Flüge gestrichen, keine Jobs: Kasseler muss wegen Corona Work-and-Travel in Neuseeland abbrechen

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Philipp Niemann mit seinem Camper in Neuseeland. Seine Work-and-Travel-Reise endete unerwartet früh.

Die Reise sollte anders verlaufen - bis das Coronavirus ein Strich durch die Planung des 19-jährigen Kasseler Philipp Niemann machte.

Kassel/Neuseeland. Eigentlich sollte es vor zwei Wochen für den Kasseler Philipp Niemann von Neuseeland nach Australien gehen. Von Australien dann nach Bali, von Bali auf die Philippinen und erst dann war die Rückkehr nach Deutschland geplant – doch es kam anders.

Sechs Monate reiste der Kasseler durch Neuseeland. Sein treuer Begleiter in der Zeit: der Camper.

„Aufgrund der Corona-Krise endet meine Reise nun vorzeitig und ich fliege zurück in die Heimat. Geplant war ursprünglich, dass ich von Neuseeland nach Australien reise. Hier wollte ich mich für eine Dauer von dreieinhalb Wochen mit Freunden treffen, um an der Ostküste einen Roadtrip zu machen. Da ich aber für zwei Woche in Quarantäne müsste, lohnt sich der Aufenthalt kaum. Wir, also meine Freunde und ich, wollten dann eigentlich gemeinsam nach Bali fliegen. Hier hatten wir eine Villa gemietet, in der wir einen Monat bleiben und urlauben wollten. Doch auch hier müssten wir damit rechnen, dass wir – auch ohne Krankheitszeichen – bei der Einreise für zwei Wochen in Massen-Quarantäne gesteckt werden. Das wäre fast wie im Gefängnis und es gäbe keine Möglichkeit, hier irgendwie rauszukommen. Und das war uns zu heikel“, erzählt uns der 19-Jährige, der schon seit sechs Monaten in Neuseeland weilt, dort arbeitete und mit einem Camper das Land erkundete.

Anschließend sah es der Plan vor, für weitere zweieinhalb Monate zu reisen. Nach Bali sollte noch ein zweiwöchiger Trip auf die Philippinen folgen, doch hier herrscht mittlerweile ein Einreiseverbot, so dass auch dieser Aufenthalt abgesagt wurde. Sieben Flüge musste der Kasseler stornieren, ebenso die Villa auf Bali. „Ich hatte Glück, dass ich schon vor einigen Wochen meinen Camper verkaufen konnte, bevor es hier ernst wurde. Denn mittlerweile kommen kaum noch Backpacker nach Neuseeland und es gibt kaum mehr Jobs“, berichtet uns der Kasseler per Sprachnachricht. Bislang gibt es zwar nur wenig Coronafälle auf der dünn besiedelten Insel, dennoch gilt ein Einreiseverbot, da einige der Infizierten Touristen waren.

„Da ich meinen Camper schon verkauft habe und mein Visa keine Arbeit mehr zulässt hatte ich die Wahl zwischen ‚Auf Neuseeland bleiben und schauen, wie sich die Lage entwickelt‘ oder ‚Direkt nach Hause zu fliegen‘. Ich habe mich für Option zwei entschieden, da meine Reisepläne weggefallen sind und ich hier nicht mehr groß etwas machen kann“, so der Backpacker. Die Rückreise gestaltet sich jedoch auch schwierig, da die meisten großen Flughäfen auf der Welt schon geschlossen wurden und es keine Direktflüge nach Deutschland gibt. „Ich habe jetzt einen der letzten Flüge über einen Zwischenstopp in Dubai ergattern können. Dort hat der Flughafen noch geöffnet und ich konnte glücklicherweise den letzten Platz buchen.“

Zurück in der Heimat will der angehende Student schauen, was er eventuell an Kosten zurückerstattet bekommt. „Die Kosten der Villa auf Bali bekommen ich und meine Freunde komplett zurück. Bei den sieben gebuchten Flügen wird es komplizierter, denn hier kommt es auf die jeweilige Fluggesellschaft drauf an.“ Der Rückflug nach Deutschland kostete über tausend Euro und ist der vorläufige Abschluss einer Reise ans Ende der Welt – die eigentlich hätte länger dauern sollen.

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