerke“, die auf unterhaltsame Weise und in Form von kuratierten Rundgängen Einblicke in die bedeutendsten Ausstellungsstücke bietet. Bei uns bekommt jede*r ein Angebot nach seinem oder ihrem Geschmack.

Wenn sie mal nicht in einem der Schlösser oder Museen sind: Was machen sie gern in ihrer Freizeit? Dann lese ich. Und ich koche. Zwar nicht gut, aber gerne.

Wie oft im Alltag beobachten sie eine Szene und denken dann an ein Bild in der MHK? Das passiert mir eigentlich ständig. In der großen Vielfalt unserer Sammlungen findet sich ein Querschnitt unseres Alltags wieder. Und auch umgekehrt kann ich durch unsere Ausstellungen gehen und fühle mich an alltägliche Situationen erinnert. Wenngleich die meisten Objekte in einem ganz anderen zeitgeschichtlichen Kontext entstanden sind, lassen sich nicht selten Parallelen zur Gegenwart ableiten.

Im documenta-Sommer wird Kassel neben der Kunst einen weiteren Höhepunkt bieten können. Die Wiedereröffnung der Löwenburg steht an. Seit gut zehn Jahren wird die Burg bereits saniert. Wie hoch sind die Sanierungskosten? Was ist zur großen Wiedereröffnung geplant? Am 16./17. Juli können unsere Besucher*innen die Löwenburg wiedererobern. Für das Eröffnungswochenende planen wir ein buntes Programm für Groß und Klein. Einblicke in die wiedereingerichteten Schauräume, deren Inventar aus dem 19. Jh. fast vollständig erhalten ist, Führungen zu den Außenanlagen und natürlich der unvergleichliche, atemberaubende Blick vom wiederrichteten Bergfried über Kassel und den Bergpark.

Das hat es seit 1945 Uhr nicht mehr gegeben. Ich habe das Glück, dass ich schon mal auf den Turm durfte und ich kann jedem einen Besuch auf Kassels neuer Aussichtsplattform empfehlen. Die 30 Mio. Euro, die das Land Hessen in die Instandsetzung der Burg investiert hat, haben sich gelohnt.

Stichwort: Fahrradfahrer in Parks. Wie geht man am besten mit der Situation um, bzw. wie einigt sich man? Gibt es neue Konzepte zu dem brisanten Thema? Die Karlsaue sowie auch der Bergpark Wilhelmshöhe sind historische Gartenkunstwerke, die im Verlauf der letzten 300 Jahre von Menschenhand so geschaffen wurden, wie wir sie heute noch erleben können. Sie sollen Orte der Erholung, des Lernens und der Erbauung sein. Wir sind vom Land Hessen eingesetzt worden sowohl für die denkmal- und gartenpflegerische Betreuung und Erhaltung als auch für die Erforschung, Vermittlung und Bewahrung der Anlagen. Als eine der grünsten Städte Deutschlands profitiert Kassel von seinen vielseitigen und teilweise historischen Parkanlagen. Besonders die Karlsaue als Kassels grüne Lunge und das UNESCO Welterbe Bergpark Wilhelmshöhe bieten nahegelegene Rückzugsorte, die zum Spazierengehen und Verweilen einladen. Denn auch dafür muss es ungestörte Orte geben und wir appellieren an all unsere Gäste, sich für ein respektvolles Miteinander einzusetzen. Wir bieten in all unseren Parkanlagen Querungen für Fahrradfahrer an. Ein weiterer Fahrradweg, der die Karlsaue zwischen Kunsthochschule und Auedamm verbinden soll, ist in Planungen. Hier warten wir auf eine Rückmeldung der Stadt Kassel, die leider noch aussteht.

Welche Tätigkeit würden sie in ihrem Job am liebsten weglassen? Ich habe das große Glück einer Arbeit nachgehen zu dürfen, die so vielfältig und abwechslungsreich ist, dass sie mein Leben jeden Tag aufs Neue bereichert. Ich darf meinen Arbeitstag dort verbringen, wo andere Urlaub machen. Das ist ein Geschenk und das möchte ich nicht tauschen.

