Flüchtlingslager Lohfelden: Flüchtlinge dankbar und freundlich

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Wir haben erste Eindrücke aus dem Flüchtlingslager in Lohfelden und mit einem Flüchtling gesprochen, der über seine Situation berichtet.

Lohfelden. Für die Presse hatte das Regierungspräsidium Kassel einen Rundgang durch die Erstaufnahmeeinrichtung in Lohfelden organisiert. Der Andrang war enorm. Das Interesse an den Flüchtlingen bleibt ungebrochen hoch. Gleich am Eingang begegnet uns Peter Gerwald (66). Der ehemalige Bezirksjugendpfleger bereitet gerade die Ausgabe des Mittagessens vor. Ihm helfen Thires Vinsananayagam und Zehra Bayrtam. Die Mädchen sind noch auf der Söhreschule und wollen helfen. Überhaupt setzt die Gemeinde Lohfelden viel auf Ehrenamtliche. Um so schlimmer war es deshalb, dass ausgerechnet die Veranstaltung, die die Gemeinde nutzen wollte, um Helfer zu werben, von Pegida-Mitgliedern als Bühne für ihre ausländerfeindlichen Sprüche missbraucht worden war. Doch Peter Gerwald war schnell erleichtert. "Das war zwar peinlich, aber die Leute haben sich nicht irritieren lassen und sich anschließend in großer Zahl in die Listen eingetragen. Wer helfen möchte, kann einfach zu uns an die Einrichtung kommen oder sich in der Gemeindeverwaltunginformieren.”

Immer wieder kommen während des Gesprächs Asylbewerber, holen sich Kaffee, Informationen. Die Situation ist entspannt, die Menschen sind höflich, freundlich, zuvorkommend. "Es macht viel Spaß, mit ihnen zu arbeiten. Sie sind dankbar, dass sie in Sicherheit sind. Probleme hatten wir nicht. "Die jungen Leute sind unsere Gäste. Und wie in jeder Familie sind es überwiegend ganz nette Leute. Und so behandeln wir sie auch”, erklärt Gerwald, der betont, dass auch die Frauen keinerlei Probleme haben.

An der Tischtennisplatte, die eine Lohfeldener Familie gestiftet hat, treffen wir Dr. K. A. aus Damaskus. Er hat in Ilmenau studiert, seinen Doktor gemacht. "2007 bin ich zurück nach Damaskus gegangen, habe dort an der Uni gelehrt. Doch zuletzt war es lebensgefährlich. Tausende Raketeneinschläge, Autobomben – und das in der angeblich so sicheren Region Damaskus. Am schlimmsten ist es für die Männer. Fast täglich werden welche entführt. Und wenn sie nicht bereit sind, mit zu morden, werden sie umgebracht. ” Dr. K. A., der aus Sicherheitsgründen seinen vollständigen Namen nicht geschrieben sehen möchte, ist nicht allein gekommen. Er hat zwei seiner Studenten und Schüler mit auf den langen gefährlichen Weg nach Europa genommen. 3000 Euro haben sie pro Person an Schleuser gezahlt. 250 Kilometer sind sie zu Fuß gegangen. "Das Schlimmste war die Fahrt mit dem Gummiboot nach Griechenland. Aber wir haben überlebt.” In Deutschland angekommen hat er sich sofort mit seinem Doktorvater in Ilmenau in Verbindung gesetzt. Der will ihm helfen, wenn der Asylantrag durch ist, hat ihn schon in Schwarzenborn im Zeltlager besucht. Denn von dort sind die aktuell 300 Bewohner in Lohfelden gekommen. Dr. K. A. ist dankbar, dass sie jetzt in dem ehemaligen Hornbach Gartenmarkt untergekommen sind: "Hier ist es warm. In Schwarzenborn war es auch schön. Aber die Nächte in den Zelten waren sehr kalt. Doch das ist egal. Ich bin froh, dass uns überhaupt geholfen wird.” Spricht’s und spielt wieder Tischtennis. Das ist alles, was sie haben...

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