Welche Frage würden sie gern einmal gestellt bekommen? Haben Sie abgenommen?

Wird es in diesem Jahr wieder einen Dackelspaziergang geben? Der Dackelspaziergang ist mittlerweile eine unserer beliebtesten Veranstaltungen im Jahr und hat sich bei einem Stammpublikum etabliert. Selbstverständlich laden wir Hunde und Hundebesitzer*innen auch dieses Jahr wieder – am Samstag, den 17. September – zu einer Rallye auf die Wilhelmshöhe ein.

Wie beurteilen sie die Position der MHK-Museen im Vergleich mit anderen deutschen Häusern? Die MHK ist eine der größten Kunst- und Kulturinstitutionen in Deutschland. Die Einheit von Museen, Schlössern und historischen Parkanlagen im Zusammenhang mit Kunst- und Kulturhistorischen Sammlungen ist in diesem Umfang einmalig und etwas ganz Besonderes. Wir können in Kassel sehr stolz sein auf die wertvollen Schätze, die durch die Sammelleidenschaft der Landgrafen und Kurfürsten zusammengekommen sind. Und es ist uns ein wichtiges Anliegen, diese zu bewahren und auch für zukünftige Generationen erlebbar zu machen.

An welchen neuen Ausstellungen arbeiten sie gerade? Wir haben in diesem Jahr eine reichhaltige Auswahl an Sonderausstellungen geplant. Unser Ausstellungsjahr geht bunt los. Angefangen mit einem Querschnitt durch interkulturelle Hochzeitsrituale sagen wir: „Ja! Hochzeit in allen Farben“. Am 8. April geht es mit „OP, POP, TOP! Tapeten der 70er Jahre“ direkt in das schrille Zeitalter der Flower-Power. Arnold Bode begleitet uns zur documenta und im Herbst begehen wir den 300sten Geburtstag des Kasseler Hofmalers Johann Heinrich Tischbeins mit „Der Maler als Zeichner – der Zeichner als Maler“. Darüber hinaus planen wir einige kleinere Ausstellungen zu einem frisch restaurierten Gemälde von Wilhelm Böttner und über die Anfänge der Archäologie am Golf von Neapel. Sie sehen auch hier wieder, wie vielfältig unsere Sammlungen und unsere Möglichkeiten sind.

Stichpunkt „Diebstahl von Kunstwerken in Deutschland (z.B. Dresden)“: Wie sicher sind die Gebäude der MHK? Dazu können wir aus Sicherheitsgründen keine Angaben machen.

Zur Person

Prof. Dr. Martin Eberle, geboren 1968 in Schrobenhausen, studierte Kunstgeschichte und Geschichte an den Universitäten München, Bamberg und Jena. Seine Dissertation schrieb er über den Wiener Interieursmaler Franz Heinrich. Eberle arbeitete von 1996 bis 1999 am Grassimuseum in Leipzig, danach übernahm er die Leitung des Gohliser Schlösschens in Leipzig. 2003 wurde er Leiter des Städtischen Museums Braunschweig.

Am 1. Oktober 2007 wurde er vom Stiftungsrat der Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha als neuer Stiftungsdirektor gewählt. In dieser Funktion konzipierte er die Gothaer Schloss- und Museumslandschaft als „Barockes Universum Gotha“ neu. 2013 wurde er von der Universität Erfurt zum Honorarprofessor ernannt.

Seit dem 1. Mai 2018 ist er Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel in Kassel.

Zur MHK gehören unter anderem Bergpark und Schloss Wilhelmshöhe, die Löwenburg, das Orangerieschloss, das Hessische Landesmuseum, die Neue Galerie sowie das Schloss Friedrichstein in Bad Wildungen und Schlosspark Wilhelmsthal bei Calden

wikipedia

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